Private Spitexfirmen in der Kritik – Vorwürfe wegen Abrechnungen und Kostenexplosion
Private Spitexfirmen stehen in der Schweiz zunehmend unter Druck. Ein aktueller Bericht aus dem Kanton Zürich wirft ihnen vor, öffentliche Gelder ineffizient oder missbräuchlich zu verwenden und dabei sowohl Steuerzahler als auch Pflegepersonal zu benachteiligen. Die Kritik richtet sich gegen Abrechnungspraktiken, hohe Managementlöhne und Geschäftsmodelle, die aus Sicht der Behörden zu Fehlanreizen im Pflegesystem führen.
Im Zentrum steht die Restfinanzierung der ambulanten Pflege, welche Gemeinden und Kantone zusätzlich zu den Beiträgen der Krankenkassen leisten. Laut der Analyse entsprechen die Kostenrechnungen vieler privater Anbieter nicht den kantonalen Vorgaben oder sind unzureichend dokumentiert. Dadurch werde es für die öffentliche Hand schwierig zu überprüfen, ob die geltend gemachten Pflegekosten tatsächlich gerechtfertigt seien. In mehreren Gemeinden seien die Ausgaben für private Spitexleistungen in den letzten Jahren stark angestiegen, ohne dass dies immer mit einer entsprechenden Ausweitung der Pflegeleistungen einhergegangen sei.
Besonders kritisch beurteilt werden die hohen Löhne und Vergütungen auf Führungsebene einiger privater Spitexunternehmen. Diese würden indirekt mit öffentlichen Geldern mitfinanziert, während gleichzeitig beim Pflegepersonal gespart werde. Pflegefachpersonen berichten von hohem Arbeitsdruck, vergleichsweise tiefen Löhnen und unsicheren Anstellungsverhältnissen. Kritiker sprechen von einer Schieflage, bei der Gewinne und Managergehälter zulasten derjenigen gingen, die die eigentliche Pflegearbeit leisten.
Ein weiterer Streitpunkt ist das Geschäftsmodell mit pflegenden Angehörigen. Seit einem Bundesgerichtsurteil dürfen Angehörige für Pflegeleistungen entschädigt werden, wenn diese über eine Spitexorganisation abgerechnet werden. Private Anbieter haben dieses Modell stark ausgebaut. Gemeinden beklagen jedoch, dass dabei hohe Tarife verrechnet würden, während die Angehörigen selbst nur einen Teil der Gelder als Lohn erhielten. Der Rest verbleibe bei den Unternehmen, was die Kosten für die öffentliche Hand zusätzlich in die Höhe treibe.
Vertreter privater Spitexfirmen weisen die Vorwürfe zurück. Sie betonen, dass sie einen wichtigen Beitrag zur Versorgung einer alternden Gesellschaft leisten und flexible Angebote schaffen würden, die öffentliche Spitexorganisationen allein nicht abdecken könnten. Hohe Löhne in der Geschäftsleitung seien Ausdruck unternehmerischer Verantwortung und nicht per se ein Missbrauch von Geldern. Zudem sei der starke Kostenanstieg auch auf den wachsenden Pflegebedarf zurückzuführen.
Die Debatte hat politische Konsequenzen. Mehrere Kantone und Gemeinden fordern strengere Kontrollen, klarere Vorgaben für Kostenrechnungen und mehr Transparenz bei der Verwendung öffentlicher Mittel. Diskutiert werden auch einheitliche Tarife und eine stärkere Regulierung privater Anbieter. Der Bericht hat damit eine grundsätzliche Frage neu entfacht: Wie viel Gewinn darf im System der öffentlich mitfinanzierten Pflege erzielt werden – und wie lässt sich sicherstellen, dass das Geld in erster Linie der Pflegebedürftigen und dem Pflegepersonal zugutekommt.


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