Panamakanal drosselt die Zahl der Schiffspassagen

Ein Schiff wird durch den Panama Kanal gezogen

Ein Schiff wird durch den Panamakanal gezogen | Foto: Gregor Meier

Die Verwaltung des Panamakanals reduziert von September an die Zahl der täglichen Schiffsdurchfahrten. Grund sind deutlich zu geringe Niederschläge im Einzugsgebiet der Wasserstrasse zwischen Atlantik und Pazifik. Es ist erst das zweite Mal in der Geschichte des Kanals, dass die Kapazität aus Wassermangel gekappt wird – nach der schweren Dürre von 2023 und 2024.

Nach dem am Donnerstag an die Reedereien versandten Rundschreiben der Kanalbehörde ACP erfolgt die Drosselung in zwei Schritten. Für Transitdaten ab dem 4. September stehen noch 34 Slots pro Tag zur Verfügung: neun in den grossen Neopanamax-Schleusen und 25 in den älteren Panamax-Schleusen. Ab dem 15. September sinkt das Kontingent in den Panamax-Schleusen auf 23 – damit bleiben insgesamt 32 buchbare Durchfahrten pro Tag. Zum Vergleich: Bis Juni verzeichnete der Kanal im Schnitt 35 Passagen täglich, seine technische Kapazität liegt bei rund 40.

Ein Drittel weniger Regen

Die Zahlen hinter der Entscheidung sind deutlich. Von Mai bis August lag der kumulierte Niederschlag im Einzugsgebiet 34 Prozent unter dem historischen Mittel, die Zuflüsse in die Stauseen sogar 44 Prozent. Und das, obwohl in Panama längst Regenzeit herrscht.

Der Wasserstand im Gatúnsee, dem Herzstück des Systems, hält sich seit gut einer Woche bei knapp über 84 Fuss – rund 30 Zentimeter unter dem Fünfjahresmittel für August. Normalerweise steigt der Pegel in diesen Wochen an und erreicht im Dezember seinen Höchststand. Genau dieser Anstieg bleibt bislang aus.

Verschärft wird die Lage durch die Wetterprognosen. Die US-Wetterbehörde NOAA rechnet damit, dass sich das laufende El-Niño-Ereignis spätestens im Oktober zu einem sogenannten Super-El-Niño verstärkt; mit knapp 70 Prozent Wahrscheinlichkeit würde es bis Jahresende zum stärksten je gemessenen. Das würde die Niederschläge weiter drücken. Die ACP fürchtet vor allem die Trockenzeit von Januar bis April 2027 – dann müssen die Reserven nicht nur den Schiffsverkehr, sondern auch die Trinkwasserversorgung der Region tragen.

Kanalverwalter Ricaurte Vásquez begründete den Kurswechsel an einer Wirtschaftsveranstaltung am Mittwoch mit den Erfahrungen der letzten Dürre: „Die Erfahrung von 2023 und 2024 hat uns gut auf das vorbereitet, was wir kennen, und sie hat uns die Disziplin gegeben, mit dem umzugehen, was wir nicht kennen. Der Kanal improvisiert nicht.“

Noch im Mai hatte die Behörde gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärt, für dieses Jahr seien keine Beschränkungen des Schiffsverkehrs geplant. Seit 2025 setzte sie stattdessen auf Wassersparmassnahmen und mehrfach verschärfte Tiefgangslimiten.

Weil nun weniger Schiffe geschleust werden, kann die ACP zwei bereits angekündigte Tiefgangsbeschränkungen verschieben. Die Absenkung auf 48 Fuss (14,63 Meter) in den Neopanamax-Schleusen, ursprünglich für den 26. August vorgesehen, gilt erst ab dem 2. September. Der nächste Schritt auf 47,5 Fuss (14,48 Meter) wurde vom 3. September auf den 1. Oktober verschoben. Der zulässige Tiefgang entscheidet darüber, wie viel Ladung ein Schiff mitführen darf – jede Absenkung zwingt die Reeder, Fracht zurückzulassen.

Wartezeiten und Rekordpreise bei den Auktionen

Für Schiffe ohne bestätigte Reservierung dürfte es enger werden. Die ACP warnt ausdrücklich vor längeren Wartezeiten und verweist ihre Kunden auf das Reservierungssystem: Nur eine bestätigte Buchung garantiere ein Transitdatum. Schon jetzt warten unangemeldete Schiffe im Schnitt 8,5 Tage in Richtung Norden und 7,7 Tage in Richtung Süden; am 20. August lagen 36 solcher Schiffe vor dem Kanal.

Entsprechend hoch sind die Preise, die im Auktionsverfahren für freie Slots aufgerufen werden. Anfang August sicherte sich ein Containerschiff der Reederei Seaspan, das für Ocean Network Express fährt, eine Durchfahrt für knapp vier Millionen US-Dollar. Wenige Tage später zahlte der Gastanker G. Arete von SK Shipping mit 4,6 Millionen Dollar einen neuen Rekord, um in der Warteschlange vorzurücken.

Die Kanalverwaltung will die Vergabe deshalb neu ordnen. Die Auktionsplätze werden künftig nach Marktsegmenten in vier Gruppen aufgeteilt: Flüssiggastanker (LNG und LPG), Massengut- und Stückgutfrachter, Containerschiffe, RoRo- und Kühlschiffe sowie sämtliche Kategorien von Tankern. Kunden, die für ein Datum bereits einen Slot halten, erhalten in der Regel keinen zweiten. In den Neopanamax-Schleusen werden voll beladene Containerschiffe mit der grössten Stellplatzkapazität bevorzugt – ein Kriterium, das den Wasserverbrauch je transportierter Einheit optimiert.

Erinnerung an 2023

Wie tief eine solche Krise reichen kann, zeigte die Dürre vor drei Jahren. Im Oktober 2023 fiel der Niederschlag 41 Prozent unter den Normalwert, den tiefsten je für diesen Monat gemessenen Stand. Die ACP senkte die Zahl der Durchfahrten schrittweise ab und operierte im Dezember 2023 mit lediglich 22 Passagen pro Tag; geplant waren sogar noch schärfere Stufen bis hinunter auf 18. Erst einsetzende Regenfälle und Sparmassnahmen erlaubten 2024 eine schrittweise Erholung.

Diesmal handelt die Verwaltung Monate im Voraus. Ob es dabei bleibt, ist offen: Die ACP behält sich ausdrücklich weitere Anpassungen bei Kapazität und Tiefgang vor und kann das Reservierungssystem im Notfall ganz oder teilweise aussetzen. Reedereien, deren gebuchter Slot deswegen storniert wird, müssten in diesem Fall weder Strafgebühren noch Zuschläge zahlen.

hitze.li