Fast 500 Jahre römische Präsenz: Vortrag zur römischen Geschichte Liechtensteins

Römer

Am 27. April 2026 referierte Dr. Verena Hasenbach am Senioren-Kolleg Liechtenstein im Saal Zuschg in Schaanwald über die Geschichte des Fürstentums in der Antike. Unter dem Titel «Liechtenstein unter römischer Herrschaft» führte die Archäologin ihr Publikum von der Eroberung der Alpen bis in die Spätantike – und machte deutlich, dass das römische Erbe bis heute in jeder Gemeinde des Landes spürbar ist.

Wie Liechtenstein römisch wurde

Den Ausgangspunkt bildete der Alpenfeldzug von 15 v. Chr., mit dem Kaiser Augustus seine Nordgrenze sichern und Italien mit den gallischen Gebieten verbinden wollte. Drusus zog über Reschen- und Brennerpass, Tiberius entlang der Aare vom Genfersee. Hasenbach verwies dabei auf neuere Forschungen, die einen dritten Feldzug über die Bündner Pässe nahelegen: Archäologen haben hochalpine Lager auf dem Septimerpass und dem Colm la Runga sowie Spuren von Kampfhandlungen bei Crap Ses im Oberhalbstein in den letzten Jahren systematisch untersucht. Spätestens unter Kaiser Claudius wurde das Gebiet Teil der Provinz Rätien – womit der Boden für fast fünf Jahrhunderte römischer Lebensweise bereitet war.

Dass dieser Feldzug auch durch Liechtenstein führte, belegen zwei Römerhelme mit Besitzerinschrift, die 1887 auf dem Wisseler/Dux in Schaan gefunden wurden.

Balzers: Frühe Zeugnisse aus augusteischer Zeit

Zu den ältesten Fundstellen im Land gehört das Rietle in Balzers: ein Verbrennungsplatz (Ustrina, lat. für Einäscherungsstätte), der bereits in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts genutzt wurde. Ebenfalls in Balzers stiess man beim Amtshaus auf eine römische Herberge – eine sogenannte Mansio, eine staatliche Reisestation –, die am Fuss der Luziensteig von der Mitte des 1. Jahrhunderts bis ins 4. Jahrhundert in Betrieb war. Die Publikation dieser Grabung, so Hasenbach, wird demnächst erwartet.

Gutshöfe, Kastell und Höhensiedlung

Die römische Lebensweise prägte das Gebiet fast 500 Jahre lang, wie Hasenbach anhand verschiedener Fundstellen zeigte. Villae rusticae – landwirtschaftliche Gutshöfe mit Wohnkomfort und oft eigenem Badegebäude – zeugen davon, dass die einheimische Bevölkerung die neue Kultur übernahm. In Schaanwald ist eine solche Villa aus der Zeit um 100 n. Chr. belegt, in Nendeln eine weitere aus der Mitte des 2. Jahrhunderts.

Besonderes Gewicht legte Hasenbach auf das Kastell Schaan. Die Anlage aus der Mitte des 4. bis zum Ende des 5. Jahrhunderts gilt als eine der bedeutendsten spätkaiserzeitlichen Fundstellen in Europa – ein Rang, den jüngere Forschungen zur Transformation des Alpenrheintals in der Spätantike weiter untermauert haben. In engem Zusammenhang damit steht die Höhensiedlung auf dem Krüppel ob Schaan, die vom 3. bis ins 8./9. Jahrhundert besiedelt war und in ständiger Beziehung zur Talsiedlung stand.

Kein Dorf ohne römische Spur

Hasenbach schloss mit der Feststellung, dass heute keine Gemeinde Liechtensteins ohne römerzeitliche Spuren ist. Die Bandbreite reicht von vereinzelten Scherben, Münzen, Fibeln (Gewandspangen) und Glasfunden bis hin zu Gutshöfen, Kastellen und Höhensiedlungen. All diese Objekte sind nicht nur Zeugnisse des Alltags, sondern wichtige Indikatoren für Datierung, Handelsbeziehungen und ethnische Zugehörigkeiten – und zeigen, wie tief verwurzelt das römische Erbe im Fürstentum ist.