Zwischenwahlen in den USA: Demokraten übernehmen Senat und Repräsentantenhaus
US Capitol | Foto: Gregor Meier
Die Demokraten haben bei den Zwischenwahlen in den USA die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses gewonnen. Sie holten Senatssitze in Bundesstaaten, die seit Jahrzehnten fest in republikanischer Hand waren, darunter Texas, Kansas und South Carolina. Für Präsident Donald Trump bedeutet das Ergebnis, dass er die letzten zwei Jahre seiner Amtszeit gegen eine Mehrheit der Opposition im Kongress regieren muss.
Die grossen US-Fernsehsender NBC News und CBS News erklärten die Demokraten in der Nacht auf Mittwoch zu Siegern in beiden Kammern. Die Nachrichtenagentur AP rief den Senat kurz vor Mitternacht Ostküstenzeit für die Demokraten aus. Nach Angaben des Magazins „Time“ ist es erst das fünfte Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, dass eine Partei bei Zwischenwahlen sowohl den Senat als auch das Repräsentantenhaus erobert. Die neuen Mehrheiten treten im Januar ihr Amt an.
Sieben Senatssitze wechseln die Seite

Vor der Wahl hielten die Republikaner im Senat 53 der 100 Sitze, die Demokraten kamen mit zwei Unabhängigen auf 47. Zur Wahl standen 35 Sitze. Nach den Hochrechnungen von NBC News kommen die Demokraten am Mittwochmorgen auf 53 Sitze, die Republikaner auf 41. Sechs Rennen waren noch nicht entschieden.
Die Demokraten nahmen den Republikanern sieben Sitze ab. In Iowa gewann Josh Turek gegen Ashley Hinson, in North Carolina setzte sich der frühere Gouverneur Roy Cooper gegen Michael Whatley durch. In Ohio schlug Sherrod Brown, der dem Senat bereits von 2007 bis 2025 angehört hatte, den amtierenden Senator Jon Husted. In Maine unterlag die langjährige republikanische Senatorin Susan Collins dem Demokraten Troy Jackson und räumte ihre Niederlage ein.
Besonders auffällig sind die Ergebnisse in drei traditionell republikanischen Bundesstaaten. In Kansas besiegte der methodistische Pastor Adam Hamilton den amtierenden Senator Roger Marshall. Die Republikaner hatten dort seit 1932 jede Senatswahl gewonnen. In Texas setzte sich James Talarico gegen Generalstaatsanwalt Ken Paxton durch und holte damit den ersten Senatssitz für die Demokraten in Texas seit 1988. In South Carolina gewann die Kinderärztin Annie Andrews gegen die republikanische Übergangssenatorin Darline Graham, die nach dem Tod von Lindsey Graham im Sommer nachgerückt war.
In New Hampshire verteidigten die Demokraten ihren Sitz: Chris Pappas besiegte den früheren republikanischen Senator John Sununu. Laut „Time“ ist Pappas der erste offen homosexuelle Mann, der in den Senat gewählt wurde.
Noch offen sind unter anderem die Rennen in Michigan, Alaska und Nebraska. In Michigan lag der Demokrat Abdul El-Sayed zuletzt mit 51,7 Prozent vor dem Republikaner Mike Rogers mit 46,3 Prozent, bei knapp drei Vierteln ausgezählter Stimmen. In Alaska führte die Demokratin Mary Peltola gegen Senator Dan Sullivan, allerdings erst bei rund einem Fünftel ausgezählter Stimmen. In Nebraska lag Senator Pete Ricketts knapp vor dem unabhängigen Kandidaten Dan Osborn.

Deutliche Mehrheit im Repräsentantenhaus

Im Repräsentantenhaus standen alle 435 Sitze zur Wahl. Vor der Wahl hielten die Republikaner 218 Sitze, die Demokraten 214. Den Demokraten reichte ein Nettogewinn von drei Sitzen für die Mehrheit. Nach der Schätzung von NBC News dürften sie nun mindestens 255 Sitze erreichen. Das wäre laut dem Sender ihre grösste Mehrheit seit fast zwei Jahrzehnten. Am Mittwochmorgen waren 221 Sitze für die Demokraten und 130 für die Republikaner entschieden, 84 Rennen waren noch offen.
Zu den prominentesten Verlierern gehört der Republikaner Richard Hudson aus North Carolina. Er leitet die Wahlkampforganisation der Republikaner im Repräsentantenhaus und unterlag dem Demokraten Richard Ojeda II. Als künftiger Sprecher des Repräsentantenhauses gilt der bisherige Minderheitsführer Hakeem Jeffries aus New York.
Auch bei den Gouverneurswahlen gab es einen Sieg mit Signalwirkung: In Georgia gewann die Demokratin Keisha Lance Bottoms. Sie ist nach Angaben von „Time“ die erste schwarze Frau, die in einem US-Bundesstaat zur Gouverneurin gewählt wurde.
Iran-Krieg und Lebenshaltungskosten
Politologen führen das Ergebnis vor allem auf die Unzufriedenheit mit dem von Trump begonnenen Krieg gegen den Iran, die gestiegenen Benzinpreise und die hohen Lebenshaltungskosten zurück. Das berichtet die Northeastern University in Boston. Nach einer Auswertung der „New York Times“ schwenkten in South Carolina Landkreise, die bei der Präsidentschaftswahl 2024 für Trump gestimmt hatten, im Schnitt um rund 21 Prozentpunkte zu den Demokraten.
Trump gratuliert und droht mit dem Veto
Trump gratulierte den Demokraten gegenüber CBS News und sagte, er freue sich auf die Zusammenarbeit zum Wohl des Landes. Der „New York Times“ sagte er, er sei bereit, das Ergebnis anzuerkennen. Zuvor hatte er auf seiner Plattform Truth Social betont, dass er selbst nicht zur Wahl gestanden habe, und behauptet, die Republikaner hätten mit ihm einen Erdrutschsieg errungen. Zudem veröffentlichte er das Bild einer roten Mütze mit der Aufschrift „VETO“. Gegenüber Fox News kündigte er an, Gesetze, die er ablehnt, mit seinem Veto zu blockieren. Für Verhandlungen sei er aber offen.
Der republikanische Mehrheitsführer im Senat, John Thune, kündigte Widerstand an. Die Republikaner würden nicht tatenlos zusehen, wie der linke Flügel der Demokraten ihre Arbeit rückgängig mache. Mehrere Demokraten stellten bereits Untersuchungen gegen Mitglieder der Regierung Trump in Aussicht. Mit der Mehrheit im Senat können die Demokraten künftig auch Nominierungen des Präsidenten blockieren.



