Petition für Busverbindung Ruggell – Schellenberg überwiesen

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Der Landtag hat die Petition zur Wiedereinführung einer direkten Busverbindung zwischen Ruggell und Schellenberg mit 23 zu 2 Stimmen an die Regierung überwiesen. Die Petition von Vorsteher Dietmar Lampert, Gemeinderätin Eva Maria Nicolussi-Vogt und Vize-Gemeindevorsteher Jonas Grubenmann eingereicht worden und wird von 152 Unterzeichnern mitgetragen.

Die Vorgeschichte

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2025 hatte LIEmobil den Abschnitt Ruggell–Schellenberg der Linie 32 nach jahrzehntelangem Betrieb ersatzlos eingestellt. Betroffen sind die Haltestellen Ruggell Limsenegg sowie Schellenberg Loch und Schellenberg Widum. Die Gemeindebehörde von Schellenberg erfuhr davon aus der Zeitung – ohne Vorinformation.

Seither sei einiges unternommen worden, um LIEmobil zur Wiederaufnahme der Strecke zu bewegen, führte Johannes Kaiser (FBP) aus, der die Petition im Landtag vorstellte. In der Vergangenheit hatte er das Thema bereits mehrfach mit Kleinen Anfragen, Social Media Posts und Gesprächen mit der Gemeinde vorangetrieben. Rund ein Fünftel der Schellenberger Bevölkerung sei direkt vom Wegfall dieser Verbindung betroffen. Besonders hart treffe es ältere Menschen, Kinder und Jugendliche, die nun weite Wege zu Fuss zur nächsten Haltestelle zurücklegen müssten – bei teils erheblichem Höhenunterschied.

Wirtschaftlichkeit gegen Service public

LIEmobil begründet die Streichung mit zu geringen Fahrgastzahlen an den betroffenen Haltestellen sowie mit dem hohen Dieselverbrauch der eingesetzten Grossfahrzeuge auf der Strecke. Kaiser hielt dagegen, dass andere Linien im LIEmobil-Netz eine noch schlechtere Kostendeckung aufwiesen. Zudem erhalte LIEmobil im Jahr 2025 einen Staatsbeitrag von 14,5 Millionen Franken – im Jahr 2026 steige dieser auf 18,5 Millionen Franken. Laut einer Hochrechnung würde die Wiedereinführung der Strecke rund 250 000 Franken pro Jahr kosten. Gleichzeitig habe LIEmobil dem Land im Geschäftsbericht Verbindlichkeiten in Höhe von rund 489 000 Franken zurückgemeldet, die nicht aufgebraucht worden seien.

Martin Seger (DpL) setzte dies in ein breiteres Verhältnis: Während bei der Grundversorgung der Bevölkerung mit dem Argument der Wirtschaftlichkeit gekürzt werde, flössen für den Welcompass für Übernachtungsgäste jährlich 66’000 Franken und für das Projekt LIEbike rund 923’000 Franken. Über 10 Prozent der LIEmobil-Kosten entfielen auf die Verwaltung, was einem Beitrag von über 1,7 Millionen Franken pro Jahr entspreche.

Verschiedene Lösungsansätze

Sandra Fausch (FL) betonte, dass LIEmobil einen Service-public-Auftrag zu erfüllen habe. Nicht die Wirtschaftlichkeit, sondern ein gutes, verlässliches und konkurrenzfähiges ÖV-Angebot müsse im Vordergrund stehen. Die Freie Liste unterstütze die Petition und fordere, dass die Verbindung zeitnah wiederhergestellt werde.

Verständnis für das Anliegen zeigte Tanja Cissé (VU). sie mahnte aber zur Verhältnismässigkeit. Sie plädierte für kreative Lösungen wie den Einsatz von Kleinbussen oder einem Ruftaxi statt der Rückkehr zur alten Lösung mit Grossbussen. Ähnlich argumentierte Dagmar Bühler-Nigsch (VU): Auch sie befürworte eine direkte Verbindung als Teil des Grundangebots, verwies aber auf die Notwendigkeit flexibler Betriebsformen. Als mögliche Varianten nannte sie Kleinbusse, Shuttledienste oder eine Querverbindung von Mauren über Schellenberg nach Ruggell.

Das Problem beschränke sich aus Sicht von Thomas Rehak (DpL) nicht auf Ruggell und Schellenberg, sondern sei ein landesweites Problem. Auch das Oberdorf in Triesen mit rund 1’500 Einwohnern sei vom öffentlichen Verkehr weitgehend abgeschnitten. Ursache sei die Eigentümerstrategie von LIEmobil, die den Verkehrsbetrieb lediglich verpflichte, Gemeinden miteinander zu verbinden – nicht aber Ortsteile zu erschliessen. Solange diese Vorgabe nicht angepasst werde, könnten die Abgeordneten im Landtag noch so viele Wünsche äussern.

Diese Einschätzung schloss sich Stefan Öhri (VU) an und forderte, die Regierung solle gemeinsam mit LIEmobil klare und transparente Kriterien für den Service-public-Auftrag im ÖV erarbeiten – für Mindestangebote, Umsteigezeiten, Topografie und Barrierefreiheit sowie für den Einbezug der betroffenen Gemeinden bei wesentlichen Änderungen. Nur mit solchen Leitlinien liessen sich künftige Konflikte vermeiden.

Kaiser machte noch auf drei konkrete Lösungsvorschläge aufmerksam, die von den Gemeinden Ruggell und Schellenberg gemeinsam erarbeitet worden seien: eine Umleitung der Linie 37 über Schellenberg, eine Verlängerung der Linie 33 von Mauren über Schellenberg nach Ruggell sowie ein Rundkurs mit Elementen der Linien 31 und 33. Auf keinen dieser Vorschläge sei LIEmobil bisher eingegangen.

Regierungsrat Oehry räumt fehlende Vorinformation ein

Regierungsrat Daniel Oehry, räumte ein, dass die fehlende Vorinformation der betroffenen Bevölkerung nicht korrekt gewesen sei, und entschuldigte sich dafür ausdrücklich. LIEmobil habe aber im Rahmen der bestehenden Rahmenbedingungen gehandelt – und diese seien von Regierung und Landtag gemeinsam gesetzt worden. Die Eigentümerstrategie sei zuletzt am 30. Januar 2024 genehmigt worden.

Oehry zog aus der Debatte zwei Schlussfolgerungen: Erstens müsse geprüft werden, ob die Vorgaben, die dem Verkehrsbetrieb gemacht würden, noch zeitgemäss seien. Zweitens fehle es in Liechtenstein – anders als etwa in der Schweiz – an klaren Kriterien dafür, ab welcher Unterauslastung eine Linie hinterfragt oder eingestellt werden dürfe. Beide Punkte sollen im Rahmen der Überarbeitung von Eigentümerstrategie und Leistungsvereinbarung angegangen werden. Ein Versprechen, dass morgen wieder ein Bus nach Schellenberg fahre, könne er nicht abgeben – aber die Diskussion, welche die Petition ausgelöst habe, sei richtig und wichtig.

Der Landtag überwies die Petition mit 23 Stimmen bei 25 Anwesenden zur geeigneten Verfügung an die Regierung.

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