«Der Start ist geglückt» – Dagmar Bühler-Nigsch über ihr erstes Jahr als VU-Fraktionssprecherin
Dagmar Bühler-Nigsch im Interview mit Gregor Meier
Vor einem Jahr übernahm Dagmar Bühler-Nigsch das Amt der Fraktionssprecherin der Vaterländischen Union. Im Gespräch zieht sie Bilanz: über eine gut organisierte Fraktion, heisse Debatten – und darüber, was sie sich für die verbleibenden drei Jahre noch vorgenommen hat.
Vier Jahre Landtagserfahrung hatte Dagmar Bühler-Nigsch, als sie im Frühjahr 2025 das Amt der VU-Fraktionssprecherin antrat. Die neue Rolle brachte neue Aufgaben – und einen guten Start, wie sie heute sagt.
«Man kann sagen, der Start der neuen Fraktion ist geglückt. Die VU-Fraktion ist gut organisiert und strukturiert, wie wir arbeiten. Ich denke, es haben auch alle Fraktionsmitglieder ihren Platz gefunden.»
Bewusst zurückhaltend agierte die Fraktion in den ersten Monaten beim Einreichen von Vorstössen: Man wollte der neuen Regierung Zeit lassen, sich einzuarbeiten. «Es war uns wichtig, dass wir die Regierung ankommen lassen«, erklärt Bühler-Nigsch. Gleichzeitig galt es, auch die neu zusammengesetzte Landtagsfraktion – mit erfahrenen Köpfen und frischen Gesichtern – als arbeitende Einheit zu formen.
Positiv überrascht hat sie dabei das Tempo der Neuen: «Wie schnell und wie aktiv sich die Neuen eingearbeitet haben, das hat mich wirklich gefreut.» Innerhalb kürzester Zeit brachten sich die frisch gewählten Abgeordneten in Debatten ein und erarbeiteten sich ihre Themen.
Breite Fachkompetenz in der Fraktion
Was die Fraktion laut Bühler-Nigsch besonders stärkt, ist die thematische Breite ihrer Mitglieder. Sie setzt sich zusammen aus erfahrenen Abgeordneten mit langer Landtagszugehörigkeit, aber auch mit Fachwissen bei Finanz- und Regulierungsthemen sowie bei Bildungsfragen und gesellschaftspolitischen Themen.
«Es ist ein gutes Gefühl, wenn man weiss, man hat die Kompetenz. Wir sind vor allem in Bildung, Gesellschaftspolitik, Finanzen und Recht breit aufgestellt.«
Diese Mischung, so betont sie, ist nicht planbar: «Wer schlussendlich gewählt wird, hat man nicht in der Hand.» Dass die Zusammensetzung so gut ausgefallen sei, stimme sie zuversichtlich.
Nicht alles lief von Beginn an reibungslos. Bei der Zuteilung von Kommissionen und Delegationen anlässlich der Landtagseröffnung hätte es eine bessere Abstimmung zwischen den Parteien geben können. Die DpL-Fraktion hatte der VU vorgeworfen, Sitzverhältnisse nicht genügend abgesprochen zu haben.
«Man hätte alle an einen Tisch setzen, die Aufteilung gemeinsam machen sollen. Solche Dinge kann man noch optimieren.»
Parteipolitisches Hickhack bei solchen Fragen liege nicht in ihrem Interesse, hält sie fest. Die Geschäftsordnung des Landtags anzupassen könnte auch hier für mehr Klarheit sorgen.
Zusammenarbeit im Landtag: Vertrauen wächst
Die Zusammenarbeit zwischen den Fraktionen habe sich positiv entwickelt. «Im Grossen und Ganzen funktioniert sie gut«, sagt Bühler-Nigsch.
Ein unerwartetes Zeichen fraktionsübergreifender Zusammenarbeit war das gemeinsame Postulat von VU und DpL für den Erhalt des Zollhauses Steg, das die Regierung verkaufen wolle. Bühler-Nigsch stellt klar: Es war kein politisches Signal, sondern sachpolitisch begründet. Neben Roger Schädler haben sich auch Sebastian Gassner (FBP) sowie Marion Kindle-Kühnis (DpL) aktiv in die Landtagsdebatte eingebracht, so ist das Postulat daraus entstanden und alle drei Parteien waren eingeladen sich zu beteiligen.
