Aus dem Bierhüsle wird ein Ort für die Kunst
Am Europa-Tag des Denkmals hat sich die künftige Kulturbrauerei in Schaan erstmals der Öffentlichkeit geöffnet. Regierungschefin-Stellvertreterin und Kulturministerin Sabine Monauni eröffnete den Anlass an der Feldkircher Strasse 43 gemeinsam mit Patrik Birrer, dem Leiter des Amtes für Kultur. Zahlreiche Besucher nutzten anschliessend die Gelegenheit, das denkmalgeschützte „Alte Brauhaus“ und die neuen Wohn- und Arbeitsateliers zu besichtigen. Es war die 34. Auflage des Denkmaltags in Liechtenstein.
Ein Haus, das abgebrochen werden sollte
Das Gebäude aus dem Jahr 1887 gehörte zur früheren Schaaner Bierbrauerei Quaderer, im Volksmund bis heute „Bierhüsle“ genannt. Vorausgegangen war das Gasthaus Quaderer an der Strasse, das 1879/80 erbaut und am 1. Februar 1880 unter Karl Rudolf Quaderer als Bierwirtschaft mit Ausschank von selbstgebrautem Bier eröffnet wurde. Das eigentliche Brauereigebäude kam 1887 mit dem grossen Gewölbekeller dazu, 1907 folgten Kesselhaus und Aufstockung, 1919 der Einbau von Wohnungen im Obergeschoss. Bis 1917 wurde im Keller Bier gelagert und gekühlt – mit doppelten Mauern und Zwischenräumen, die mit Eis aus den Eisweihern gefüllt wurden und den ganzen Sommer über für kühles Bier sorgten.
Dass es das Haus überhaupt noch gibt, ist keine Selbstverständlichkeit: 2021 konnte die Denkmalpflege einen drohenden Abbruch verhindern. Die Gemeinde Schaan erwarb das Objekt im Jahr darauf, 2023 wurde es auf Antrag der Gemeinde ins Kulturgüterregister aufgenommen und damit unter Denkmalschutz gestellt. Ausschlaggebend für den Erhalt war vor allem der historische Gewölbekeller. Als Vertreter einer frühen Produktionswerkstätte gilt das Brauereigebäude für Liechtenstein zudem als selten.
Fünf Ateliers und ein Ausstellungskeller
Derzeit laufen die letzten Bauarbeiten. Im Obergeschoss entstehen fünf Kleinwohnungen – drei grössere Wohnateliers für internationale Gäste und zwei kleinere Schaaner Ateliers für einheimische Kunstschaffende. Im Erdgeschoss sind eine Gemeinschaftsküche und zwei grosse Atelierräume vorgesehen, der sanierte Kühlkeller wird zum Werk- und Ausstellungsraum. Eine neue Laube mit Treppe und einem Lift erschliesst die Räume und macht sie barrierefrei zugänglich. Die Gemeinde Schaan rechnet mit Gesamtkosten von rund 4,6 Millionen Franken; die denkmalpflegerisch relevanten Arbeiten werden vom Land mitgetragen. Verantwortlich für den Umbau sind die Architekten Uli Mayer und Urs Hüssy aus Triesen, die Bauherrschaft liegt bei der Gemeinde Schaan.
Betrieben wird die Kulturbrauerei vom Amt für Kultur gemeinsam mit der Gemeinde Schaan, dem Literaturhaus Liechtenstein und der Künstlervereinigung visarte. Ab Januar 2027 sollen jeweils für rund drei Monate Kunst- und Kulturschaffende in Schaan leben und arbeiten. Erfahrungen mit einem solchen Programm bestehen bereits: Seit 2021 betreibt das Land das Künstleratelier im Turmhaus in Balzers.
„Ein Denkmal lebt nicht davon, dass es unverändert bleibt“
Kulturministerin Sabine Monauni betonte in ihrer Eröffnungsrede den Wert des Weiterbauens. Denkmäler seien mehr als alte Mauern: „Sie bewahren nicht nur Stein, Holz oder Mörtel, sie bewahren Erinnerungen.“ Das alte Brauhaus sei nie nur eine Brauerei gewesen, sondern immer auch ein Ort des Arbeitens und der Begegnung. „Wo einst Brauer ihrem Handwerk nachgingen, werden künftig Künstlerinnen und Künstler arbeiten“, sagte Monauni. Gelungen sei Denkmalpflege dann, „wenn ein Gebäude nicht nur erhalten bleibt, sondern weiterhin Teil des Lebens einer Gemeinde ist“.
Amtsleiter Patrik Birrer, der das Projekt als Denkmalpfleger begleitet hat, fasste den Umbau in einem Satz zusammen: „Hier wird aus Geschichte Zukunft.“ Denkmalpflege heisse nicht, ein Haus stillzulegen: „Ein Denkmal zu erhalten, bedeutet nicht, es unter die Glasglocke zu stellen.“ Entscheidend sei die Frage, wie ein Denkmal sinnvoll genutzt werden könne, ohne seine historische Substanz zu verlieren – denn „ein Denkmal ohne Nutzung ist langfristig gefährdet“. Weder sei ein Neubau mit historischer Atmosphäre entstanden noch der Versuch unternommen worden, das Haus in einen vermeintlichen Idealzustand zurückzuversetzen. Auf das Gegeneinander von Alt und Neu wollte Birrer sich nicht einlassen: „Die bessere Frage lautet: Wie kann das Neue mit dem Alten in einen produktiven Dialog treten?“
Für den Kulturstandort sieht Birrer in der Residenz mehr als ein weiteres Atelierprogramm. Ein kleines Land könne unmittelbar sein, Begegnungen entstünden hier schneller. Bewusst setze das Konzept nicht auf ein lautes Kulturzentrum, sondern auf konzentriertes Arbeiten und Austausch – auch aus Rücksicht auf die Nachbarschaft im Wohnquartier. Und für den Gewölbekeller, in dem künftig ausgestellt statt gekühlt wird, fand er das passende Bild: „Wo früher Bier lagerte, entstehen künftig Ideen.“
Eröffnung am 14. November
Die offizielle Eröffnung der Kulturbrauerei ist für den 14. November 2026 vorgesehen. Bis dahin werden die letzten Arbeiten abgeschlossen, bevor Anfang 2027 die ersten Kunstschaffenden einziehen.

