EFTA-Parlamentarier besuchen Vietnam: Starkes Signal für Freihandelsabkommen
Sebastian Gassner beim Vietnam-Besuch des EFTA-Parlamentarierkomitees | Bildquelle: EFTA
Vom 20. bis 24. April 2026 unternahm eine hochrangige Delegation des EFTA-Parlamentarierkomitees einen offiziellen Arbeitsbesuch in Vietnam. Ziel der Reise war es, die politische Unterstützung für die laufenden Freihandelsverhandlungen zu bekräftigen und den parlamentarischen Dialog zu stärken.
Der Besuch fand vor dem Hintergrund der laufenden Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen (FHA) zwischen der EFTA und Vietnam statt. Er spiegelt den gemeinsamen Willen wider, die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu vertiefen und nachhaltiges Wachstum durch ein umfassendes und modernes Abkommen zu fördern.
Angeführt wurde die Delegation von Nikolai Astrup, dem Vorsitzenden des EFTA-Parlamentarierkomitees aus dem norwegischen Parlament. Ihm zur Seite standen zehn Parlamentarier aus den vier EFTA-Mitgliedstaaten Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz. Als Beobachter nahmen ausserdem zwei Vertreter des EFTA-Beratungsausschusses teil – eines Gremiums für Gewerkschaften und Unternehmensverbände aus den EFTA-Staaten.
Gespräche in Hanoi: Handel, Nachhaltigkeit und geopolitische Lage
In Hanoi tauschte sich die Delegation mit Mitgliedern der Nationalversammlung und hochrangigen Regierungsvertretern aus, darunter der stellvertretende Minister für Handel und Industrie, Nguyen Sinh Nhat Tan. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die laufenden Verhandlungen, globale wirtschaftliche Unsicherheiten sowie Möglichkeiten zur Ausweitung der Zusammenarbeit in Bereichen wie erneuerbare Energien, fortgeschrittene Fertigung sowie Forschung und Innovation.
Angesichts der neuen geopolitischen Realitäten betonten die EFTA-Parlamentarier die Bedeutung regelbasierter Handelsbeziehungen und enger Partnerschaften mit gleichgesinnten Staaten. Ein Treffen mit der Zentralkommission für Politik und Strategie unterstrich die Notwendigkeit, wirtschaftliche Ziele mit Nachhaltigkeitsanforderungen in Einklang zu bringen – einem zunehmend zentralen Element moderner Handelsabkommen.
Gespräche mit den Botschaftern des Vereinigten Königreichs, Kanadas und Neuseelands brachten eine breitere geopolitische Perspektive ein, wobei auch das CPTPP-Abkommen zur Sprache kam. Vertreter der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) erörterten Fragen zu Handel und nachhaltiger Entwicklung. Die Parlamentarier betonten dabei ihre Rolle bei der Ratifizierung von Freihandelsabkommen und ihren politischen Rückhalt für einen erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen mit Vietnam.
Hai Phong: Einblicke in Vietnams Industrielandschaft
Anschliessend reiste die Delegation nach Hai Phong, um sich ein Bild von Vietnams sich rasch wandelnder Industrielandschaft zu machen. Zu den Programmpunkten gehörte ein Besuch beim Elektrofahrzeughersteller VinFast, wo die Parlamentarier die Produktionsanlagen besichtigten und die ambitionierten globalen Expansionspläne des Unternehmens diskutierten.
In den Deep-C-Industriezonen informierte sich die Delegation über innovative Ansätze zur Entwicklung von Öko-Industrieparks und nachhaltiger Infrastruktur – Bereiche, in denen die EFTA-Staaten, insbesondere Norwegen und die Schweiz, aktiv tätig sind. Ein Rundtischgespräch mit EFTA-nahen Unternehmensvertretern lieferte weitere Einblicke in die Chancen und Herausforderungen des vietnamesischen Markts.
Ho-Chi-Minh-Stadt: Kooperation im Wirtschaftszentrum
Die letzte Etappe der Reise führte nach Ho-Chi-Minh-Stadt, dem wirtschaftlichen Zentrum des Landes. Ein Treffen mit dem Volkskomitee der Stadt befasste sich mit Stadtentwicklungsstrategien, Investitionsprioritäten und Möglichkeiten zur Vertiefung der Zusammenarbeit mit den EFTA-Ländern.
Betriebsbesuche bei international tätigen und EFTA-verbundenen Unternehmen – darunter Jotun, Mowi, Nestlé, SPS Vietnam und VARD – veranschaulichten die Breite der bereits bestehenden wirtschaftlichen Verflechtungen. Die Unternehmensvertreter konnten dabei darlegen, welche Auswirkungen ein Freihandelsabkommen auf ihre Geschäftstätigkeit und Zukunftspläne hätte.
Klares Bekenntnis zu einem zukunftsorientierten Abkommen
Der Parlamentarierbesuch kam zum richtigen Zeitpunkt: Er fiel mit der jüngsten Verhandlungsrunde zusammen und sendete ein starkes Signal für EFTAs Engagement, die Partnerschaft mit Vietnam zu vertiefen. Durch die Stärkung des parlamentarischen Dialogs, die Unterstützung der laufenden Verhandlungen und die Vorbereitung der künftigen Ratifizierung unterstrich die Delegation den gemeinsamen Willen, ein umfassendes und zukunftsorientiertes Freihandelsabkommen zu schliessen, das allen Beteiligten nachhaltige wirtschaftliche Vorteile bringt.
