IWF bescheinigt Liechtenstein Stabilität – und prüft künftig nur noch alle zwei Jahre
Daniela Sele und Regierungschefin Brigitte Haas präsentieren den IWF-Bericht zur aktuellen Lage der liechtensteinischen Volkswirtschaft | Foto: Gregor Meier
Der IWF hat seinen Artikel-IV-Bericht zu Liechtenstein veröffentlicht und stellt der Volkswirtschaft insgesamt ein positives Zeugnis aus. Gleichzeitig rechnet er für 2025 und 2026 mit stagnierendem Wachstum und empfiehlt gezielte Massnahmen in mehreren Bereichen.
Der Bericht wurde an einer Medienkonferenz vorgestellt. Er entstand nach einer mehrtägigen Vor-Ort-Visite einer fünfköpfigen IWF-Delegation im Januar, die Gespräche mit Vertretern des Staates, der Wirtschaft, der Wissenschaft und einzelner Unternehmen führte. Federführend begleitete Dr. Daniela Sele, Senior Advisor beim Ministerium für Präsidiales und Finanzen, den gesamten Prozess.
Das Grundurteil des IWF fällt positiv aus: Dank eines innovativen Industriestandorts, eines breiten Gewerbes und eines international ausgerichteten Finanzsektors verfügt Liechtenstein über ein hohes Einkommensniveau, tiefe Arbeitslosigkeit und einen schuldenfreien Staatshaushalt. Doch die hohe Offenheit der Volkswirtschaft macht das Land auch anfälliger für externe Schocks: Globale Handelskonflikte, steigende Zölle und sinkende Auslandsnachfrage – vor allem in der exportorientierten Industrie – hinterlassen Spuren. Für 2025 und 2026 prognostiziert der IWF ein reales Wachstum von je 0 Prozent; auf Sicht mehrerer Jahre erwartet er eine Rückkehr auf ein Wachstumspotenzial von 1,5 Prozent pro Jahr.
Im Bereich der Fiskalpolitik lobt der IWF die solide Haushaltspolitik und empfiehlt deren Fortsetzung. Er mahnt aber auch zu Voraussicht: Steigende Ausgaben in den Bereichen Alterung der Gesellschaft, Sicherheit und Klimaanpassung werden auf den Staatshaushalt drücken. Die von der Regierung geplante frühzeitige Stabilisierung der Altersvorsorge wird dabei ausdrücklich positiv hervorgehoben. Bei externen Wirtschaftsschocks empfiehlt der IWF ausserdem den gezielten Einsatz von Instrumenten wie der Kurzarbeitsentschädigung.
Den liechtensteinischen Finanzsektor beschreibt der Bericht als erfolgreich und stabil, weist jedoch auf die globale Unsicherheit an den Finanzmärkten hin und empfiehlt eine weitere Stärkung der Resilienz des Banken- und Finanzsektors. Zudem regt der IWF eine verstärkte Analyse systemischer Risiken an, etwa der Verflechtungen zwischen dem Banken- und dem Nichtbankensektor.
Im strukturellen Bereich hebt der Bericht das duale Bildungssystem als besondere Stärke Liechtensteins hervor. Gleichzeitig empfiehlt der IWF Massnahmen zur Erhöhung der Arbeitsmarktbeteiligung der inländischen Bevölkerung, insbesondere von Frauen und älteren Erwerbstätigen. Vom neu eingeführten Elternurlaub erwartet der IWF positive Auswirkungen auf die Erwerbsbeteiligung von Frauen. Weiter betont der Bericht die Bedeutung von Innovation, Digitalisierung und dem Ausbau des Freihandelsnetzes – darunter explizit auch die Stabilisierung der Handelsbeziehungen mit den USA.
Eine bemerkenswerte institutionelle Änderung geht mit dem Bericht einher: Der IWF hat beschlossen, Liechtenstein künftig nur noch alle zwei Jahre einer vollständigen Artikel-IV-Konsultation zu unterziehen – statt wie bisher jährlich. Die Regierung hatte sich aktiv für diesen Wechsel eingesetzt. Er gilt als Ausdruck des hohen Vertrauens des IWF in die Stabilität der liechtensteinischen Volkswirtschaft.

