Erstmals ein Tigermücken-Ei in Balzers nachgewiesen

Tigermück

Im Industriegebiet von Balzers ist diese Woche erstmals ein Ei der Asiatischen Tigermücke in eine Falle des landesweiten Stechmückenmonitorings gegangen. Das Amt für Wald, Natur und Landwirtschaft reagiert mit zusätzlichen Fallen und einer vorsorglichen Behandlung möglicher Brutstätten. Eine Gefahr für die Bevölkerung besteht laut Amt derzeit nicht.

Es ist ein einzelnes Ei – und dennoch ein Fund mit Signalwirkung. Seit 2019 galt Liechtenstein als frei von der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus). Damals war in Gamprin ein einzelnes Exemplar entdeckt worden, ohne dass sich daraus eine Population entwickelt hätte. Seither blieben die Eiablagefallen des jährlichen Monitorings in Bezug auf die Tigermücke leer. Der im vergangenen Dezember veröffentlichte Abschlussbericht zum Mückenmonitoring 2025 hielt fest: kein einziger Tigermücken-Nachweis in 24 Fallen.

Nun also Balzers. Der Fund stammt aus dem Industriegebiet – jenem Gebietstyp, an dem Fachleute europaweit am ehesten mit einer Einschleppung rechnen.

Warum ausgerechnet ein Industriegebiet

Die Tigermücke fliegt kaum weiter als ein paar hundert Meter. Ihre Ausbreitung über weite Distanzen erfolgt fast ausschliesslich passiv: in Lastwagen, Reisegepäck, Altreifen, Pflanzentöpfen oder Baumaterial. Genau deshalb konzentriert das nationale Monitoring in der Schweiz seine Standorte auf Verkehrsknotenpunkte und Autobahnraststätten – und deshalb stehen auch in Liechtenstein Fallen an Orten mit erhöhtem Einschleppungsrisiko.

Balzers liegt an der Schnittstelle zum St. Galler Rheintal und damit in unmittelbarer Nähe der Nord-Süd-Transitachse. Güter, die morgens noch in der Poebene verladen wurden, stehen am Nachmittag auf einem Werkhof im Oberland. Ein einzelnes Ei in einer Falle ist unter diesen Bedingungen kein Beweis für eine Ansiedlung, aber ein Hinweis, den die Behörden nicht liegen lassen können.

Was das Amt jetzt unternimmt

In den kommenden Tagen werden zusätzliche Fallen im Umfeld des Fundorts installiert. Sie sollen klären, ob es sich um einen Einzelfund handelt oder ob bereits eine lokale Population brütet. Parallel dazu werden potenzielle Brutstätten mit Bti behandelt, einem biologischen Präparat auf Basis des Bakteriums Bacillus thuringiensis israelensis. Es wirkt gezielt auf Mückenlarven und gilt als schonend für andere Wasserorganismen. Permanente Wasserstellen wie Abwasserschächte behandelt das Amt vorsorglich.

Der wirksamste Hebel liegt allerdings nicht bei der Behörde, sondern bei den Betrieben und Anwohnern selbst. Die Tigermücke brütet nicht in Bächen oder Weihern, sondern in Kleinstmengen stehenden Wassers: in Untersetzern von Blumentöpfen, in Regentonnen, Giesskannen, verstopften Dachrinnen, alten Pneus oder vergessenen Kunststoffkübeln auf dem Firmenareal. Wenige Deziliter genügen. Das Amt bittet deshalb, solche Behälter mindestens einmal wöchentlich vollständig zu leeren oder austrocknen zu lassen – ein Intervall, das kürzer ist als die Entwicklungszeit vom Ei zur fertigen Mücke.

Kein akutes Gesundheitsrisiko

Für Personen im Industriegebiet besteht laut Amt derzeit keine Gefahr. Die Tigermücke überträgt Krankheitserreger wie Dengue-, Zika- oder Chikungunya-Viren nicht von sich aus, sondern nur, wenn sie diese zuvor bei einem infizierten Menschen aufgenommen hat. Solche Erreger zirkulieren in Liechtenstein nicht.

Dass die Behörden die Art dennoch konsequent bekämpfen, hat mit dem Blick über die Grenze zu tun. In der Schweiz wurde die Tigermücke 2003 erstmals im Tessin nachgewiesen, wo sie heute etabliert ist; inzwischen ist sie auch in Basel, Genf und Zürich sowie in mehreren Aargauer Gemeinden angekommen. In Vorarlberg wurden 2021 an der Autobahnraststätte Hörbranz erstmals Eier gefunden. Europaweit ist die Art nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) mittlerweile in 16 Ländern und 369 Regionen etabliert – vor zehn Jahren waren es 114 Regionen.

Mit der Ausbreitung wachsen auch die Übertragungszahlen: Frankreich verzeichnete in der Saison 2025 rund 700 lokal übertragene Chikungunya-Fälle, Italien 353. Hinzu kamen einzelne autochthone Dengue-Fälle. Alle diese Ausbrüche hatten dieselbe Voraussetzung – eine etablierte Tigermückenpopulation vor Ort. Genau das soll in Liechtenstein gar nicht erst entstehen.

Ergebnisse im Oktober

Die zusätzlichen Monitoringmassnahmen werden in den kommenden Wochen ausgewertet. Sobald belastbare Erkenntnisse zur Verbreitung der Tigermücke im Gebiet vorliegen – voraussichtlich im Oktober –, wird das Amt für Wald, Natur und Landwirtschaft erneut informieren.

Bis dahin bleibt die Ausgangslage die eines Frühwarnsystems, das funktioniert hat. Ein einzelnes Ei in einer Falle ist genau das, was ein Monitoring finden soll: der Hinweis, bevor daraus ein Problem wird.

hitze.li