Warum braucht Liechtenstein Satelliten?

Dr. Bianca Lins

Dr. Bianca Lins, LL.M., vom Amt für Kommunikation | Foto: Gregor Meier

Zwei Satelliten im Orbit, Frequenzrechte bei der Internationalen Fernmeldeunion ITU und eine wachsende Space Economy – Liechtenstein mischt in einem Zukunftsfeld mit, das weit über klassische Raumfahrt hinausgeht. Beim gestrigen Anlass des Liechtensteiner Presseclubs gaben Regierungsrat Hubert Büchel und Dr. Bianca Lins vom Amt für Kommunikation einen Einblick in die strategische Positionierung des Landes.

Der Hintergrund ist so ungewöhnlich wie bedeutsam: Liechtenstein hat seine Satellitenfrequenzen bei der ITU bereits 2014 registriert – und damit früher als SpaceX sein Starlink-Programm anmeldete. Wer zuerst registriert, hat Vorrang. Diese wertvollen Frequenzrechte drohten jedoch zu verfallen, weil die ursprünglichen Lizenznehmer – nach einem komplexen Eigentümerwechsel mit zeitweise chinesischen Investoren – keine Satelliten ins All brachten. Das Amt für Kommunikation entzog die Lizenz 2023 und vergab sie neu an das britische Raumfahrtunternehmen Open Cosmos.

Die ITU setzte eine klare Frist: Bis Ende Februar 2026 mussten mindestens zwei Satelliten in Betrieb sein – sonst wären die Frequenzrechte ersatzlos verloren gegangen. Am 22. Januar 2026 wurden die beiden von Open Cosmos gebauten Satelliten mit einer Rocket-Lab-Rakete vom Startgelände in Neuseeland erfolgreich in eine Umlaufbahn gebracht. Damit ist der erste Meilenstein erreicht. Nun muss Open Cosmos bis Mitte 2026 rund die Hälfte der geplanten Konstellation starten und die vollständige Flotte bis 2028 im All haben.

Doch wofür steht Liechtenstein das überhaupt? Lins machte deutlich, dass Satelliten längst zur unsichtbaren Infrastruktur des Alltags gehören: Navigation, Wettervorhersagen, Finanztransaktionen, smarte Landwirtschaft – all das stützt sich heute auf Satellitendaten. Für Liechtenstein ergäben sich daraus auch wirtschaftliche Chancen, denn Unternehmen wie Hilti, Neutrik und Ivoclar verfügten über genau das technologische Know-how, das die Weltraumindustrie brauche. „Im Weltraum kommt es nicht auf die Grösse eines Landes an», sagte Lins. „Der Moment, in dem Wirtschaft und Forschung stärker in diese Zukunftsfelder investieren, ist jetzt.»

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