Mehr Gewalt, mehr Drogen, mehr Notrufe: Landespolizei zieht gemischte Bilanz für 2025
Die Landespolizei Liechtenstein hat ihren Jahresbericht 2025 veröffentlicht. Die Kriminalitätsbelastung ist im vierten Jahr in Folge über die Marke von 1’200 Straftaten gestiegen – bei gleichzeitig deutlich verbesserter Aufklärungsquote. Besonders auffällig: ein massiver Anstieg der Gewaltdelikte und der Betäubungsmitteldelikte. Polizeichef Jules S. Hoch führte sein Korps zudem durch eine umfassende Strukturreform.
Neue Struktur, neues Lohnsystem
Per 1. Mai 2025 wurde die Polizeiverordnung von der Regierung angepasst und das Organigramm der Landespolizei neu ausgerichtet. Die Behörde gliedert sich seither in vier Hauptabteilungen – neu hinzugekommen ist die Abteilung «Polizeitechnik und Infrastruktur», die sich um die speziellen Informatik-, Kommunikations- und Logistikbedürfnisse kümmert. Die Reorganisation war auch Anlass, nach 20 Jahren die Stelleneinstufungen aller Polizeimitarbeitenden umfassend zu überprüfen. Das neue Lohnsystem trat per 1. Oktober in Kraft und eröffnet unter bestimmten Voraussetzungen mehr lohnrelevante Karrierepfade.
Insgesamt waren Ende 2025 von den 160 Sollstellen 144,8 Stellen besetzt – deutlich mehr als im Vorjahr (136,8). Elf Nachwuchskräfte befinden sich derzeit in der zweijährigen Grundausbildung. Zusätzlich unterstützen 32 Bereitschaftspolizisten das Korps.
Kriminalität: viertes Jahr über 1’200 Straftaten
Die Kriminalstatistik weist für 2025 insgesamt 1’424 Straftatbestände nach dem Strafgesetzbuch aus (2024: 1’373), ein Anstieg von vier Prozent. Die Aufklärungsrate stieg gleichzeitig auf 68 Prozent (2024: 64%). 575 Personen wurden als Tatverdächtige ermittelt, 62 Prozent davon mit ausländischer Staatsangehörigkeit.
Gewaltdelikte stark gestiegen
Der auffälligste Trend im Bericht ist der Anstieg der Gewaltdelikte um 44 Prozent auf 331 Tatbestände (2024: 230). Besonders stark zugenommen haben Drohungen (+35 auf 84), Nötigungen (+20 auf 56) und Körperverletzungen (+29 auf 133). Kurz vor Weihnachten erregte ein Tötungsdelikt besondere öffentliche Aufmerksamkeit: Drei Familienangehörige wurden getötet, der Tatverdächtige suizidierte sich anschliessend in der Schweiz. Insgesamt wurden drei Tötungsdelikte registriert – ein vollendetes sowie ein versuchtes Tötungsdelikt und eine versuchte Anstiftung zum Mord. Bei den Sexualdelikten wurden 34 Tatbestände erfasst, darunter ein deutlicher Anstieg beim sexuellen Missbrauch Unmündiger (neun Fälle gegenüber einem im Vorjahr).
Betäubungsmitteldelikte: plus 44 Prozent
Die Straftaten nach dem Betäubungsmittelgesetz stiegen markant auf 582 Tatbestände (2024: 404). Den grössten Anteil machen Eigenkonsum-Vergehen aus (535 Fälle). Zudem wurden elf Schmuggeldelikte nachgewiesen und drei Drogentote registriert. Da es sich bei Betäubungsmitteldelikten um sogenannte Kontrolldelikte handelt – also Vergehen, die nur durch aktive Kontrolltätigkeit sichtbar werden –, spiegeln die Zahlen auch den erhöhten Polizeieinsatz in diesem Bereich wider.
Rückgang bei Einbrüchen und Wirtschaftsdelikten
Erfreulicher ist die Entwicklung bei den Vermögensdelikten: Einbruchdiebstähle gingen um 15 Prozent auf 123 Fälle zurück (2024: 144). Die Wirtschaftsdelikte sanken um elf Prozent auf 296 (2024: 333), wozu vor allem ein Rückgang der Geldwäschedelikte von 72 auf 54 Fälle beitrug.
Notrufe stiegen um zwölf Prozent
Die Landesnotruf- und Einsatzzentrale (LNEZ) verzeichnete 2025 insgesamt 10’443 Anrufe – ein Anstieg von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr (9’343). Durchschnittlich wurden 28 Einsätze pro Tag disponiert. Problematisch: 1’451 Fehlanrufe verursachten erheblichen Zusatzaufwand. Im Rahmen des Projekts «Zielbild LNEZ 2027» wird die Zentrale auf eine permanente Dreierbesetzung ausgebaut.
Bedrohungen gegen Behörden nehmen zu
Die Fachstelle Gewaltschutz – bis Mai 2025 unter dem Namen «Bedrohungsmanagement» bekannt – verzeichnete 85 Meldungen (2024: 59). Besonders auffällig: Die Fälle von bedrohlichem Verhalten gegenüber Behörden und Institutionen stiegen von sieben auf 21. Im Bereich häusliche Gewalt gingen 188 Meldungen ein, davon 55 strafrechtlich relevante Gewaltvorfälle.
Verkehr: mehr Unfälle, weniger Schwerverletzte
Die Zahl der Verkehrsunfälle stieg 2025 um vier Prozent auf 460 (2024: 442). Dabei wurden 118 Personen verletzt, 34 davon schwer, und zwei Personen kamen ums Leben. Die häufigste Unfallursache bleibt mangelnde Aufmerksamkeit – verantwortlich für 38 Prozent aller Unfälle. Positiv: Die Unfälle mit Fussgängern halbierten sich auf acht Fälle, und die E-Bike-Unfälle gingen deutlich zurück (von 31 auf 16).
Landesgefängnis unter Druck
Das Landesgefängnis verzeichnete 2025 insgesamt 11’257 Hafttage – ein Anstieg von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr (9’935). Dabei stellen psychisch auffällige Untersuchungshäftlinge eine besondere Herausforderung dar: Für deren stationäre Behandlung sind die verfügbaren Plätze in Vorarlberg knapp und oft nicht verfügbar.
