Regionalwahlen bescheren Labour historische Niederlage

Britain

Historische Verluste für Labour, ein Triumph für die SNP und der Durchbruch von Reform UK: Die Regional- und Kommunalwahlen markieren einen tiefen Einschnitt in der britischen Politik. Vor allem in Wales zeigt sich ein dramatischer Machtwechsel.

Wales: Plaid Cymru übernimmt die Macht

Die dramatischste Veränderung spielte sich in Wales ab. Plaid Cymru, die walisische Unabhängigkeitspartei, ist laut Hochrechnungen auf dem Weg zur stärksten Kraft im Senedd, dem walisischen Parlament. Mit prognostizierten 43 Sitzen überholt sie Labour deutlich, das nach Parteiangaben auf gerade noch etwa zehn Mandate abstürzt – ein Einbruch von 24 Prozentpunkten gegenüber 2021.

Besonders bemerkenswert: Labour landet in keiner einzigen der 16 walisischen Wahlkreise auf Platz eins. Reform UK liegt mit rund 34 prognostizierten Sitzen auf dem zweiten Rang – ein weiteres Zeichen für den landesweiten Rechtsruck.

Hinzu kommt, dass der Senedd in diesem Jahr von 60 auf 96 Mitglieder erweitert wurde und erstmals nach einem vollständig proportionalen Wahlsystem wählt. Die Wahlbeteiligung erreichte mit 51,7 Prozent einen historischen Höchststand in Wales.

Schottland: SNP auf Kurs für fünfte Amtszeit

In Schottland deutet sich ein weiterer Sieg der SNP an. Laut dem Prognosemodell von YouGov kommt die Partei auf rund 62 Sitze im 129-köpfigen Holyrood-Parlament – knapp unter der absoluten Mehrheit von 65. Die SNP wäre damit zum fünften Mal in Folge stärkste Kraft in Edinburgh. Stephen Flynn, der bisherige SNP-Fraktionschef im Londoner Unterhaus, gewann ein Direktmandat in Aberdeen und zieht ins Schottische Parlament ein.

England: Reform UK räumt in den Gemeinderäten ab

Auf der kommunalen Ebene in England zeigte sich dasselbe Muster: Reform UK gewann 367 zusätzliche Ratsmitglieder und übernahm erstmals Kontrolle über mehrere Gemeinderäte, darunter Tameside im Grossraum Manchester, wo Labour seit fast 50 Jahren regiert hatte. Labour verlor rund 254 Mandate und die Kontrolle über acht Räte.

Starmers Autorität erschüttert

Die Ergebnisse stellen Premierminister Keir Starmer vor eine ernste Machtprobe. Die nächsten regulären Parlamentswahlen sind erst für 2029 vorgesehen – doch der Druck aus den eigenen Reihen dürfte nach diesem Abend spürbar zunehmen.