Humanoide Roboter am Fliessband: Xiaomi setzt auf KI-Arbeiter in der Produktion

Autofabrik

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Der chinesische Technologiekonzern Xiaomi erprobt humanoide Roboter direkt auf seinen Montagelinien für Elektroautos – und läutet damit eine neue Ära der Industrieautomatisierung ein.

Seit Anfang März arbeiten Xiaomis selbst entwickelte, zweibeinige Roboter auf den Montagelinien des Unternehmens in Peking. Das Unternehmen bezeichnet sie intern als «Praktikanten»: Sie übernehmen repetitive und körperlich belastende Aufgaben wie das Anziehen von Radmuttern oder den Transport von Materialien. Die ersten Ergebnisse sind bemerkenswert – in dreistündigen Schichten erledigten die Maschinen über 90 Prozent ihrer zugewiesenen Aufgaben und hielten dabei mit dem Tempo der Fertigung Schritt. Auf Xiaomis Linie rollt alle 76 Sekunden ein neues Elektroauto vom Band.

Xiaomi steht mit diesem Schritt nicht allein. Auf der Fachmesse Smart Factory & Automation World in Seoul präsentierten chinesische Roboterfirmen wie Agibot, Unitree und Leju ihre neuesten Industrieroboter einem globalen Publikum. Branchenexperten sprechen von einem fundamentalen Wandel: weg von klassischer Fabrikautomatisierung, hin zur sogenannten physischen KI – generative und industrielle Intelligenz, die direkt in die physische Produktion eingebettet wird und Maschinen mehr Flexibilität und Lernfähigkeit verleiht.

Die Wirtschaftlichkeit humanoider Roboter hängt entscheidend von Skaleneffekten ab. Chinesische Hersteller nutzen dafür gezielt die bestehende E-Auto-Lieferkette des Landes. Das Unternehmen UBTECH Robotics etwa plant, seinen Ausstoss 2026 auf 5.000 Einheiten zu verzehnfachen – bis 2027 sollen es 10.000 sein. Bis zu 90 Prozent der benötigten Komponenten werden bereits in China gefertigt, was die Herstellungskosten jährlich um 20 bis 30 Prozent senken soll. Branchenprognosen gehen davon aus, dass die Stückkosten für einen vollwertigen Industrieroboter noch in diesem Jahrzehnt unter 20.000 US-Dollar fallen könnten.

Ende Februar 2026 veröffentlichte die chinesische Regierung ihr erstes nationales Standardsystem für humanoide Roboter. Das Rahmenwerk regelt sechs Hauptbereiche – darunter Sicherheit, Ethik und intelligente Komponenten – und soll die Integration der Roboter in Fabriken beschleunigen. Analysten von RBC Capital Markets prognostizieren, dass der weltweite Markt für humanoide Roboter bis 2050 auf Billionen Dollar anwachsen könnte, mit China als möglichem Hauptprofiteur. Doch auch westliche Konkurrenten wie Teslas Optimus und Boston Dynamics‘ Atlas wurden unlängst auf internationalen Messen präsentiert. Chinas Kombination aus staatlicher Unterstützung, lokaler Lieferkette und riesigen Testumgebungen verschafft den heimischen Herstellern aber einen deutlichen Vorsprung bei der Kommerzialisierung.

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