Machtkampf vor der GV: Der FC USV Eschen/Mauren steht vor einer Zerreissprobe
Selten hat eine Generalversammlung eines Liechtensteiner Fussballvereins so viel Zündstoff angehäuft wie jene des FC USV Eschen/Mauren, die am kommenden Donnerstag, 20. März, im Scharwald stattfindet. Ein Trainerstreit, ein Gegenkandidат für das Präsidentenamt, ein offener Brief des Vorstands und öffentliche Wortmeldungen des Herausforderers haben den Verein in den vergangenen Wochen in Aufruhr versetzt. Auf dem Spiel steht nicht weniger als die Frage, wohin sich der einzige verbliebene Erstligist im Unterland künftig entwickeln soll.
Der Ausgangspunkt: 233’000 Franken Verlust
Die Vorgeschichte reicht ins vergangene Jahr zurück. An der 62. ordentlichen Generalversammlung 2025 musste der FC USV einen Verlust von 233’000 Franken für das Geschäftsjahr 2024 ausweisen. Dieser Befund zwang den Verein zur Neuausrichtung. Im November 2025 übernahm Mathias Speiser, der zuvor als Vorstandsmitglied im Nachwuchsbereich tätig gewesen war und unter anderem das Projekt Jugend4Future (JU4FU) massgeblich mitgeprägt hatte, das Präsidentenamt.
Seither steht der Kurs auf Konsolidierung: Sparmasssnahmen, ein Ende der Handgeldzahlungen, eine Rückbesinnung auf regionale und junge Spieler. Laut Vorstand befindet sich der Verein heute «voll im Budget und auf Dreijahreskurs» – die finanzielle Lage sei nach wie vor angespannt, aber unter Kontrolle.
Die Trainerfrage eskaliert
Anfang 2026 gerieten diese Pläne ins Wanken. In der ersten Vorstandssitzung des Jahres, am 22. Januar, diskutierte das Gremium intern die Trainerfrage für die Saison ab Sommer 2026. Der Entscheid fiel zunächst klar aus: Cheftrainer Michele Polverino stand zuoberst auf der Liste – «Warum etwas ändern?», lautete der Konsens.
Am 28. Januar traf sich der Vorstand mit Polverino. Das Gespräch verlief nach gegenseitiger Wahrnehmung eigentlich gut – bis Präsident Speiser die Frage stellte, ob Polverino im Falle eines allfälligen Trainerwechsels im Sommer dennoch die laufende Saison zu Ende führen würde. Diese Frage, so gibt der Vorstand in seinem offenen Brief selbst zu, sei in diesem Moment «vielleicht etwas zu offensiv» gewesen. Polverino empfand sie als Vertrauensbruch. Speiser entschuldigte sich im Nachhinein.
Einen Tag später, am 29. Januar, erklärte Polverino dennoch seinen vorzeitigen Rücktritt. Was folgte, war ein wochenlanger Verhandlungsmarathon: gemeinsame Sitzungen, Bedingungen, Gegenforderungen, ein Hin und Her. Als Bindeglied zwischen Präsident und Trainer wurde kurzfristig Cengiz Bicer als Sportlicher Leiter eingesetzt – auf Wunsch des Staffs und mit Zustimmung des Vorstands.
Am 14. Februar zog der Vorstand schliesslich die Reissleine und bot Polverino zwei Optionen: vorzeitiger Rücktritt oder Saison fertig machen ohne Vertragsverlängerung. Eine im Anschluss durchgeführte rechtliche Prüfung ergab laut Vorstand, dass bei den Verhandlungen kein rechtsgültiger Vertrag zustande gekommen war. Polverino prüft seither nach Medienberichten rechtliche Schritte. Per 2. März unterzeichnete der Verein einen Vertrag mit Patrick Winkler als neuem Trainer ab Sommer 2026.
Cengiz Bicer kandidiert als Präsident
Parallel zu diesem Trainerstreit wuchs eine weitere Konfliktlinie heran. Am 9. Februar informierte Cengiz Bicer den Vorstand über seine Kandidatur als Präsident. Bicer, ehemaliger Nationaltorwart und aktuell Goalietrainer beim USV, hatte in den Wochen zuvor als Sportlicher Leiter erste Einblicke in die Vereinsführung gewonnen. Im 1FLTV Sporttalk schilderte er seine Beweggründe offen: «Ich hatte die Doppelfunktion als Spieler, als Trainer. Als Staffmitglied hatte ich eine andere Funktion, wo man das Ganze anders anschaut. Es gab verschiedene Beweggründe.«
Konkret kritisiert Bicer die seiner Ansicht nach ungenügende Trennung zwischen operativer und strategischer Führung. Dass Speiser gleichzeitig als Sekretariatsangestellter und als ehrenamtlicher Präsident tätig ist, hält er für strukturell problematisch – unabhängig von der Person. «Die Trennung vom Präsidentenamt und der Geschäftsstelle finde ich sehr wichtig«, sagte er. Zudem bemängelt er, dass Kompetenzen zu stark bei Einzelpersonen gebündelt worden seien: «Es sind in den letzten zwei Jahren viele Kompetenzen gebündelt worden bei Einzelpersonen, die das auch nicht tragen können.«
Bicer hat nach eigenen Angaben bereits Sponsorenzusagen über 30’000 Franken gesichert. Er räumt aber ein, dass dies allein nicht reiche, um die finanzielle Lage des Vereins zu sanieren. Klare Strukturen, transparente Kommunikation und nachhaltige Finanzen sind seine erklärten Ziele.
