Blütenfest auf dem Weidriethof

Toni Büchel

Rund 1’200 Bäume, ein drohender Kahlschlag – und ein Fest als Gegenmittel: Auf dem Weidriethof in Schaan kämpft eine kleine Gemeinschaft darum, eine ausgedehnte Zwetschgen- und Kirschenanlage am Leben zu erhalten.

Die Kirschbäume stehen in voller Blüte, weisse Blütenteppiche soweit das Auge reicht. Wer dieser Tage über den Weidriethof in Schaan spaziert, ahnt kaum, dass dieser Anblick vielleicht bald der Vergangenheit angehören könnte. Rund 400 Zwetschgenbäume und 800 Kirschbäume auf eineinhalb Hektaren stehen auf dem Spiel – und genau das soll das «Fest der Blütenpracht» verhindern.

Initiiert hat das Fest Toni Büchel, der schon seit einigen Jahren eine enge Verbindung zum Hof und seiner Obstanlage pflegt. „Wir haben gefunden, wir würden das gerne feiern. Wir würden das auch gerne mit anderen geniessen und auch mal der Öffentlichkeit sagen, dass es den Obstanlag gibt – dass es eigentlich ein sehr schöner Ort ist und sehr viel Potenzial hat», erzählt er.

Vom Studium auf den Hof

Büchels Weg auf den Weidriethof begann über die Gartenkooperative Liechtenstein-Werdenberg, die auf dem Hof von Georg Frick beheimatet ist. Gegen Ende seines Studiums sammelte er dort erste Erfahrungen im grösseren Gemüsebau. Kurz vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie fragte er bei Frick nach, ob er bei anfallender Arbeit einspringen könnte. Es dauerte nicht lange, bis er gebraucht wurde.

„Es kam Corona und es gab sehr viel Arbeit. Die Saisonarbeiter, die sonst viel Arbeit auf dem Hof machen, konnten nicht einreisen», erinnert sich Büchel. Zwei Jahre lang arbeitete er Teilzeit auf dem Weidriethof – im Gewächshaus, im Freiland, im Hofladen. Und er entdeckte die Obstanlage, die ihn seither nicht mehr loslässt.

Zu viel Aufwand, zu wenig Ertrag

Die Anlage ist ein ambitioniertes Werk. Bauer Georg Frick legte sie vor rund 13 Jahren an – nach langer Planung und trotz gewisser Bedenken zum Standort. „Eigentlich gehört diese Anlage eher gegen den Rhein zu, wo die Böden besser für den Obstbau geeignet wären. Hier ist es ein sehr schwerer Boden und es ist eine Spätfrostlage», erklärt Frick.

Die Herausforderungen liessen nicht lange auf sich warten. In den Anfangsjahren froren die Blüten regelmässig ein, Frostkerzen wurden eingesetzt – mit wechselhaftem Erfolg. Später kam die Kirschessigfliege dazu, die zuvor schon eine benachbarte Himbeeranlage vernichtet hatte. Heute schützen grossflächige Netze die empfindlichen Kirschen vor dem Schädling.

Doch auch betriebswirtschaftlich ist die Anlage eine Belastung. „Es sind 1,5 Hektar, es ist sehr viel Schnitt- und Pflegearbeit. Wenn die Früchte reif sind, muss man sie in kurzer Zeit abnehmen. Es ist einfach eine Herausforderung, neben allem anderen», sagt Büchel. Irgendwann teilte ihm Frick mit, dass er keine andere Wahl sehe, als die Anlage auszuroden.

Freiwillige als Retter

Für Büchel war das keine akzeptable Option. „Dann habe ich gesagt, dann schauen wir mal an, ob wir das nicht irgendwie retten können. Ich würde mich da gerne einbringen.» Seither verbringt er seine Freizeit auf dem Hof, schneidet Bäume, organisiert Freiwillige und denkt über neue Vermarktungswege nach.

Das Ziel: Durch Direktvermarktung bessere Preise erzielen, die Anlage kostendeckend betreiben und langfristig auch bezahlte Arbeitskräfte finanzieren können. „Längerfristig würde es nicht funktionieren, nur mit Freiwilligen. Aber es ist einfach viel Arbeit», gibt er zu.

Ein wichtiger Trumpf ist dabei das breite Erntezeitfenster der Anlage. Durch die Wahl verschiedener Sorten können Zwetschgen von Mitte Juli bis Mitte September geerntet werden – also rund zweieinhalb Monate lang. Das macht eine Vermarktung ohne grosse Saisonarbeitstruppen überhaupt erst möglich. Auch bei den Kirschen setzt Georg Frick auf Qualität: Mehrere Reihen sind mit der Sorte Regina bepflanzt, „sehr feine, geschmackvolle, schöne Kirschbäume», wie Büchel schwärmt.

Frick sieht Chance

Auch der Bauer selbst hat seine Haltung geändert. „Ich hatte den Plan, alles auszuroden. Und es sind eigentlich alle Bäume noch relativ gut im Stand. Und dann habe ich gesehen: Auszuroden, dann sind mehrere Jahre Arbeit weg. Und so kann man es vielleicht retten. Mal schauen, wie das aussieht», sagt Frick mit vorsichtigem Optimismus.

Das Fest der Blütenpracht soll nun mehr sein als ein geselliger Nachmittag unter Bäumen. Es ist ein öffentliches Bekenntnis zu einer Kulturlandschaft, die es verdient, erhalten zu bleiben – und eine Einladung, Teil davon zu werden. Wer sich bei der Ernte einbringen möchte oder Interesse an Zwetschgen und Kirschen aus Schaan hat, kann sich beim Weidriethof melden.