Anders als der Koalitionspartner ist Bühler-Nigsch für Zurückhaltung beim Einbringen von Vorstössen. Sie warnt vor einem Überweisungseifer: «Man sollte nur Vorstösse einreichen, wenn man einen echten Mehrwert erkennt – und die Regierung sowie die Verwaltung nicht unnötig mit zusätzlichen Ressourcen belasten.»
Es sei das Ziel der Opposition sich über Vorstösse zu profilieren und ihre Themen auf die Agenda bringen – das sei ihre Aufgabe. Die Koalition hingegen solle die Regierung unterstützen und konstruktiv auf Verbesserungsbedarf hinweisen.
Landtagsreform: Gutachten liegt vor
Die Reform des Landtags ist ein Herzensanliegen von Bühler-Nigsch. Aktuell liegt ein Gutachten von Fachexperten vor, das nun durch die Fraktionen geht. Danach entscheidet das Landtagspräsidium über das weitere Vorgehen und darüber, ob eine eigene Kommission das Thema vorantreiben soll.
«Wir möchten konkrete Schritte einleiten. Ich bin zuversichtlich und hoffe wirklich, dass wir in dieser Legislatur etwas vorwärts bringen.«
Zentrales Element für sie: die Anpassung der Geschäftsordnung des Landtags – um mehr Transparenz, mehr Effizienz und klarere Spielregeln zu schaffen.
Landesspital: Stopp war richtig
Das Landesspital war Thema an der jüngsten Landtagssitzung – vier Stunden lang wurde debattiert. Bühler-Nigsch unterstützt den Entscheid der Regierung, das Projekt zu pausieren und den Standort erneut zu prüfen.
Vor drei Jahren, im Mai 2023, sei ein Variantenbericht vorgelegen, der auch einen Abbruch und Neustart vorsah. Damals sind 3 Millionen Franken Planungskosten entstanden. „Das wäre der richtige Zeitpunkt gewesen, für einen Abbruch“, meint Bühler-Nigsch. Jetzt lägen die Planungskosten bei 4,7 Millionen Franken.
Die Analyse bis Herbst 2026 sei sinnvoll und vertretbar. Dann brauche es einen klaren Entscheid: «Ich will keine Kompromisse. Es muss ein Spital entstehen, das uns wirklich überzeugt. Sonst holt es uns immer wieder ein.«
Verkehrspolitik: Unterland braucht Antworten
Am vergangenen Freitag fiel in Feldkirch die erste Sprengung für den Stadttunnel. Wenn dieser fertiggestellt ist, wird der Verkehr im Liechtensteiner Unterland massiv verändert. Für Bühler-Nigsch ist das ein zentrales Thema.
«Wir können nicht nur das grosse Ganze sehen – wir brauchen auch kurzfristige Massnahmen.«
Sie erwartet vom Infrastrukturministerium konkrete Vorschläge – im Rahmen des bestehenden Mobilitätskonzepts 2030, aber auch darüber hinaus. Als Beispiel nennt sie die zweispurige Erweiterung bei der Rheinbrücke in Vaduz oder eine Entlastung in Bendern als mögliche Entlastungsmassnahme.
Ausblick: Weniger Bürokratie, mehr Vorwärtskommen
Für die verbleibenden drei Jahre hat Bühler-Nigsch klare Prioritäten: Landesspital und Landesbibliothek voranbringen, Lösungen für Verkehrsentlastung, die Landtagsreform umsetzen – und die Bürokratie bei bereits beschlossenen Projekten abbauen.
Konkret nennt sie Projekte im Malbun, das Langlaufzentrum im Steg, die Kletterhalle in Vaduz. Alles rechtlich genehmigte Vorhaben – die trotzdem immer wieder an Auflagen, vor allem des Amts für Umwelt, verkompliziert und verzögert werden.
«Malbun ist keine unberührte Landschaft mehr. Es hat bereits Eingriffe gegeben. Das ist unsere Sportstätte»
Bühler-Nigsch wünscht sich eine differenziertere Betrachtung: In bereits erschlossenen Gebieten solle man Projekte vorwärts bringen können. In unberührten Landschaften hingegen dürfen hohe Hürden gelten. «Ich hoffe, dass wir weniger Bürokratie haben und uns nicht gegenseitig im Weg stehen.«
