Kultur in Liechtenstein: Hohe Wertschätzung, aber wenig Zeit
Thomas Milic, Sabine Monauni und Karin Frick
Das Ministerium für Äusseres, Umwelt und Kultur hat heute eine repräsentative Bevölkerungsumfrage zum Kulturverhalten in Liechtenstein vorgestellt. Die Studie wurde vom Liechtenstein-Institut unter der Leitung von Karin Frick und Thomas Milic durchgeführt und bildet eine wichtige Grundlage für die Kulturstrategie, die bis Ende September 2026 fertiggestellt werden soll.
Breite Wertschätzung, lokale Verankerung
Befragt wurden rund 900 Personen aus der ständigen Wohnbevölkerung zwischen 16 und 79 Jahren (Online-Befragung, November 2025 bis Januar 2026). Das Ergebnis ist eindeutig: Kunst und Kultur geniessen in der Bevölkerung hohen Stellenwert. Rund die Hälfte der Befragten bewertet das kulturelle Angebot als gut oder sehr gut, nur vier Prozent ausdrücklich negativ.
Auffällig ist, wie die Bevölkerung Kultur versteht: Spontan werden vor allem Gemeinschaft, Identität, Musik und Brauchtum genannt – Institutionen spielen im Bewusstsein eine deutlich untergeordnete Rolle. Kultur wird in Liechtenstein weniger elitär als vielmehr sozial und identitätsbezogen wahrgenommen. Besonders geschätzt werden lokale Angebote wie Musik und Konzerte, Theater sowie die Vereins- und Laienkultur.
Haupthindernis ist Zeit, nicht Geld
Dass ein Teil der Bevölkerung Kulturangebote seltener nutzt, liegt laut Umfrage primär an persönlichen Ressourcen: Rund 57 Prozent der betreffenden Personen nennen fehlende Zeit oder Energie als Hauptgrund. Kosten spielen mit gut 15 Prozent eine deutlich untergeordnete Rolle. Auch Angebotslücken werden mehrheitlich nicht als Problem wahrgenommen – der häufigste Einzelbefund auf die Frage, was im Kulturangebot fehle, lautet: nichts.
Wo konkrete Wünsche geäussert werden, betreffen sie vor allem mehr Internationalität, ein breiteres Musikangebot, Angebote für Jugendliche sowie bessere Infrastruktur.
Klare Mehrheit für staatliche Kulturförderung
Zwei Drittel der Befragten befürworten staatliche Kulturförderung – und dies parteiübergreifend, auch wenn im rechten politischen Spektrum etwas mehr Skepsis besteht. Die Begründung ist dabei vor allem kultureller, nicht wirtschaftlicher Natur: Identität, Bildung und der intrinsische Wert von Kultur werden als Argumente für Förderung klar bevorzugt.
Bei den Förderschwerpunkten wünscht sich die Bevölkerung eine ausgewogene Unterstützung – wenn Präferenzen bestehen, dann für zugängliche, lokal verankerte und breit ausgerichtete Kunst statt für elitäre oder hochspezialisierte Angebote.
Ableitungen für die Kulturstrategie
Aus den Ergebnissen leitet das Ministerium mehrere Schwerpunkte für die laufende Kulturstrategie ab: Die breite Förderung von Kulturangeboten soll fortgesetzt, Zugänglichkeit und Teilhabe gestärkt und insbesondere junge Menschen gezielter angesprochen werden. Zudem sollen kulturelle Bildung weiterentwickelt und Qualität sowie Koordination im Gesamtangebot verbessert werden.

