Präsidentenwahl blockiert: GV des USV endet ohne Entscheidung

Generalversammlung USV

Die Generalversammlung des FC USV Eschen/Mauren sollte heute den seit Wochen teils medial ausgetragenen Streit beenden. Sie tat es auf eine Art, die nicht alle Beteiligten erwartet hatten. Ein vom Vorstand beigezogener Rechtsanwalt erklärte den Antrag auf Wahl eines neuen Präsidenten für formell unzulässig. Cengiz Bicer, der als Gegenkandidat zu dem vor vier Monaten einstimmig gewählten Mathias Speiser angetreten war, durfte nicht zur Abstimmung antreten. Der Abend endete ohne endgültigen Entscheid in der Führungsfrage – aber mit scharfen Worten auf beiden Seiten.

Die Rechtsfrage entscheidet den Abend

Der Vorstand hatten einen Rechtsanwalt mit der Prüfung der statutarischen Zulässigkeit von Bicers Traktandierungsantrag beauftragt. Der Anwalt legte seine Einschätzung dar: Ein Mitglied könne gemäss USV-Statuten vor der GV Traktandierungsanträge stellen. Dies müsse jedoch fünf Tage im Voraus per eingeschriebenem Brief und mit ausreichender Begründung erfolgen. Bicer hatte die Wahl des Präsidenten beantragt. Das Problem laut dem Anwalt: Die Statuten verlangen zunächst einen separaten Beschluss zur Abberufung des amtierenden Präsidenten, bevor eine Neuwahl überhaupt möglich ist. „Es muss zwingend die Abberufung des gewählten Präsidenten beantragt werden – das ist ein separater Beschluss», erklärte der Anwalt.

Zudem fehle dem Antrag die vorgeschriebene Begründung. Es sei in der Praxis sehr unüblich, einen gewählten Präsidenten ohne gewichtige Gründe abzuwählen – solche Gründe seien im Antrag nicht aufgeführt worden. Der rechtliche Schluss: Der Antrag entspreche nicht den statutarischen und vereinsrechtlichen Vorgaben und dürfe an der ordentlichen GV 2026 nicht traktandiert werden. Traktandieren bedeutet in diesem Zusammenhang, ein Thema offiziell auf die Tagesordnung der Versammlung zu setzen.

Speiser flankierte die Einschätzung mit einem grundsätzlichen Statement: „Es geht nicht darum, dass der Vorstand Angst vor der Abwahl hat, sondern es geht darum, dass wir eine Linie ziehen können.» Und weiter: „Falls das der sehnliche Wunsch der Mitglieder ist, dass man den bestehenden Präsidenten abwählt, dann muss es erst einmal korrekt erfolgen.»

Bicer kontert: «Das sind Beschuldigungen, die klar nicht stimmen»

Cengiz Bicer nahm das Wort und liess die rechtliche Einschätzung so nicht stehen. Ohne die formellen Details direkt anzufechten, richtete er seinen Blick auf das, was aus seiner Sicht das eigentliche Problem war: den Umgang des Vorstands mit ihm in der Öffentlichkeit.

„Ich persönlich habe niemanden bedroht – das sage ich noch einmal klar», betonte Bicer. Den neunseitigen offenen Brief des Vorstands, der wenige Tage vor der GV auf der Vereinswebseite veröffentlicht worden war, beurteilte er scharf. Laut Bicer enthalte der Brief „klare Behauptungen, ohne einen einzigen Beleg». Es handle sich um Beschuldigungen, die nicht stimmten – einige davon seien nach seiner persönlichen Einschätzung „zum Teil strafbar». Der Vorstand wies diese Vorwürfe nicht zurück; eine direkte Replik erfolgte an der GV nicht.

Bicer bat den Vorstand, mit öffentlichen Äusserungen über ihn vorsichtiger zu sein. Er wolle einzelne Personen nicht öffentlich belasten und gehe deshalb nicht weiter ins Detail. „Das wirft einen Schatten auf mich – das sind vielleicht Sachen, die man zweieinhalb Jahre lang verschwiegen, verteidigt und als Rucksack gedrückt hat. Da bin ich nicht involviert gewesen.»

Das an der GV gezeichnete Bild sei rosiger als die Realität, die er in zweieinhalb Jahren als Aktiver und Trainer beim Verein erlebt habe, sagte Bicer. Dass er trotz mehrfacher Nachfragen kein Budget für seine Tätigkeit als Sportlicher Leiter erhalten habe, liess er ebenfalls zu Protokoll nehmen. Er kündigte an, die Situation rechtlich prüfen zu lassen.

Finanzen: positives Ergebnis, aber kein Grund zur Entwarnung

Der Jahresabschluss kann nach dem Verlust im Jahr 2024 als Trendwende gewertet werden kann. Das Ergebnis wurde in den positiven Bereich geführt, die Liquidität sei gesichert. Das Budget für das aktuelle Jahr sieht einen ausgeglichenen Abschluss vor. Damit dieses Ziel erreicht werde, müsse aber weiterhin sparsam vorgegangen werden.

Offen angesprochen wurde auch ein heikler Punkt aus der Vergangenheit: Mittel aus dem Nachwuchsbereich seien in früheren Jahren für andere Zwecke eingesetzt worden. Sichtbares Symptom: Als einziger Verein im Land verfüge der USV bis heute nicht über einheitliche Trainingsshirts und -ausrüstung für seine Nachwuchsspieler. Das solle sich 2026 ändern.

Entscheidung vertagt

Der FC USV Eschen/Mauren verliess die GV vom 20. März 2026 ohne Entscheid in der Führungsfrage. Der amtierende Vorstand unter Mathias Speiser bleibt im Amt – mindestens bis zur nächsten Generalversammlung . Cengiz Bicer hat angekündigt, die Situation rechtlich prüfen zu lassen. Der Vorstand steht zu den Aussagen in seinem offenen Brief. Und der Verein wartet darauf, dass der Sport wieder lauter ist als der Streit.

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