Aktuelle Stunde zur Bildungsstrategie der Zukunft
John Zimmmermann und die VU Fraktion im Landtag am 4.3.2026 | Foto: Gregor Meier
In der Aktuellen Stunde stand heute die Weiterentwicklung der Bildungsstrategie im Fokus. Angesichts rasanter technologischer und gesellschaftlicher Veränderungen forderten die Abgeordneten klare Weichenstellungen für das Bildungssystem des Landes.
Die Fraktion der Vaterländischen Union hatte das Thema „Weiterentwicklung der Bildungsstrategie – welche Schwerpunkte setzen wir für die Zukunft?“ benannt. Die Abgeordnete Carmen Heeb-Kindle (VU) eröffnete die Debatte mit einem Appell, Bildung nicht nur als Verwaltungsaufgabe, sondern als zentrale Standort- und Gesellschaftspolitik zu begreifen. Vor dem Hintergrund von Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und Fachkräftemangel betonte sie, dass die Fähigkeit, Wissen einzuordnen und verantwortungsvoll anzuwenden, zur neuen Schlüsselkompetenz werde.
Kritik an Inklusion und Leistungsdruck
Deutliche Kritik an der aktuellen Situation kam von Martin Seger (DpL). Er bezeichnete die integrative Schule in ihrer jetzigen Form als gescheitert und konstatierte eine Überforderung auf allen Ebenen. Seger forderte eine „Rückkehr zur Qualität“ und eine Stärkung der Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Auch Marion Kindle-Kühnis (DpL) unterstrich, dass das System durch den inklusiven Ansatz an sein Limit stosse. Sie forderte unter anderem eine Rückkehr zu kleineren Klassengrössen von maximal 22 Schülern.
Erfahrungen aus der Praxis brachte John Zimmermann (VU) ein, der selbst Schulleiter ist. Er verwies auf eine Häufung von Vorfällen, die sich gegen die psychische oder physische Integrität von Kindern richten, darunter Mobbing und Gewaltandrohungen. Als Ursachen nannte er unter anderem schulischen und familiären Druck sowie zu lange Handyzeiten. Viele Jugendliche stünden von morgens bis abends „unter Strom“.
Zimmermann regte daher konkrete strukturelle Änderungen an: So solle die Anzahl der wöchentlichen Lektionen an Sekundarschulen um bis zu zwei Stunden gesenkt werden. Die freiwerdende Zeit könne für Förder- oder Hausaufgabenlektionen genutzt werden, um das familiäre Umfeld und die Freizeitgestaltung zu entlasten. Zudem forderte er, die Klassenteilungsgrössen nach unten zu korrigieren.
Neue Impulse: Draussen unterrichten und psychische Gesundheit
Sandra Fausch (FL) setzte sich für alternative Lernformen ein und plädierte dafür, dem Unterricht im Freien künftig deutlich mehr Gewicht beizumessen, da Naturaufenthalte die mentale Widerstandsfähigkeit und soziale Entwicklung fördern würden.
Tanja Cissé (VU) lenkte den Blick auf die psychische Gesundheit der Schüler. Sie verwies auf Studien, wonach Leistungsdruck und Stress zentrale Probleme im Schulalltag seien. Zudem sprach sie sich für eine wirksamere und gegebenenfalls verbindlichere frühe Sprachförderung aus, um die Chancengleichheit bereits vor dem Schuleintritt zu verbessern. Ruf nach mehr Schulautonomie
Bettina Petzold-Mähr (FBP) und Landtagsvizepräsidentin Franziska Hoop (FBP) betonten die Bedeutung der Schulautonomie. Petzold-Mähr argumentierte, dass Schulstandorte eigene Entscheidungen treffen können müssten, um schneller auf aktuelle Situationen reagieren zu können. Hoop ergänzte, dass die Bildungsstrategie als Kompass dienen müsse, der Orientierung gibt, aber gleichzeitig Beweglichkeit ermöglicht.
Manuela Haldner-Schierscher (FL) forderte schliesslich mehr „Musse“ im Bildungssystem. Es dürfe nicht primär darum gehen, Wissen für Lernziele ins Kurzzeitgedächtnis zu drücken, sondern Dinge wirklich zu begreifen.
Reaktion der Regierung
Bildungsminister Daniel Oehry geführt – betonte in seiner Replik, dass die Bildungsstrategie konsequent auf Kontinuität und Weiterentwicklung setze. Er identifizierte vier strategische Ziele für die Zukunft: Gesundheit, Kultur, Sicherheit und Fortschritt.
