Fünfter Bentheim-Krimi: Armin Öhri stellt „Die Tote von Lichtenberg“ vor

Armin Öhri liest im Küefer-Martis-Huus

Armin Öhri liest im Küefer-Martis-Huus | Foto: Gregor Meier

Eine Turmkammer, deren Tür und Fenster von innen verriegelt sind, ein vertauschter Edelstein und fehlende Seiten aus einem Zauberbuch: Mit diesem Rätsel schickt Armin Öhri seine Ermittler Julius Bentheim und Albrecht Krosick in ihren fünften Fall. Am Donnerstagabend hat der in Ruggell aufgewachsene Autor seinen neuen Roman „Die Tote von Lichtenberg“ im Küefer-Martis-Huus vorgestellt.

Für Öhri war es eine Rückkehr: Zuletzt hatte er im Februar 2018 im Ruggeller Kulturhaus gelesen. Er bedankte sich bei Johannes Inama und dessen Team und lobte die Atmosphäre des Hauses.

Jeder Band ein anderes Genre

Die Reihe um den jungen Tatortzeichner Bentheim spielt im Berlin der späten 1860er-Jahre. Öhri erklärte, er habe sich zum Ziel gesetzt, mit jedem Band eine andere Spielart des Kriminalromans aufzugreifen. Hatte sich „Das schwarze Herz“ noch am Geheimbundroman des 19. Jahrhunderts orientiert, wollte er diesmal ein Verbrechen im verschlossenen Raum nach allen Regeln der Kunst konstruieren.

Das sogenannte Locked-Room-Mystery zählt Öhri zur Königsklasse des Genres. Anders als im gewöhnlichen Krimi stehe dabei nicht die Frage nach dem Täter im Vordergrund, sondern jene nach der Methode: Wie konnte jemand eine scheinbar unmögliche Tat begehen, ohne Spuren zu hinterlassen und ohne im Raum gefasst zu werden? Der Täter scheine sich in Luft aufzulösen oder durch Wände zu gehen, doch am Ende müsse es immer eine rationale Erklärung geben. Geisterspuk und Magie seien nach den klassischen Fair-Play-Regeln ausgeschlossen, alle Hinweise würden dem Leser offen präsentiert.

Als Vorbilder nannte Öhri die Klassiker aus dem Goldenen Zeitalter des Kriminalromans in den 1920er- und 1930er-Jahren, darunter Gaston Leroux’ „Das Geheimnis des gelben Zimmers“ von 1907. Als Blaupause für seinen Roman diente ihm die vielzitierte Abhandlung über den verschlossenen Raum, die John Dickson Carr einer seiner Figuren in den Mund gelegt hat. Bereits Bertolt Brecht habe festgehalten, dass der Kriminalroman vom Leser logisches Denken verlange. Die historischen Schauplätze und Persönlichkeiten seien im Buch Kulisse, wie sie jeder historische Roman aufweise – nicht mehr und nicht weniger.

Rundgang im Herrenhaus

Anschliessend las Öhri aus dem zweiten Kapitel. Bentheim und Krosick, die noch keine ausgebildeten Polizisten sind, sollen im Herrenhaus des Markgrafen von Quednau die Sicherheitsvorkehrungen einer Ausstellung prüfen, die bald erstmals öffentlich zugänglich sein wird. Der besorgte Hausherr führt die beiden an Ritterrüstungen und einem ausgestopften Bären vorbei, der Besuchern ein Silbertablett für ihre Visitenkarten entgegenhält. Auf die Frage, ob sie sich mit Diebstahlsicherungen auskennen, räumt Bentheim ein, dass eher Mordfälle ihr Metier seien.

Der Roman ist im Gmeiner-Verlag erschienen.

Zwei Literaturabende angekündigt

Bei der Begrüssung wurde zudem auf zwei Literaturabende hingewiesen, die Öhri im Rahmen der nächsten Ausstellung im Küefer-Martis-Huus organisiert hat. Am 27. November und am 1. Dezember lesen jeweils drei Autoren aus der Region.