Nintendo informierte Kunden zwei Jahre nicht über bekannten Controller-Defekt
Nintendo muss in Frankreich 35 Millionen Euro Strafe zahlen. Laut der zuständigen Behörde wusste der Konzern bereits 2018 von einem verbreiteten Fehler in den Switch-Controllern – teilte dies den Kunden aber erst 2020 mit. Besonders brisant: Die Nachfolgegeneration setzt auf dieselbe Grundtechnologie.
«Drift» nennt sich das Problem, das Millionen von Switch-Spielern kennen: Die Joy-Con-Controller bewegen Spielfiguren auf dem Bildschirm, obwohl niemand den Stick berührt. Türen öffnen sich von selbst, Figuren rennen gegen Wände – das Spiel reagiert auf Eingaben, die es nie gab. Im schlimmsten Fall werden Controller dadurch unbrauchbar.
Die französische Wettbewerbs- und Antibetrugsbehörde DGCCRF hat nach einer mehrjährigen Untersuchung festgestellt, dass Nintendo of Europe bereits 2018 – ein Jahr nach Markteinführung der Switch – von dem technischen Problem wusste, Kunden jedoch erst ab 2020 darüber informierte. Dieses Verhalten wertete die Behörde als irreführende Geschäftspraxis und verpflichtete Nintendo of Europe zu einer Strafzahlung von 35 Millionen Euro.
Nintendo akzeptierte den Vergleich, betont aber ausdrücklich, dass dies kein Schuldeingeständnis sei.
Das Ausmass des Problems zeigt sich an den Beschwerdezahlen: Allein beim europäischen Verbraucherschutzverbund BEUC gingen bis Januar 2021 fast 25.000 Meldungen ein. Von der ersten Switch-Generation wurden weltweit mehr als 155 Millionen Geräte in verschiedenen Modifikationen verkauft.
Den Stein ins Rollen gebracht hatte die französische Konsumentenschutzorganisation UFC-Que Choisir, die im September 2020 Beschwerde bei der DGCCRF einreichte. Fünf Jahre später liegt das Ergebnis vor.
Nintendo repariert – aber gibt wenig zu
Unter dem Druck europäischer Behörden und Konsumentenschützer hatte Nintendo 2023 zugesagt, defekte Joy-Cons auch ausserhalb der regulären Garantiezeit kostenlos zu reparieren.
Offiziell hält der Konzern an seiner Linie fest: keine Schuld, nur eine einvernehmliche Beilegung der Untersuchung. Die Kommunikation zwischen 2018 und 2020 beschrieb die DGCCRF als «verspätet und unvollständig» – sie habe Verbraucher davon abgehalten, den Kundendienst zu kontaktieren, und einige dazu veranlasst, neue Controller zu kaufen.
Die Switch 2, seit vergangenem Jahr auf dem Markt und inzwischen knapp 20 Millionen Mal verkauft, verwendet dieselbe grundlegende Stick-Technologie wie die Vorgängergeneration. Der Reparaturspezialist iFixit stellte bei einem Teardown fest, dass Nintendo auf sogenannte Hall-Effekt-Sensoren verzichtet hat, die als driftstabiler gelten. Stattdessen kommen weiterhin konventionelle Potentiometer mit Graphitkontakten zum Einsatz. Erste Drift-Fälle bei der Switch 2 wurden bereits gemeldet, die langfristige Fehlerrate lässt sich aber noch nicht beurteilen – die meisten Geräte sind weniger als ein Jahr im Einsatz.
Laut einem Nintendo-Vizepräsidenten war der Technologiewechsel nicht möglich: Der neue magnetische Befestigungsmechanismus der Controller würde sich mit den für Hall-Effekt-Sensoren benötigten Magneten stören.
35 Millionen – ein Signal
Die Busse von 35 Millionen Euro ist für einen Konzern der Grösse Nintendos finanziell verkraftbar. Ihr eigentlicher Wert liegt woanders: Das Urteil signalisiert, dass unzureichende Kommunikation über bekannte Produktmängel in Europa regulatorische Konsequenzen haben kann.

