Auf Safari durch Liechtensteins Schulen

Schulleiter Mathias Marogg gibt Einblick in die Philosophie der Kleinschule Planken.

Schulleiter Mathias Marogg gibt Einblick in die Philosophie der Kleinschule Planken. | Bildquelle: Schulamt

Schulleiter und Mitarbeiter des Schulamts besuchten vier Schulen – und entdeckten dabei, wie vielfältig Inklusion im Alltag gelebt werden kann.

Sie reisten mit dem Bus von Triesen nach Planken, weiter nach Balzers, durch Schaan und zurück nach Triesen: Am Freitag, 6. März, machten sich Schulleiter und Mitarbeiter des Schulamts auf zur ersten «Inklusionssafari» Liechtensteins. Ziel war nicht, fertige Rezepte zu suchen, sondern Ideen zu entdecken – und zu überlegen, was sich für die eigene Schule übertragen liesse.

Planken: Klein, familiär, nah

Erste Station war die Kleinschule Planken. Schulleiter Mathias Marogg empfing die Gruppe mit einem Einblick in die Philosophie seiner Schule: selbstbestimmtes Lernen, enge Zusammenarbeit mit pädagogischen Hochschulen in der Schweiz und eine gelebte Haltung des Neuenkens. «Kinder sollen gerne zu uns kommen», sagte Marogg. Lehrpersonen verstehen sich dort nicht als Wissensvermittler, sondern als Lernbegleiter – und Beziehung ist nicht bloss ein Schlagwort, sondern ein messbarer Erfolgsfaktor.

Balzers: Gerecht statt gleich

In Balzers begleiten 15 Lehrpersonen 95 Jugendliche. Schulleiter Dominic Bont fasst sein pädagogisches Credo mit einem afrikanischen Sprichwort: Es brauche ein Dorf, um ein Kind zu erziehen. Sein Gegenmodell zu traditionellem Unterricht ist pointiert formuliert: «Old School behandelt alle gleich, aber nicht gerecht.» Was das konkret bedeutet, lässt sich in Balzers beobachten – Lernateliers, projektbasierte Talentstunden, ein wöchentlicher «Freiday» und regelmässige Lerncoachings schaffen individuelle Wege zum Erfolg.

Schaan: Fliessende Übergänge, demokratischer Alltag

In den Gemeindeschulen Schaan stellte Schulleiter Philipp Dünser ein System vor, das Übergänge bewusst erleichtert: Altersdurchmischtes Lernen ermöglicht einen fliessenden Wechsel zwischen Basisstufe, Unter- und Mittelstufe. «Ein Kind wird dort abgeholt, wo es steht», erklärte Dünser. Grundhaltungen wie «Beziehung pflegen» oder «Fehler zulassen» werden von Anfang an eingeübt. Besonders auffällig: In jeder Klasse tagt regelmässig ein Klassenrat – demokratisches Denken als Teil des Schulalltags.

Triesen: Die Lagune als Kraftort

Den Abschluss machte das Schulzentrum Triesen mit einer ungewöhnlichen Einrichtung: der sogenannten Schullagune. David Büchel, Schulleiter der Sekundarstufe I, beschreibt sie als ruhigen Rückzugs- und Unterstützungsraum für Schüler aller Stufen. Wer im Klassenverband nicht vorankommt, kann hier zur Ruhe kommen, reflektieren und mit neuen Lösungsansätzen zurückkehren. «Kinder werden nach individuellem Bedarf begleitet und in ihren Kompetenzen gestärkt», so Büchel.

Lernen vom Nachbarn

Die Inklusionssafari zeigte: Liechtensteins Schulen sind alles andere als uniform. Jede entwickelt im Rahmen der Schulautonomie eigene Schwerpunkte – und jede hat Ansätze, von denen andere profitieren könnten. Genau das war die Botschaft des Tages: nicht kopieren, sondern übertragen. Und: Lernen findet nicht nur in Klassenzimmern statt.

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