Gesundheitskosten auf Rekordstand – Staatsbeitrag bleibt gleich
222 Millionen Franken Gesundheitskosten, ein Anstieg von über sechs Prozent – und doch bleibt der staatliche Beitrag zur obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) für 2027 unverändert bei 38 Millionen Franken. Der Landtag entschied sich am Donnerstag klar gegen eine Erhöhung. Gleichzeitig kündigte Gesundheitsminister Emanuel Schädler eine grundlegende Systemreform an.
Die gesamten Bruttoleistungen der OKP stiegen 2025 um 6,2 Prozent auf über 222 Millionen Franken. Besonders stark wuchsen die stationären Spitalkosten im Ausland – ein Plus von 13,4 Prozent. Daniel Salzgeber (FBP) machte auf ein historisches Datum aufmerksam: Zum ersten Mal überstieg die staatliche Gesamtfinanzierung des Gesundheitswesens die 100-Millionen-Marke, und der Staat trägt inzwischen 40 Prozent aller OKP-Kosten. „Das sind Zahlen, die wir bei dieser Diskussion unbedingt berücksichtigen sollten“, sagte er.
Für Martin Seger (DpL) ist das Problem ist nicht fehlendes Geld sondern ein ein System ohne Sparanreize.“ Sein Urteil über die bisherige Politik war scharf: „Wir betreiben seit Jahren Pflasterpolitik. Mehr Beiträge, mehr Subventionen, mehr Umverteilung, aber keine echte Reform.“ Er werde dem Beitrag trotzdem zustimmen – weil die Bevölkerung kurzfristig entlastet werden müsse.
Freie Liste scheitert mit Erhöhungsantrag
Wie bereits in den Letzten Jahren beantragte die Freie Liste den Beitrag zu erhöhen. Konkret forderte Benjamin Risch (FL) den Staatsbeitrag um 1,52 Millionen auf 39,52 Millionen Franken zu erhöhen. Dabei orientiert er sich an der Prämienentwicklung von vier Prozent. Die Mehrheit überzeugte das nicht. Salzgeber rechnete vor: Die 1,5 Millionen würden auf 34’500 Versicherte verteilt gerade einmal 3.60 Franken pro Monat bringen. Dieselbe Summe in die Prämienverbilligung gesteckt, würde 6’000 bedürftige Haushalte um 21 Franken monatlich entlasten. Tanja Cissé (VU) zeigte Verständnis für den Antrag, lehnte aber eine automatische Kopplung des Staatsbeitrags an die Kostenentwicklung ab. Der Antrag scheiterte mit zwei von 24 Stimmen deutlich.
EFAS als möglicher Systemwechsel
Gesundheitsminister Emanuel Schädler kündigte drei Reformpakete an, die demnächst in die Vernehmlassung gehen sollen: ein Kostendämpfungspaket zu Generika, Biosimilars und Labortarifen; ein Versorgungspaket 2030 mit neuen Versorgungsmodellen; und als strukturelles Herzstück die Einführung von EFAS – der einheitlichen Finanzierung ambulanter und stationärer Leistungen, wie sie die Schweiz ab 2028 kennen wird. Das Modell würde den Finanzierungsströmen eine neue Logik geben und dem Landtag einen direkteren Hebel auf die Gesundheitskosten ermöglichen. Christoph Wenaweser (VU) regte an, im Rahmen dieser Vernehmlassung auch eine automatische Kopplung des Staatsbeitrags an die Hochkosten zu diskutieren. Schädler zeigte sich offen.
Die drei in Liechtenstein tätigen Krankenkassen verfügen zusammen über Reserven von 66 Millionen Franken. Schädler erklärte, ein verbesserter Risikoausgleich zwischen den Kassen sei angestrebt, um Fehlanreize zu verhindern.
Der Regierungsantrag wurde einstimmig bei 24 Anwesenden angenommen.

