Bäärger Forum zum aktuellen Stand des Landesspitals
Die Regierungsräte Emanuel Schädler und Daniel Oehry beim Bäärger Forum 2026 | Foto: Gregor Meier
Zuerst bat Regierungsrat Emanuel Schädler die Anwesenden, die Hand zu heben. Wer will weiterbauen, aber erst nach gründlicher Prüfung? Wer will von vorne anfangen? Wer will am bestehenden Standort bleiben und sanieren? Der Handaufzug im Hotel Kulm zeigte: Einigkeit herrscht in Liechtenstein beim Landesspital schon lange keine mehr.
Im Bäärger Forum hat die VU Triesenberg heute zwei Gäste eingeladen, die das Land seit Monaten beschäftigen. Gemeinsam mit Schädler erklärte Infrastrukturminister Daniel Oehry wo das Projekt steht, was schiefgelaufen ist – und warum es jezt anders werden soll.
Bauherrschaft liegt jetzt beim Land
Erstmals tragen zwei Ministerien das Spitalprojekt gemeinsam – was er als entscheidende Wende bezeichnete. Der Kern der Neuausrichtung ist strukturell. Bisher war die Stiftung Landesspital Bauherrin, das Land zahlte, das Ministerium für Gesellschaft war formal für die Gesundheit zuständig – und das Bauministerium hatte lediglich eine Beratungsfunktion. Diese Konstellation habe zu den bekannten Problemen geführt, so Schädler.
Neu liegt die Bauherrschaft beim Land selbst. Das Infrastrukturministerium unter Oehry führt den Bau, das Gesellschaftsministerium unter Schädler verantwortet den laufenden Betrieb. Das Spital selbst hat eine beratende und nutzerbeschreibende Rolle – es definiert, was das Spital können muss, baut es aber nicht mehr selbst.
Was bis heute passiert ist
Schädler und Oehry skizzierten den Weg seit dem Legislaturwechsel im April 2025. Nach ersten Hinweisen auf Unregelmässigkeiten liess die Regierung zunächst eine Vollständigkeitsprüfung durchführen. Das Ergebnis gab Anlass zur Besorgnis, weshalb im September 2025 ein Projekt- und Planungsstopp verhängt wurde. Eine Detailprüfung durch das externe Fachbüro BlumerGaignat AG, das unter anderem das Spital Münsterlingen, das Schaffhauser Kantonsspital und das Inselspital Bern begleitet hat, legte offen, wo das Vorprojekt stand: Zahlreiche Planungsunterlagen waren unvollständig, Geschosshöhen nicht normgerecht, Prozessabläufe problematisch. Im Februar 2026 fasste die Regierung den Beschluss zur Neuorganisation und übernahm die Bauherrschaft offiziell.
Parallel dazu setzte der Landtag eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) ein – das schärfste Untersuchungsinstrument des Parlaments – mit dem Ziel herauszufinden, wie es zu diesen Mängeln kommen konnte und wie sie künftig verhindert werden. Antworten der PUK stehen noch aus.
Drei Fixpunkte sind für die Regierung unverhandelbar, weil sie durch Volksabstimmungen und Gesetze abgestützt sind. Erstens der Standort: Das Willi-Areal-Gesetz ist seit 2019 verbindlich. Zweitens der Kostenrahmen, derbei indexiert 93,74 Millionen Franken liegt. Davon wurden bisher 4,7 Millionen ausgegeben; es verbleiben rund 89 Millionen Franken. Drittens der Leistungsauftrag, der das Landesspital als Grundversorgungsspital mit einer Notfallabteilung rund um die Uhr vorsieht. Dazu gehört auch eine Akutgeriatrie sowie eine Pandemiestationen. Eine Geburtenstation ist explizit nicht vorgesehen – zu wenige Geburten in Liechtenstein würden einen sicheren und rentablen Betrieb verunmöglichen.
Ob 89 Millionen Franken für einen funktionstüchtigen Neubau reichen, ist dabei die eigentliche offene Frage – und die, auf die auch der Herbst noch keine abschliessende Antwort geben wird.
Entscheid fällt im Dezember 2026
Den konkreten Fahrplan legte Oehry dar: Im Herbst 2026 soll eine neue Kostenschätzung vorliegen. Parallel wird eine Objektstrategie für das bestehende Areal erarbeitet – also die Frage, wie lange das heutige Spitalgebäude noch tragbar ist und was dafür investiert werden muss. Wenn im Herbst alle Grundlagen vorliegen, könne die Regierung noch vor Ende Jahr entscheiden, ob das Projekt in seiner überarbeiteten Form weitergebaut wird.
Einen Vorteil in dieser Phase sieht Schädler im neuen Spitaldirektor Jochen Steinbrenner, der Erfahrung aus dem Spitalbau in Grabs mitbringt und das Prinzip der Rollentrennung – wer bestellt, baut nicht – aus eigener Praxis kennt.
Sorge um den laufenden Betrieb
Schädler nutzte den Abend auch, um auf eine weniger diskutierte Dimension hinzuweisen: Die anhaltend negative Berichterstattung über den Neubau im «Vaterland» wirke sich auf den laufenden Betrieb aus. Die Notfallzahlen an Wochenenden seien auffällig tiefer als unter der Woche – ein Indiz dafür, dass das öffentliche Vertrauen leide. Er appellierte, zwischen offiziellen Regierungsmitteilungen, Debatten und Meinungsbeiträgen zu unterscheiden.
Das ist eine nachvollziehbare Sorge. Sie ändert aber nichts daran, dass die Bevölkerung seit Jahren auf ein Spital wartet, dessen Kosten, Qualität und Fertigstellungstermin noch immer ungewiss sind. Der nächste Prüfstein ist der Herbst 2026 – wenn die Regierung entscheiden muss, wie es mit dem Projekt weitergeht.

