Zweite Medienbefragung: Nutzungsgewohnheiten kaum verändert
Thomas Milic und Regierungsrat Hubert Büchel präsentieren die Studie zur Mediennutzung in Liechtentenstein | Foto: Gregor Meier
Zwei Medien sind in den letzten zwei Jahren verschwunden. Eine medienpolitische Debatte, hat das Land aufgewühlt. Und das Ergebnis? Die Liechtensteiner informieren sich fast genauso wie vor zwei Jahren. Das ist vielleicht der überraschendste Befund der zweiten Welle der repräsentativen Medienbefragung des Liechtenstein-Instituts, die heute von Regierungsrat Hubert Büchel gemeinsam mit Studienleiter Thomas Milic präsentiert wurde: Die Medienlandschaft hat sich verändert, das Medienverhalten kaum.
Entgegen dem internationalen Trend hat die Nutzung ausländischer Radiosender in Liechtenstein leicht zugenommen. Milic erklärte, warum: „Das sind jene Personen, die früher oft Radio Liechtenstein gehört haben und die nun offenbar gewechselt zu ausländischen Radiosendern sind.»
Neue inländische Angebote wie Radio 2Go oder das mit KI-Stimmen automatisch generierte Radio Vaterland konnten die entstandene Lücke bislang nicht füllen.
Vaterland bleibt meistgenutztes Medium
Abseits des Radios hat sich wenig verändert. Das Liechtensteiner Vaterland lesen 63 Prozent der Befragten mindestens gelegentlich. Rund 40 Prozent der Bevölkerung zählen zu seiner Stammleserschaft. Auch die Gratiszeitungen Liewo und lie:zeit halten ihre Reichweite stabil. Die Monatszeitung «Der Stammtisch», bekannt durch den vor Rechtschreibfehlern strotzenden Bettelbrief erreicht derzeit noch ein kleines Publikum; 54 Prozent der Befragten gaben an, noch keine einzige Ausgabe gelesen zu haben.
1FLTV: Spitzenreiter bei journalistischer Qualität
Unter den inländischen Medien mit verlässlicher Datenbasis schneidet 1FLTV bei der Qualitätsbewertung am besten ab. Das Stammpublikum bewertet die journalistische Qualität höher als jenes jedes anderen inländischen Mediums – und dieser Wert hat gegenüber 2023 sogar noch leicht zugenommen. Auch beim Vertrauen liegt der Sender mit 54 Prozent auf einem soliden Niveau: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung vertraut dem privaten Fernsehsender. Besonders hoch ist die 1FLTV-Nutzung bei den über 65-Jährigen.
Beim Liechtensteiner Vaterland attestieren 70 Prozent der regelmässigen Leser dem Blatt eine hohe oder eher hohe journalistische Qualität – das ist ein stabiler Wert, allerdings mit leicht rückläufiger Tendenz gegenüber 2023. Deutliche Unterschiede zeigen sich nach politischer Zugehörigkeit: VU-Sympathisanten bewerten die Qualität des Vaterlands vergleichsweise positiv, FBP-Anhänger bereits merklich kritischer. Am skeptischsten sind FL-Sympathisanten unter den regelmässigen Lesern – 38 Prozent von ihnen geben der journalistischen Qualität ein schlechtes oder eher schlechtes Zeugnis. Auch die Glaubwürdigkeit des Vaterlands wird vom Stammpublikum gut bewertet, sogar etwas höher als die rein journalistische Qualität.
Soziale Medien geniessen wenig Vertrauen
Am unteren Ende der Vertrauensrangliste finden sich konsequent die grossen sozialen Plattformen. Inhalte auf YouTube, Facebook, X (ehemals Twitter) oder Telegram erreichen im Durchschnitt klar negative Vertrauenswerte – sie erhalten also weniger Vertrauen als Misstrauen. Damit bilden sie das Schlusslicht, noch hinter Blogs und Podcasts. Das ist insofern bemerkenswert, als gerade diese Kanäle von jüngeren Bevölkerungsgruppen intensiv zur Informationsbeschaffung genutzt werden – obschon man ihnen nicht wirklich vertraut.
Fast ein Drittel meidet Nachrichtenmedien
Ein strukturelles Problem bleibt bestehen: 28 Prozent der Bevölkerung – nahezu identisch wie 2023 – gehören zu den sogenannten News-Abstinenten. Diese überwiegend junge Gruppe nutzt klassische Nachrichtenmedien kaum und informiert sich fast ausschliesslich über soziale Plattformen wie TikTok, Snapchat oder Instagram. Facebook verliert unterdessen weiter an Reichweite, bleibt hinter WhatsApp aber noch auf Platz zwei der genutzten Plattformen. X spielt in der breiten Bevölkerung praktisch keine Rolle.
Dass fast ein Drittel der Bevölkerung journalistische Angebote weitgehend meidet, ist eine Konstante, die seit der ersten Befragung unverändert bleibt: Wie erreicht man jene, die gar nicht mehr hinschauen?
