Startseite Inland Völkerrecht unter Beschuss: Christoph Heusgens Prognose

Völkerrecht unter Beschuss: Christoph Heusgens Prognose

Die Weltordnung gerät aus den Fugen. Im Auditorium der Universität Liechtenstein zeichnete Christoph Heusgen am Montagabend ein düsteres Bild der aktuellen Weltlage. Der langjährige Berater von Angela Merkel und ehemalige Chef der Münchner Sicherheitskonferenz sprach auf Einladung der Regierung über die strategische Zukunft Europas.

Heusgen wählte drastische Worte. Er sprach nicht mehr nur von einer Welt im Umbruch. Für ihn steht die Welt aktuell Kopf. Er verwies auf die jüngsten Eskalationen der ersten Januartage: Erneute russische Grossangriffe auf Kiew, chinesische Militärübungen vor Taiwan und aggressive Drohungen der USA gegenüber Venezuela und Grönland.

Das Recht des Stärkeren kehrt zurück

Hinter diesen Ereignissen erkennt Heusgen ein gefährliches Muster. Die Grossmächte missachten zunehmend die Charta der Vereinten Nationen. Das Verbot von Gewalt erodiert. Heusgen stellte die bange Frage, ob die Nachkriegsordnung am Ende sei. Er beobachtet eine Rückkehr zu Zeiten, in denen das Recht des Stärkeren gilt statt die Stärke des Rechts.

Als überzeugter Europäer lehnt Heusgen diese Entwicklung ab. Er erinnerte an die Gründerväter der Europäischen Union. Diese ersetzten das Schlachtfeld durch Verhandlungen in Brüssel und Gerichtssäle in Luxemburg. Dieses System schenkte dem Kontinent die längste Friedensperiode seiner Geschichte.

Christoph Heusgen

Europa muss politisch zusammenwachsen

Doch Vertrauen in Prinzipien allein genügt laut Heusgen nicht mehr. Europa müsse eigene Stärke zeigen. Zwar sei der gemeinsame Markt ein Erfolg, doch die politische Integration hinkt hinterher. Das Einstimmigkeitsprinzip in der Aussenpolitik blockiert oft entschlossenes Handeln. Wenn einzelne Staaten wie Ungarn wichtige Entscheidungen verhindern, müsse Europa auf Koalitionen der Willigen setzen.

Liechtenstein stärkt die Sicherheit

Regierungschefin-Stellvertreterin Sabine Monauni eröffnete den Abend mit einem Blick auf die Rolle des Kleinstaates. Auch die privilegierte Lage zwischen der Schweiz und Österreich schütze Liechtenstein nicht vor den weltweiten Verwerfungen.

Sabine Monauni
Regierungschefin-Stellverterterin Sabine Monauni

Die Regierung reagiert auf diese Unsicherheit. Im aktuellen Regierungsprogramm stehen Stabilität und Sicherheit im Zentrum. Monauni betonte, dass Sicherheit heute weit über das Militärische hinausgeht. Sie umfasst die Wirtschaft, den Schutz der Infrastruktur und die Widerstandskraft der Gesellschaft.

Liechtenstein arbeitet derzeit an einer neuen Sicherheitsstrategie. Für Monauni ist klar: Ein kleiner Staat ohne Armee ist besonders verletzlich. Die Antwort auf die globalen Krisen darf jedoch nicht Abschottung sein. Liechtenstein setzt stattdessen auf eine mutige Aussenpolitik und starke internationale Partnerschaften.

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