Lerndorf SZU II nimmt Gestalt an – Aktueller Stand der Bauarbeiten

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Begehung der Baustelle SZU II am 21.09.2026

Ein Jahr vor der geplanten Inbetriebnahme des Schulzentrums Unterland II (SZU II) in Ruggell haben sich am Montag zahlreiche Interessierte ein Bild vom Stand der Arbeiten gemacht. An der Begehung nahmen auch die Vorsteher der drei Trägergemeinden teil: Christian Öhri aus Ruggell, Dietmar Lampert aus Schellenberg und Johannes Hasler aus Gamprin. Der Rundgang führte über die Baustelle, auf der seit dem Spatenstich vom 30. September 2024 gearbeitet wird.

Der Bau schreitet voran. Die Konturen des Projekts sind inzwischen deutlich erkennbar: Vier Gebäude gruppieren sich um einen zentralen Baukörper, den sogenannten „Dorfplatz“. Untergebracht werden darin die Sekundarstufe I mit Real- und Oberschule, die Berufsmaturitätsschule sowie eine Dreifachturnhalle, die auch externen Vereinen offenstehen wird. Dazu kommen gemeinsam genutzte Räume für Technik und Design, Naturwissenschaften und die Verwaltung. Erwartet werden 160 bis 200 Schüler der Sekundarstufe I aus Gamprin, Ruggell und Schellenberg sowie 130 bis 150 Studierende der Berufsmaturitätsschule.

Christian Öhri, Dietmar Hasler

Wasser in der Turnhalle: Lösung mit weisser Wanne

Ein Thema der Begehung war der Umgang mit Wasser im Bereich der Turnhalle. Gelöst wurde das Problem mit einer weissen Wanne – einer Bauweise, bei der die Betonkonstruktion selbst die Abdichtung übernimmt. Der Beton wird so zusammengesetzt und die Fugen werden so ausgebildet, dass kein Wasser eindringen kann. Eine zusätzliche Aussenabdichtung aus Bitumen- oder Kunststoffbahnen, wie sie bei der sogenannten schwarzen Wanne verwendet wird, entfällt.

Die Vorteile dieser Bauweise liegen in der Dauerhaftigkeit und in der Kontrollierbarkeit. Eine aussenliegende Abdichtung kann beim Einbau oder durch spätere Setzungen beschädigt werden, ohne dass dies sichtbar wird; nachträgliche Reparaturen erfordern dann aufwendige Aushubarbeiten. Bei der weissen Wanne ist die tragende Konstruktion zugleich die Dichtung. Undichte Stellen lassen sich von innen lokalisieren und von innen abdichten. Zudem kommt die Bauweise mit weniger Schichten und Materialien aus, was sowohl den Bauablauf beschleunigt als auch den späteren Rückbau vereinfacht.

turnhalle

Holzbau mit Lerneffekt

Der überwiegende Teil des SZU II entsteht in Holzbauweise. Angestrebt wird eine Zertifizierung mit dem Label „Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) Gold“, das neben ökologischen auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Kriterien bewertet. Holz bindet Kohlenstoff über die gesamte Nutzungsdauer des Gebäudes, benötigt in der Herstellung deutlich weniger Energie als mineralische Baustoffe und lässt sich am Ende der Nutzungsdauer sortenrein trennen.

Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus der Anlage des Projekts selbst. Weil nicht ein einzelner Baukörper, sondern mehrere Gebäude nacheinander errichtet werden, können Erkenntnisse aus dem einen Bau unmittelbar auf den nächsten übertragen werden. Details, die sich in der Ausführung bewährt haben, werden weiterverwendet, Schwachstellen lassen sich korrigieren, bevor sie sich wiederholen. Der Holzbau kommt diesem Vorgehen entgegen: Die Elemente werden vorgefertigt, Anpassungen fliessen direkt in die Produktion der nächsten Serie ein.

Kosten und Termine

Der Landtag hatte im Juni 2019 einen Verpflichtungskredit von 56,1 Millionen Franken und im Mai 2023 einen Ergänzungskredit von 7,75 Millionen Franken bewilligt. Indexiert ergibt das einen Gesamtkreditrahmen von rund 74,4 Millionen Franken. Im Mai 2026 verabschiedete die Regierung einen Bericht und Antrag für einen weiteren Ergänzungskredit. Grund dafür waren Mehraufwendungen für die Entsorgung von neophytenbelastetem Aushubmaterial, für die bereits 2,2 Millionen Franken angefallen sind und weitere 0,4 Millionen Franken erwartet werden. Der Bau selbst verlaufe weiterhin planmässig und liege bei Kosten, Qualität und Terminen auf Kurs, hielt die Regierung damals fest.

Ziel bleibt die Fertigstellung auf das Schuljahr 2027/2028. Mit dem Neubau werden die Real- und Oberschüler des Unterlandes künftig auf zwei Standorte verteilt – neben dem bestehenden Schulzentrum Unterland in Eschen. Die Berufsmaturitätsschule, derzeit in einem Provisorium in Vaduz untergebracht, erhält in Ruggell erstmals einen dauerhaften Standort.

hitze.li