Freie Liste fordert Hitzestrategie für Liechtenstein
Pressekonferenz der Freien Liste mit Manuela Haldner-Schierscher und Sandra Fausch
Der Peter-Kaiser-Platz in Vaduz als Mahnmal: Versiegelt und ohne Schatten heize sich der Platz an Sommertagen auf und speichere die Wärme wie ein Kachelofen, sagte die Freie Liste an ihrer Pressekonferenz. Mit einem Postulat wollen die beiden Abgeordneten Manuela Haldner-Schierscher und Sandra Fausch die Regierung nun dazu bewegen, die bestehende Anpassungsstrategie an den Klimawandel zu aktualisieren und zu vertiefen – mit besonderem Augenmerk auf die zunehmende Hitze.
Im Kern gehe es um eine grundlegende Frage der staatlichen Vorsorge, betonten die Postulantinnen: Wie werden Wirtschaft und Gesellschaft widerstandsfähig gegenüber einer Klimarealität, die längst begonnen hat? Und welche konkreten Massnahmen braucht es, um Gesundheit, Lebensqualität und Lebensgrundlagen zu schützen?
Die Freie Liste erinnerte daran, dass die Regierung bereits 2018 den Anpassungsbedarf erkannt und zugleich festgehalten habe, dass Klimaschutzmassnahmen mit voller Kraft weiterverfolgt werden müssten. 2026 stufe die Regierung den Klimawandel zudem als Risiko mit sicherheitspolitischer Relevanz ein. Der logische nächste Schritt sei nun, daraus Konsequenzen zu ziehen: Die bestehende Anpassungsstrategie gehöre auf den Prüfstand, Risiken und Massnahmen müssten aktualisiert, Zuständigkeiten und Prioritäten geklärt werden.
Insbesondere für das Thema Hitze brauche es eine umfassende Strategie, in der Gesundheit, Soziales, Raumplanung, Gebäude, Energie, Landwirtschaft und Bevölkerungsschutz gemeinsam betrachtet werden. Das sei keine Aufgabe der Zukunft, sondern eine, mit der heute begonnen werden müsse.
Planen, bevor es zu heiss wird
Ein zentrales Anliegen ist der Freien Liste eine Planung, die Hitze von Anfang an mitdenkt – mit Aussenbeschattung, Nachtauslüftung, intelligenten Gebäudekonzepten und mehr Grünflächen. Als warnendes Beispiel nannten die Postulantinnen den Fall eines Schulhauses, dessen Kühlkonzept auf nächtlicher Auskühlung beruht: Wenn Tropennächte zunehmen und der nächtliche Luftaustausch nicht mehr funktioniert, sitzen die Schüler bei über 30 Grad im Unterrichtszimmer. Gefordert sei deshalb eine zukunftstaugliche, klimataugliche Architektur und Planung.
Nicht gegen Klimaanlagen – aber für einen Plan
Auf Nachfrage stellte die Freie Liste klar, dass sie nicht grundsätzlich gegen Klimaanlagen sei – in vielen Bereichen gebe es schlicht keine Alternative. Sinnvoll sei etwa die Kombination von Wärmepumpe und Solaranlage: Gerade an heissen Tagen liefere die Photovoltaik viel Strom, mit dem sich über die Wärmepumpe kühlen lasse.
Das Problem liege anderswo: Es fehlten belastbare Daten und Modellrechnungen zum künftigen Kühlbedarf. Wenn dereinst flächendeckend Klimaanlagen am Netz hängen und ganze Häuser statt einzelner Räume kühlen, müsse das Stromnetz auf entsprechende Lastspitzen ausgelegt sein. Dafür brauche es einen Plan. Zudem stelle sich eine soziale Frage: Es könne nicht sein, dass kühlen kann, wer es sich leisten kann – und wer keinen Zugang zu einer Klimaanlage oder anderen technischen Möglichkeiten hat, das Nachsehen hat. „Das eine tun, das andere nicht lassen“, lautete das Fazit: Eine Klimaanlage löse akute Probleme, ersetze aber keinen übergeordneten Plan, der alle Bereiche mitdenkt. Positive Aspekte sah die Freie Liste durchaus auch in der Klimageräte-Motion der FBP-Abgeordneten, die der Landtag im September 2025 an die Regierung überwiesen hatte.
Hitzetote: Vorsicht bei den Zahlen
Auf die Frage, wie die genannten Hitzetoten erfasst würden, mahnte die Freie Liste selbst zur Vorsicht beim Extrapolieren. Grundlage seien offizielle Statistiken des Schweizer Bundesamts für Gesundheit, das anhand definierter Kriterien die hitzebedingte Übersterblichkeit ableite.

