Schaan rechnet vor, was bezahlbares Wohnen kosten würde – auch an Gewohnheiten

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Fast die Hälfte der Schaaner Bevölkerung zählt bezahlbares Wohnen zu den drei wichtigsten Zukunftsthemen. Das hat die Bevölkerungsumfrage 2025 gezeigt. Am Montagabend legte die Gemeinde im Kleinen Saal des SAL erstmals offen, wie leistbarer Wohnraum konkret entstehen könnte – und machte dabei klar, dass die Antworten unbequem sein dürften.

Ein Werkzeug, kein Geschenk

Die Gemeinde hatte nach der Umfrage untersuchen lassen, welche Wege zu gutem und leistbarem Wohnraum führen. Die Studie, die am Montag vorgestellt wurde, versteht bezahlbares Wohnen ausdrücklich nicht als Sozialleistung für einzelne Haushalte, sondern als Instrument der Ortsentwicklung. Drei Begründungen wurden genannt: der sparsamere Umgang mit dem Boden, die Entlastung des Verkehrs – wer in Schaan arbeitet und auch dort wohnt, fährt weniger – und das Dorfleben, das dort stattfindet, wo Menschen wohnen und nicht nur arbeiten.

Auffällig ist ein Missverhältnis in der Statistik: Rund ein Drittel der Haushalte besteht aus einer Person, ein weiteres Viertel aus zwei Personen. Kleine Wohnungen sind dagegen kaum vorhanden. Wer sich im Alter verkleinern möchte, findet schlicht kein Angebot – und blockiert damit Wohnraum, der jungen Familien fehlt. Bezahlbares Wohnen, so die Argumentation, würde diese Kette wieder in Bewegung bringen.

Der Kaiserböhel als Rechenmodell

Damit die Überlegungen diskutierbar werden, wurden sie an einem fiktiven Beispielquartier durchgespielt: dem Kaiserböhel, der Wiese neben dem Friedhof oberhalb der Feldkircher Strasse. Gedacht ist an eine Grössenordnung von 300 bis 400 Personen – nicht als Bauabsicht, sondern als Massstab, in dem sich Effekte überhaupt erzielen lassen. Das Zentrum liegt in sieben Gehminuten, was eine Voraussetzung dafür ist, mit weniger Parkplätzen auszukommen, ohne die Mobilität der Bewohner einzuschränken.

An diesem Beispiel wurde die Dichte durchgerechnet. Eine Weiterführung der heutigen Bauweise mit Einfamilienhäusern würde rund hundert Menschen Platz bieten – bei Bodenpreisen, die jede Wohnung teuer machen. Mit Mehrfamilienhäusern lässt sich die Zahl verdoppeln, mit grösseren Baukörpern und sorgfältig gestalteten Zwischenräumen nochmals. Je mehr Menschen sich den gleichen Boden teilen, desto tiefer fallen die Bodenkosten pro Kopf aus.

Fünf Stellschrauben – und ebenso viele Zielkonflikte

Geprüft wurden fünf Ansätze: dichter bauen, einfacher und repetitiver konstruieren, weniger Parkierung und Untergeschoss, Flächen und Einrichtungen gemeinsam nutzen sowie die Wohnfläche pro Person reduzieren. Letztere liegt in Liechtenstein bei rund 56 Quadratmetern, in der Schweiz bei etwa 45.

Dass jede Ersparnis ihren Preis hat, wurde am Beispiel der Erschliessung vorgeführt: Zweigeschossige Wohnungen mit innenliegender Treppe sparen zwei Drittel der Erschliessungskosten – dafür sind sie nicht barrierefrei. Ähnlich verhält es sich beim Teilen. Ein gemeinsames Trampolin ist rasch vereinbart, ein gemeinsames Gästezimmer, ein Arbeitsraum oder ein Auto verlangen mehr Verständigung. Je grösser das Projekt, desto eher tragen sich solche Angebote.

Zwei Prämissen wurden vorangestellt: Man müsse gross genug denken, um überhaupt etwas zu bewegen. Und bezahlbar dürfe nicht schlechter heissen – die Lebensqualität soll mindestens erhalten bleiben.

Das Ergebnis bleibt offen

Vorgestellt wurde ausdrücklich keine Absicht, sondern ein Spektrum. Eine Vision für bezahlbares Wohnen in Schaan, so der Tenor des Abends, müsse erst gemeinsam entstehen; erst daraus liesse sich ein Rahmen ableiten, innerhalb dessen Bauträger tätig werden können. Entsprechend war der grössere Teil des Abends dem Zuhören gewidmet: Im Foyer war eine Ausstellung zu den einzelnen Themen aufgebaut, anschliessend wurde an Tischen weiterdiskutiert. Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung fliessen in den Schlussbericht ein.

hitze.li