Landesrechnung 2025: Liechtenstein schliesst mit 331-Millionen-Gewinn ab
Regierungschefin Brigitte Haas präsentiert Landesrechnung 2025 | Foto: Gregor Meier
Die liechtensteinische Landesrechnung 2025 schliesst mit einem Gewinn von 331 Millionen Franken ab. Regierungschefin Brigitte Haas und Andreas Gritsch, Leiter des Amtes für Finanzen, präsentierten das Ergebnis an einer Medienorientierung. Das Resultat übertrifft den Voranschlag deutlich und liegt leicht unter dem Rekordergebnis des Vorjahres.
Erträge weit über Erwartungen
Die betrieblichen Erträge – also die Einnahmen des Landes – erreichten ein Volumen von 1,135 Milliarden Franken und übertrafen den Voranschlag um 17 Prozent. Den mit Abstand grössten Anteil machen die Steuern und Abgaben aus, die 92 Prozent aller Erträge ausmachen.
Grösster Einzelposten auf der Einnahmenseite war erneut die Ertragssteuer der juristischen Personen mit 397 Millionen Franken – ein Plus von 137 Millionen gegenüber dem Budget und 113 Millionen mehr als im Vorjahr. Auch die Landesanteile an der Vermögens- und Erwerbsteuer übertrafen mit 136 Millionen den Voranschlag um 15 Millionen. Rückläufig entwickelten sich hingegen die Geldspielabgaben: Mit 20 Millionen Franken lagen sie 15 Millionen unter dem Budget und 33 Millionen unter dem Vorjahreswert.
Aufwand unter Budget – trotz Steigerung

Auf der Ausgabenseite wies die Rechnung einen betrieblichen Aufwand von 1,007 Milliarden Franken aus. Damit blieb das Land 45 Millionen unter dem genehmigten Budgetrahmen, verzeichnete jedoch einen Anstieg von 66 Millionen gegenüber dem Vorjahr. Aus der betrieblichen Tätigkeit resultierte so ein Gewinn von 128 Millionen Franken – der Voranschlag hatte noch ein Defizit erwartet.
Der grösste Ausgabenblock entfiel auf Beitragsleistungen und Transferleistungen mit 435 Millionen Franken. Dazu zählen insbesondere der Staatsbeitrag an die Krankenkassen mit 50 Millionen Franken, die Landesanteile an den Ergänzungsleistungen zur AHV/IV inklusive Betreuungs- und Pflegegeld mit 36 Millionen sowie der Staatsbeitrag an die Altersversicherung mit 32 Millionen. Im Jahresvergleich erhöhten sich die Krankenversicherungsbeiträge um 3,1 Millionen und die Ergänzungsleistungen um 2,3 Millionen Franken.
Der Personalaufwand der gesamten Landesverwaltung, der Gerichte, Kommissionen sowie aller Lehrpersonen an öffentlichen Schulen betrug 280 Millionen Franken – 6 Millionen unter dem Budget, aber 17 Millionen über dem Vorjahr. Der Anstieg erklärt sich durch den Teuerungsausgleich von 1,4 Prozent sowie Besoldungsanpassungen von 1 Prozent per 1. Januar 2025. Hinzu kam ein einmaliger Effekt durch die Überbrückungsgelder für vier austretende Regierungsmitglieder am Ende der Legislaturperiode.
Die Finanzzuweisungen an die Gemeinden summierten sich auf 133 Millionen Franken, 23 Millionen mehr als budgetiert. Dies ist direkt auf die hohen Ertragsteuereinnahmen zurückzuführen, von denen die Gemeinden anteilsmässig profitieren. Der gesetzliche Finanzausgleich fiel hingegen aufgrund der gestiegenen Steuerkraft der Gemeinden geringer aus.
Starkes Finanzergebnis dank hoher Rendite
Das Finanzergebnis trug mit 260 Millionen Franken massgeblich zum Gesamtergebnis bei und übertraf den Voranschlag um 140 Millionen. Ausschlaggebend war das Nettoergebnis aus den Finanzanlagen: Die Rendite lag mit 6,7 Prozent weit über der im Voranschlag berücksichtigten Planrendite von 2,5 Prozent. Zusätzlich trugen Wertzunahmen von Beteiligungen sowie höhere Beteiligungserträge – darunter die Dividende der Liechtensteinischen Landesbank – zum positiven Ergebnis bei. Das verwaltete Vermögen wuchs von 2,757 Milliarden Franken zu Jahresbeginn auf 3,83 Milliarden Franken per Ende 2025.
Gritsch verwies auf die historisch starke Langfristentwicklung, mahnte aber zur Vorsicht: Die jährlichen Ergebnisse der Vermögensverwaltung könnten stark schwanken, wie der Einbruch im Jahr 2022 gezeigt hatte.
Ausserordentliche Massnahmen belasten Ergebnis einmalig
Im ausserordentlichen Ergebnis schlägt ein Aufwand von 57 Millionen Franken zu Buche, der auf beschlossene Massnahmen im Bereich der betrieblichen Personalvorsorge des Staates zurückzuführen ist.
Investitionen weiter auf hohem Niveau
Das Land tätigte Bruttoinvestitionen von 100 Millionen Franken – 34 Millionen unter dem Budget, aber 14 Millionen über dem Vorjahr. Grösste Hochbauposten waren je rund 10 Millionen Franken für Massnahmen am Schulzentrum Mühleholz in Vaduz sowie für den Neubau des Schulzentrums Unterland II. Weitere 17 Millionen flossen in den Tiefbau und 15 Millionen in IT und Mobilien. Nach Abzug investiver Einnahmen – vor allem Darlehensrückzahlungen von 12 Millionen – ergaben sich Nettoinvestitionen von 88 Millionen Franken.
Gesamtrechnung und Ausblick
Unter Einbezug von Abschreibungen von 46 Millionen und Nettoinvestitionen von 88 Millionen ergibt sich in der Gesamtrechnung ein Mittelzufluss von 289 Millionen Franken. Im Voranschlag war noch von einem Mittelabfluss von 80 Millionen ausgegangen worden.
Regierungschefin Haas zog eine positive Bilanz, mahnte aber zur Vorsicht: „Es wird uns sicher treffen in den nächsten Jahren, was an geopolitischen Herausforderungen vorliegt.» Geopolitische Spannungen, gedämpfte konjunkturelle Aussichten sowie eine erhöhte Volatilität an den Finanzmärkten stellten Risiken für den Staatshaushalt dar. Zudem erfordere das Ausgabenwachstum der vergangenen Jahre eine sorgfältige Steuerung, um die langfristige Tragfähigkeit der Staatsfinanzen zu gewährleisten.

