US-Post droht Zahlungsunfähigkeit
Der staatliche US-Postdienst steht vor einer ernsthaften Finanzkrise. Nach Angaben von Postchef David Steiner könnte die Behörde bereits im Oktober oder November zahlungsunfähig werden. Vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses forderte er höhere Briefmarkenpreise, mehr Kreditmöglichkeiten und weitere Reformen vom Kongress. «Wir sind in einer Krise», erklärte er den Abgeordneten.
Die Lage könnte sich noch verschärfen: Der Online-Händler Amazon plant, seine Paketzustellungen über die US-Post nach gescheiterten Vertragsverhandlungen um mindestens zwei Drittel zu reduzieren. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine mit den Vorgängen vertraute Person. Amazon gilt als grösster Kunde der US-Post und verschickt derzeit 1,7 Milliarden Pakete jährlich über den staatlichen Zustelldienst. Die vollständige Reduzierung soll bis September erfolgen, wenn der aktuelle Vertrag ausläuft.
Als mögliche Sparmassnahmen nannte Steiner eine Reduzierung der Zustellung von sechs auf fünf Tage pro Woche, was drei Milliarden Dollar jährlich einsparen würde, sowie die Schliessung kleiner Postämter in abgelegenen Gebieten mit Einsparungen von 840 Millionen Dollar. Zudem könnte der Preis für Standardbriefmarken von derzeit 0,78 auf einen Dollar oder mehr steigen.
Die strukturellen Probleme sind nicht neu: Seit 2007 hat die US-Post Verluste von 118 Milliarden Dollar angehäuft. Das Volumen von Standardbriefen, dem profitabelsten Produkt, ist auf den niedrigsten Stand seit den späten 1960er-Jahren gefallen. Damit steht der amerikanische Postdienst exemplarisch für eine Entwicklung, mit der traditionelle Postdienste weltweit kämpfen.

