Windkraft soll die Bevölkerung von Anfang an ins Boot holen
Die Solargenossenschaft Liechtenstein hat am Abend in die Aula Ebenholz in Vaduz geladen. Unter dem Titel „Windkraft und Bürgerbeteiligung» boten die Veranstalter einen Themenabend, der bewusst auf Information statt auf Stimmungsmache setzte. Ziel sei es, hiess es einleitend, dass sich das Publikum eine eigene, fundierte Meinung bilden könne, statt sich auf einzelne Schlagworte zu verlassen. Der Anlass wurde professionell aufgezeichnet und wird im Internet zur Verfügung gestellt, damit auch Schulen die Referate nutzen können.
Lange Vorgeschichte beim Thema Wind
Präsident Daniel Gstöhl, der die Genossenschaft seit vielen Jahren führt und als Professor am Institut für Energiesysteme an der OST (Ostschweizer Fachhochschule) tätig ist, erinnerte an die Kontinuität des Themas. Mit den ersten Windmessungen habe man bereits 2008 begonnen, 2009 folgten erste Informationsveranstaltungen, und gemeinsam mit den Liechtensteinischen Kraftwerken sei seinerzeit ein Windkraftprojekt in Balzers verfolgt worden. Dieses wurde damals nicht weiterverfolgt – „Vielleicht war die Zeit damals noch nicht reif», so Gstöhl. Seit der Statutenänderung von 2010 ist die ursprünglich der Solarenergie verschriebene Genossenschaft auch für die übrigen erneuerbaren Energien zuständig.
Dass das Thema die Menschen bewegt, sei zuletzt im nahen Ausland zu beobachten gewesen. „Windenergie bewegt nicht nur die Rotorblätter, sondern auch die Gemüter», sagte Gstöhl. Umso wichtiger sei es, von den Erfahrungen anderer zu profitieren.
Versorgungssicherheit als sicherheitspolitische Frage
Für Regierungsrat Hubert Büchel wiegt die Frage einer sicheren, klimaverträglichen und zugleich erschwinglichen Energieversorgung besonders schwer, da die eigenen Produktionskapazitäten begrenzt seien und das Land stark von Importen abhänge. Versorgungssicherheit sei zunehmend auch eine sicherheitspolitische Frage – ein Punkt, der erst kürzlich bei der Vorstellung der sicherheitspolitischen Strategie deutlich geworden sei. „Wir müssen unabhängiger werden – und zwar schnell», sagte Büchel.
Der Ausbau der Erneuerbaren – Solar wie Wind – sei deshalb nicht nur Klimaschutz, sondern ein Beitrag zur Versorgungssicherheit. Derzeit arbeite die Regierung an der strategischen Umweltprüfung (SUP) zur Festlegung von Wind-Eignungsgebieten. Dabei gehe es ausdrücklich nicht um konkrete Anlagen, sondern um eine fundierte Entscheidungsgrundlage, in die zwölf Schutzgüter – von der Gesundheit des Menschen über Fauna, Flora und Boden bis zur Landschaft – einfliessen. Die fachlichen Grundlagen samt Windkataster lägen vor; eine öffentliche Konsultation sei voraussichtlich für Juli geplant, eine Informationsveranstaltung nach den Sommerferien. Windkraft werde, so Büchel, „nicht als reine Lösung, aber als Teil eines breit abgestützten, resilienten Energiesystems» eine Rolle spielen.
Die Schweiz ist kein Windland? Ein Mythos
Roman Windisch von der Geschäftsstelle Deutschschweiz von Suisse Eole, der Schweizerischen Vereinigung zur Förderung der Windenergie, räumte mit einem verbreiteten Vorurteil auf. Der Blick auf die Karte zeige, dass alle Nachbarregionen die Windkraft bereits stark ausgebaut hätten – Österreich etwa zähle rund 1500 Anlagen, die Schweiz dagegen erst etwa 50. Mit einem Anteil von rund 0,3 Prozent stecke man hierzulande noch in den Kinderschuhen.
Entscheidend sei der saisonale Faktor: Rund zwei Drittel der Jahresproduktion einer Windanlage fielen ins Winterhalbjahr – genau dann, wenn Wasserkraft und Photovoltaik weniger liefern und die Winterstromlücke drohe. Beim Verfahren gleiche das Schweizer System dem liechtensteinischen: Der Bund habe ein Windkonzept verabschiedet, die Kantone wiesen über die Richtplanung Eignungsgebiete aus. Breiten Raum nahmen die Modelle der Bürgerbeteiligung ein – bis hin zur Möglichkeit, sich finanziell an Projekten zu beteiligen.
Wie Bürgerbeteiligung konkret aussehen kann, zeigte Andreas Bernold, Gemeindepräsident von Wartau. Auf der anderen Rheinseite ist die Planung am weitesten fortgeschritten: Der geplante Windpark in der Rheinebene zwischen Trübbach und Sevelen gilt als erstes Schweizer Windprojekt, das von der öffentlichen Hand gemeinsam mit der Bevölkerung betrieben werden soll.
