Schon wieder ein Vortrag zu KI. So könnte man den Eindruck gewinnen, wenn man den Digitaltag Liechtenstein 2024 besucht hat. Denn auch wenn die Digitalisierung nach wie vor enorme Relevanz besitzt, wird zunehmend spürbar: Viele Beispiele, Warnungen und Anekdoten rund um KI wirken mittlerweile bekannt, teils sogar abgegriffen. Und dennoch bleibt das Thema brisant – für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft.
Künstliche Intelligenz verändert die Welt – rasant, sichtbar und für viele auch beunruhigend. Beim Digitaltag Liechtenstein 2024 wurde dieser Wandel auf eindrucksvolle Weise greifbar. Experten, Vertreter von Politik und Verwaltung sowie zahlreiche Besucher diskutierten darüber, welche Chancen die Digitalisierung eröffnet – und welche Herausforderungen sie mit sich bringt.
KI als Gamechanger – und Stressfaktor
Einen engagierten Auftakt bot Referent Peter Matt, der das Publikum mit einer Mischung aus persönlichen Beobachtungen, technischen Einblicken und gesellschaftlichen Warnsignalen fesselte. Anhand zahlreicher Beispiele zeigte er, wie rasant sich KI in den letzten Jahren entwickelt hat: Von täuschend echten KI-Bildern, die in Touristenshops landen, über massenhaft generierte Social-Media-Videos bis hin zu KI-Musik, die inzwischen sogar Chartsplätze erreicht.
Diese Entwicklung birgt enorme Kreativmöglichkeiten – aber sie sorgt auch für Stress. Begriffe wie Fear of Missing Out oder die neue Fear of Being Obsolete seien für viele Menschen längst Realität. Besonders Kreativberufe oder Fotografen stünden unter Druck, so Mark: „Wenn man sich nicht neu erfindet, stellt sich die Frage: Was mache ich in fünf Jahren?“
Politik im Spagat: Alles digitalisieren – aber bitte analog bleiben

In der politischen Diskussion wurde klar, dass auch die Verantwortlichen zwischen zwei Polen stehen: Digitalisierung beschleunigen, aber niemanden verlieren.
Einige Digitalisierungs-Beispiele – etwa Apps, digitale Verwaltungswege oder Online-Terminvereinbarungen – sind sinnvoll, aber längst Standard. Wirklich neue Visionen wurden am Digitaltag kaum präsentiert. Die Wirtschaftsminister Hubert Büchel sprach von „Digitalisierungsbedürfnis“ statt von Technologie um der Technologie willen – doch vielen Bürgern fehle weiterhin das Vertrauen, dass digitale Lösungen benutzerfreundlich und sicher umgesetzt werden.
«Die Mischung macht’s«, betonte Büchel. Manche schätzten die Zeitersparnis digitaler Meetings, andere benötigten den persönlichen Kontakt am Schalter. Wichtig sei, dass Digitalisierung nicht um ihrer selbst willen geschehe, sondern echten Mehrwert biete. «Nicht einfach das Papierformular in ein PDF umwandeln», so der Tenor.
Appell an kritisches Denken
Keynote-Speaker Benjamin B. Bargetzi appellierte eindringlich an die Besucher, drei Prinzipien zu beherzigen: Erstens kritisches Denken zu entwickeln, da KI-Systeme wie ChatGPT oft einfach das lieferten, was man hören wolle. Zweitens bewusst Offline-Zeiten zu schaffen, um der permanenten Informationsflut zu entkommen. Und drittens Hobbys und Naturerlebnisse zu pflegen.
Sein Rat an Skeptiker: «Probiert es aus!» Nur wer sich mit der Technologie beschäftige, könne realistisch einschätzen, was sie kann und was nicht. «Wenn man es ausprobiert, erkennt man: KI kann das Heute, aber das noch nicht.»
Mit Blick auf die Zukunft zeigte sich Mark realistisch: Die Entwicklung werde sich weiter beschleunigen, grosse Technologiekonzerne investierten massiv in Richtung Superintelligenz. Umso wichtiger sei es, einen bewussten Umgang damit zu finden und nicht im digitalen Hamsterrad steckenzubleiben.
Der Digitaltag machte deutlich: Liechtenstein steht wie viele Länder vor der Herausforderung, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, ohne den sozialen Zusammenhalt und die Lebensqualität zu gefährden. Ein Balanceakt, der politisches Fingerspitzengefühl und die Einbindung der Bevölkerung erfordert.
