Interpol beschlagnahmt über sechs Millionen gefälschte Medikamente
Bei einem weltweit koordinierten Schlag gegen den illegalen Medikamentenhandel haben Ermittler mehr als 6,4 Millionen Dosen gefälschter und nicht zugelassener Arzneimittel sichergestellt. Die Internationale Kriminalpolizeiliche Organisation Interpol mit Sitz in Lyon gab die Ergebnisse der knapp zweiwöchigen Operation bekannt. Der Wert der beschlagnahmten Stoffe wird auf 15,5 Millionen US-Dollar – umgerechnet rund 13,2 Millionen Euro – geschätzt.
An der von Interpol koordinierten Razzia beteiligten sich Behörden aus rund 90 Ländern. Die Fahnder nahmen 269 Verdächtige fest und zerschlugen 66 kriminelle Gruppen, die im illegalen Medikamentenhandel aktiv waren. Zusätzlich nahmen sie Tausende Onlineplattformen, soziale Kanäle und Webseiten vom Netz.
Die grössten Mengen sicherten die Behörden in Grossbritannien, Kolumbien und Australien. Am häufigsten stiessen die Ermittler auf gefälschte Mittel gegen Erektionsstörungen, Beruhigungsmittel sowie vermeintliche Raucherentwöhnungsprodukte.
Interpol-Generalsekretär Valdecy Urquiza betonte den Ernst der Lage: „Gefälschte Medikamente sind nicht nur Betrug, sie bringen Leben in Gefahr.“ Über Onlinemarktplätze und informelle Lieferketten könnten Kriminelle Lücken in der Kontrolle ausnutzen. Sie zielten auf Menschen ab, die schnelle und erschwingliche Hilfe suchten – doch die Konsequenzen könnten schwer und sogar tödlich sein.
Besondere Sorge bereitet den Ermittlern ein neu beobachteter Trend: Die Fahnder beschlagnahmten deutlich mehr Antiparasitika als in früheren Einsätzen. Die Präparate Ivermectin und Fenbendazol werden unter dem Schlagwort «Kits zur Krebsbehandlung» als alternative Krebsmittel vermarktet. Gesundheitsbehörden warnen jedoch ausdrücklich, dass es dafür keinerlei wissenschaftliche Grundlage gibt.
Die Ergebnisse verdeutlichen, wie stark sich der illegale Arzneimittelhandel ins Internet verlagert hat. Interpol betreibt die Operation Pangea jährlich – mit wachsendem Aufwand und stetig zunehmenden Beschlagnahmemengen.
