48’000 Samsung-Arbeiter drohen mit 18-tägigem Streik

Seoul Südkorea

Samsung Electronics steht vor dem grössten Arbeitskampf seiner Unternehmensgeschichte. Rund 48’000 Beschäftigte in den Halbleiterwerken des südkoreanischen Konzerns drohen mit einem 18-tägigen Streik. Der Kern des Konflikts: die Frage, wer vom KI-getriebenen Chipboom profitiert.

Im ersten Quartal 2026 vermeldete Samsung einen Gewinnanstieg in seiner Speicherchipsparte, der sich fast verfünfzigfacht hat – angetrieben durch die explodierte Nachfrage nach DRAM- und HBM-Chips für KI-Rechenzentren weltweit. Die Gewerkschaft sieht ihre Mitglieder von diesem Boom zu wenig profitieren und fordert ein grundlegendes Umdenken bei der Bonusverteilung.

Das Unternehmen hatte vorgeschlagen, den rund 27’000 Arbeitern in der Speicherchipsparte Boni von 607 Prozent des Jahresgehalts auszuzahlen. Den etwa 23’000 Beschäftigten in der Logikchip- und Auftragsfertigungssparte hingegen sollten lediglich 50 bis 100 Prozent zustehen – eine Ungleichbehandlung, die die Gewerkschaft als nicht akzeptabel zurückweist.

Die Gewerkschaft fordert die Abschaffung der bestehenden Bonusobergrenze von 50 Prozent des Grundlohns, die Zuweisung von 15 Prozent des jährlichen Betriebsgewinns an einen Prämienpool sowie eine Lohnerhöhung von 7 Prozent. Das Management bot zuletzt rund 13 Prozent des Betriebsgewinns an – allerdings nur als einmalige Zahlung für 2026, ohne strukturelle Verbindlichkeit für die Zukunft. Die Verhandlungen brachen zuletzt vollständig zusammen; der südkoreanische Ministerpräsident berief eine Krisensitzung ein.

Ein 18-tägiger Streik in Samsungs drei südkoreanischen Werken würde die weltweite Produktion spürbar treffen: Analysten rechnen mit einem Rückgang der globalen DRAM-Liefermenge um 3 bis 4 Prozent und der NAND-Produktion um 2 bis 3 Prozent. Besonders brisant ist die Lage bei den sogenannten HBM4-Chips – Hochleistungsspeicher, der für KI-Beschleuniger wie jene von Nvidia eingesetzt wird. Die gesamte HBM4-Produktion von Samsung für das Jahr 2026 ist bereits ausverkauft. Samsung selbst schätzt den potenziellen Schaden eines Vollstreiks auf rund 30 Billionen Won – umgerechnet etwa 20 Milliarden Dollar.

Die drohende Arbeitsniederlegung kommt zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt: Speicherchips sind bereits jetzt ein kritischer Engpass in der globalen KI-Infrastruktur. Ein längerer Ausfall bei Samsung könnte die Preise für Arbeitsspeicher, Grafikchips und Festkörperspeicher weiter in die Höhe treiben – mit direkten Auswirkungen auf Konsumenten und Unternehmen weltweit. Ob die Gewerkschaft den Streik tatsächlich durchzieht oder eine Einigung in letzter Minute gelingt, war bis Redaktionsschluss noch offen.