UNO-Generalsekretär Guterres wirbt in Zypern für neue Verhandlungsrunde

Generalsekretär Gutteres

UNO-Generalsekretär António Guterres hat bei seinem ersten Besuch als Chef der Vereinten Nationen auf der geteilten Mittelmeerinsel Zypern für die Wiederaufnahme der Wiedervereinigungsgespräche geworben. Nach getrennten Gesprächen mit dem griechisch-zyprischen Präsidenten Nikos Christodoulides und dem türkisch-zyprischen Staatsoberhaupt Tufan Erhürman sowie einem gemeinsamen Treffen beider Seiten in der von der UNO kontrollierten Pufferzone in Nikosia kündigte Guterres an, künftig eine sogenannte 5+1-Konferenz einberufen zu wollen – allerdings erst nach gründlicher Vorbereitung.

Es ist der erste Besuch eines UNO-Generalsekretärs auf der Insel seit 16 Jahren; zuletzt war Ban Ki-moon 2010 nach Zypern gereist.

Dank an die Bevölkerung, Verweis auf frühere Verhandlungsrunden

Zu Beginn der Pressekonferenz dankte Guterres den Zyprioten für die „warme Herzlichkeit», die ihm während seines ersten Besuchs entgegengebracht worden sei. Zypern sei eine Insel mit einer bemerkenswerten Geschichte, einer reichen Kultur und grosser Resilienz – ein Ort, an dem die Schönheit und das Potenzial der Gegenwart auf die Schmerzen einer leidvollen Vergangenheit träfen. Er habe während seines Besuchs vor allem einen tiefen Wunsch der Bevölkerung nach einer friedlicheren, gemeinsamen Zukunft wahrgenommen.

Guterres erinnerte daran, dass sich die Parteien unter Vermittlung der Vereinten Nationen bereits mehrfach getroffen hätten: 2017 in Genf und Crans-Montana, 2017 in Berlin, 2021 in Genf sowie 2024 und 2025 in New York und Genf. Die letzte grosse Verhandlungsrunde war 2017 in Crans-Montana gescheitert.

Kein Termin für neue 5+1-Konferenz

Er habe von beiden Seiten sowie von den Garantiemächten die Zustimmung erhalten, in eine 5+1-Konferenz einzutreten – ein Format, das neben den beiden zyprischen Führungen auch Vertreter Griechenlands, der Türkei und des Vereinigten Königreichs als Garantiemächte umfasst. Eine Vorbereitung auf Vertrauensbildung, Methodik und inhaltliche Substanz sei jedoch Voraussetzung. „Ich will keine weiteren 5+1-Treffen ohne Ergebnis. Ich will ein erfolgreiches 5+1-Treffen, um einen Weg zu einer Lösung zu finden», sagte Guterres. Einen Zeitpunkt für das Treffen nannte er nicht: Man werde so schnell und effektiv wie möglich zusammenarbeiten, sagte er auf Nachfrage der anwesenden Medienvertreter. Für die Sommerpause sei kein weiteres Treffen in Zypern vorgesehen.

Seine persönliche Beauftragte für die Zypern-Frage, die Kolumbianerin María Angela Holguín Cuéllar, habe mit beiden Parteien an Vorschlägen gearbeitet, die auf Gesprächen mit der Bevölkerung beruhten. Auch er selbst habe während seines Besuchs mit zahlreichen Zyprioten gesprochen; deren Botschaft sei eindeutig gewesen: Sie wollten Fortschritt und Kompromissbereitschaft ihrer politischen Führungen sehen, um die Zypern-Frage endgültig zu lösen.

UNFICYP, Vermisstenkommission und technische Ausschüsse gewürdigt

Guterres würdigte zudem die Arbeit der UNO-Friedenstruppe in Zypern, UNFICYP, die seit mehr als 60 Jahren zur Stabilität in der Pufferzone und entlang der Waffenstillstandslinien beitrage. Beeindruckt zeigte er sich von der Arbeit der Kommission für vermisste Personen sowie der bikommunalen technischen Ausschüsse, die sich um das Zusammenleben der beiden Gemeinschaften bemühten.

Der internationalen Gemeinschaft komme in der Zypern-Frage eine wichtige Rolle zu, so Guterres weiter. Er zähle dabei insbesondere auf die fortgesetzte Unterstützung der drei Garantiemächte Griechenland, Türkei und Vereinigtes Königreich für seine guten Dienste.

Bedeutung für die Region betont

Auf die Frage nach der regionalen Bedeutung einer Zypern-Lösung sagte Guterres, eine Lösung sei angesichts wachsender geopolitischer Spannungen im östlichen Mittelmeerraum von grosser Wichtigkeit – nicht nur für die zyprische Bevölkerung selbst, sondern auch als stabilisierender Faktor für eine Region, die sich in mehreren Konflikten befinde. Bleibe Zypern hingegen ohne Lösung, werde die Insel anfälliger für die Risiken einer Region, die er als „in Flammen» stehend bezeichnete.

Die Vereinten Nationen könnten den Frieden nicht erzwingen, betonte Guterres abschliessend. Die Organisation bleibe aber vollständig engagiert, um die Menschen in Zypern in diesem für die Insel und die gesamte Region bedeutsamen Moment zu unterstützen.

Hintergrund

Zypern ist seit 1974 geteilt, nachdem die Türkei nach einem von der griechischen Militärjunta unterstützten Putsch griechisch-zyprischer Kräfte im Norden der Insel militärisch interveniert hatte. Die international anerkannte Republik Zypern kontrolliert den mehrheitlich griechisch-zyprischen Süden und vertritt die Insel in der EU; die 1983 ausgerufene Türkische Republik Nordzypern wird bislang nur von der Türkei anerkannt. Erhürman hatte die Präsidentschaftswahl im Oktober 2025 mit deutlichem Vorsprung gegen den bisherigen, auf eine Zweistaatenlösung setzenden Amtsinhaber Ersin Tatar gewonnen und dabei eine föderale Lösung favorisiert, verbunden mit der Forderung nach politischer Gleichberechtigung und einem verbindlichen Rahmen für neue Verhandlungen.

hitze.li