Der Vorstand schlägt zurück
Der amtierende Vorstand um Mathias Speiser veröffentlichte daraufhin einen neunseitigen offenen Brief, in dem er die Ereignisse aus seiner Sicht schildert und Bicer sowie ein «Oppositionskonstrukt» rund um einen ehemaligen Vereinsfunktionär scharf angreift.
Der Vorstand wirft der Opposition vor, mit Drohungen zu operieren: Vorstandsmitgliedern sei sinngemäss empfohlen worden, vor der GV zurückzutreten, «da es ansonsten persönliche Konsequenzen hätte». Man habe damit gedroht, die Vergangenheit von Speiser «gezielt nach Fehltritten zu durchleuchten» und seinen Arbeitgeber zu kontaktieren. «Generell gleicht die Stimmungsmache der Opposition einer amerikanischen Präsidentschaftswahl und wohl keiner eines Dorfvereins», heisst es im Brief.
Bezüglich Bicer schreibt der Vorstand, dieser habe ein Angebot zur Integration in den Vorstand – als Sportlicher Leiter, Vizepräsident oder in Vorbereitung auf das Präsidentenamt 2027 – abgelehnt. Die vorgestellte Zusammenarbeit habe in der Praxis bedeutet: «Wenn ich Präsident machen darf, könnt ihr bleiben.» Ein zuletzt unterbreitetes Angebot, Bicer das Präsidentenamt zu übergeben – unter der Bedingung, dass der bestehende Vorstand bleiben kann und die Strategie der Regionalität fortgesetzt wird –, sei ebenfalls nicht akzeptiert worden.
Der Vorstand warnt vor den Folgen eines Präsidentenwechsels: Sponsoren hätten Rücktritte angekündigt, Juniorentrainer würden den Verein verlassen, J+S-Gelder in der Höhe von 20’000 Franken wären kurzfristig gefährdet, und jahrelanges Know-how im Sekretariat würde wegfallen.
Rivalisierende Zukunftsvisionen
Im Kern steht hinter dem persönlichen Streit ein inhaltlicher Konflikt über die Ausrichtung des Vereins. Der Vorstand unter Speiser setzt auf finanzielle Gesundheit zuerst – sportlicher Erfolg danach. Regionaler Nachwuchs statt teurer Söldner. «Mit Geld kauft man Erfolg. Ja das war in den vergangenen Jahren das Erfolgskonzept des FC USV. Wenn man Spielern in der Ersten Liga ein Jahresgehalt jenseits von 20’000 Franken bezahlt, dann geht die Rechnung nicht mehr auf.«
Cengiz Bicer teilt zwar die Notwendigkeit von Sparmassnahmen, setzt aber andere Schwerpunkte: Er will klare Strukturen, einen Vorstand im Ehrenamt und den USV langfristig als Erstligisten verankert sehen. Er warnt davor, die Konsequenzen eines möglichen Abstiegs zu unterschätzen – für die Spieler, den Nachwuchs und die Strahlkraft des Vereins.
Die Mannschaft liefert – trotz allem
Inmitten des Führungsstreits hat die erste Mannschaft auf dem Platz geliefert. In der Rückrunde holte das Team von Michele Polverino in den ersten drei Spielen sechs Punkte, unter anderem gegen FC Taverne und FC Winterthur.
Entscheidung fällt am Donnerstag
Ob die Wahl eines neuen Präsidenten überhaupt auf der Traktandenliste der GV stehen wird, war bis zuletzt offen. Bicer hat seine Kandidatur fristgerecht und schriftlich eingereicht und beruft sich auf Artikel 17 Absatz 2f der Vereinsstatuten, wonach die Wahl und Abberufung des Präsidenten traktandiert werden müsse. Vom Vorstand ist dies bislang nicht bestätigt worden.
Am Donnerstagabend im Schaawald werden die Mitglieder das letzte Wort haben – über die Führung, über den Kurs und über die Frage, was der FC USV Eschen/Mauren sein soll: ein gesund konsolidierter Breitensportverein mit Erstligaambitionen oder ein Klub, der die sportliche Identität als unverzichtbares Fundament betrachtet. Beides schliesst sich nicht zwingend aus – nur im Moment scheinen es die Beteiligten so zu empfinden.

