Eine Briefmarke, die man hören kann – Klingende Visitenkarte Liechtensteins

Briefmarke

Wer sie auf einen Plattenspieler legt, hört Liechtenstein. Die Philatelie Liechtenstein hat heute ihre erste klingende Briefmarke vorgestellt – und damit etwas geschaffen, das es in der liechtensteinischen Philateliegeschichte noch nie gegeben hat.

Die Marke sieht aus wie eine Miniatur-Vinylplatte. Im äusseren Ring liegt eine abspielbare Rille, die auf einem gewöhnlichen Plattenspieler funktioniert. Was man hört, ist «S’isch egal» – eine moderne Neuinterpretation des Volkslieds «Du und i sind Brüaderli» aus der Sammlung von Pepi Frommelt.

Eingespielt hat das Stück die Formation The Peps: Stefan Frommelt, Sohn von Pepi Frommelt, Sängerin Rahel Öhri-Malin und Sänger Mark B. Lay. Die Band wurde 2022 gegründet mit dem erklärten Ziel, Volksmusik aus dem Archiv der Pepi-Frommelt-Stiftung aus der Schublade zu holen und in neue Formen zu giessen.

Vom Archiv auf den Plattenteller

Für Christine Böhmwalder, Leiterin der Philatelie Liechtenstein, war von Anfang an klar, dass eine klingende Briefmarke nicht einfach irgendeinen Ton abspielen darf. «Sie soll kulturell verankert sein, sie soll echt sein und sie soll liechtensteinisch sein», sagte Böhmwalder an der Präsentation. Die Zusammenarbeit mit der Pepi-Frommelt-Stiftung sei deshalb die logische Wahl gewesen – einer Institution, die seit ihrer Gründung darauf setzt, kulturelles Erbe nicht ins Archiv zu legen, sondern weiterleben zu lassen.

Das Ergebnis ist eine Briefmarke, die sich zwischen zwei Welten bewegt: Sie kann frankieren, sie kann gesammelt werden – und sie kann gespielt werden. «Aus Sammeln wird plötzlich auch Hören, Erleben und vielleicht sogar Mitsingen», so Böhmwalder.

«Klingende Visitenkarte Liechtensteins»

Regierungschefin-Stellvertreterin und Kulturministerin Sabine Monauni sprach von einem Moment, in dem sich Alt und Neu auf ungewöhnliche Weise begegnen. Die Briefmarke sei mehr als ein philatelistisches Objekt, sie sei «eine klingende Visitenkarte Liechtensteins – ein Stück Identität, das man nicht nur sehen, sondern auch hören kann».

Dass ausgerechnet ein Volkslied, das fast in Vergessenheit geraten wäre, den Sprung auf eine Briefmarke schafft und damit ins digitale Zeitalter getragen wird, bezeichnete Monauni als positives Omen: «Totgeglaubte leben länger.»