Staatsbesuch in Indien beginnt bei Hilti und beim Maharaja
Staatsbesuch S.D. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein und I.K.H. Erbprinzessin Sophie von und zu Liechtenstein in Indien | Fotos: Gregor Meier
Der Staatsbesuch von Erbprinz Alois und Erbprinzessin Sophie in Indien hat am Montag begonnen, und gleich der erste Termin brachte eine Neuigkeit: Hilti will sein Werk im indischen Vadodara ausbauen. Wie das Unternehmen bei der Besichtigung erläuterte, sind für das kommende Jahr mehrere Erweiterungen geplant. Zusätzliche Produktionslinien sollen entstehen, die Lieferketten sollen widerstandsfähiger werden.
Der Besuch im Werk war der Auftakt des offiziellen Programms. Die Delegation war am Sonntag in Mumbai eingetroffen, wo noch keine offiziellen Termine anstanden. Am frühen Montagmorgen flog sie mit einem Sonderflug, den das indische Aussenministerium organisiert hatte, nach Vadodara im Bundesstaat Gujarat und am Nachmittag weiter nach Neu-Delhi, wo der Staatsbesuch am Dienstag fortgesetzt wird. Für den Erbprinzen ist es bereits die zweite Indienreise in diesem Jahr: Im Februar war er am Rande des AI Impact Summit in Neu-Delhi zu einem bilateralen Gespräch mit Premierminister Narendra Modi zusammengetroffen.
Grosse Wirtschaftsdelegation

Zur offiziellen Delegation gehören Regierungschef-Stellvertreterin und Aussenministerin Sabine Monauni, Botschafter Martin Frick als Leiter des Amts für Auswärtige Angelegenheiten, dessen Stellvertreterin Christine Lingg sowie der diplomatische Mitarbeiter Andreas Foser. Da Liechtenstein in Indien keine eigene Botschaft unterhält, sind auch die Schweizer Botschafterin Maya Tissafi, ihre Stellvertreterin Sonja Isella und Verteidigungsattaché Daniel Bader Teil der Delegation. Der Landesspiegel begleitet die Reise als einziges Medium.
Hinzu kommt eine 13-köpfige Wirtschaftsdelegation unter der Leitung von Klaus Risch, dem Präsidenten der Liechtensteinischen Industrie- und Handelskammer. Allein Hilti ist mit vier Vertretern präsent, darunter Konzernchef Jahangir Doongaji. Ebenfalls dabei sind Markus und Matthias Kaiser von der Kaiser-Gruppe sowie Vertreter von LGT India, Oerlikon Balzers India, Savannah Seeds, Open Cosmos, Lightrock und Liechtenstein Languages.
Den wirtschaftlichen Rahmen bildet das Freihandelsabkommen zwischen Indien und den Efta-Staaten, das seit dem 1. Oktober 2025 in Kraft ist. Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz haben sich darin zum Ziel gesetzt, ihre Direktinvestitionen in Indien innerhalb von 15 Jahren um 100 Milliarden US-Dollar zu steigern.
Ein Baum für das Erbprinzenpaar

In Vadodara wurde die Delegation am Flughafen von Praful Pansheriya empfangen, Staatsminister für Gesundheit, Familienwohlfahrt und medizinische Ausbildung, der das Erbprinzenpaar auch zu den weiteren Terminen begleitete. Im Werk von Hilti Manufacturing India folgten auf einen kulturellen Empfang eine Präsentation und ein Rundgang durch die Produktion, anschliessend ein gemeinsames Mittagessen.
Das Werk hat im August 2023 den Betrieb aufgenommen und wurde im Januar 2024 offiziell eröffnet. Es ist die erste Industrieanlage Indiens, die von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen mit Gold zertifiziert wurde. Rund ein Viertel des Areals ist mit einem nach der Miyawaki-Methode angelegten Wald bepflanzt, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach liefert einen Teil des Stroms.
Zum Abschluss pflanzten Erbprinz Alois und Erbprinzessin Sophie einen Baum. Solche Pflanzungen gehören in Indien seit Langem zum Programm hoher Besuche.
Im Palast der Gaekwads

Am frühen Nachmittag fuhr die Delegation zum Lakshmi Vilas Palace, wo das Erbprinzenpaar mit Maharaja Samarjitsinh Gaekwad und dessen Mutter Shubhanginiraje zusammentraf. Der Palast ist der Wohnsitz der Familie Gaekwad, die bis zur Unabhängigkeit Indiens 1947 über den Fürstenstaat Baroda herrschte, wie Vadodara früher hiess. Baroda zählte zu den bedeutendsten Fürstenstaaten Britisch-Indiens: Sein Herrscher war einer von nur fünf, denen ein Salut von 21 Kanonenschüssen zustand, der höchsten Ehrenbezeugung für einen indischen Fürsten.
Erbauen liess den Palast Maharaja Sayajirao Gaekwad III., fertiggestellt wurde er 1890. Sayajirao, der von 1875 bis 1939 regierte, gilt als einer der grossen Reformer unter den indischen Fürsten. Er führte 1893 die kostenlose Schulpflicht für die Primarstufe ein, gründete 1908 die Bank of Baroda, verbot Kinderehen, liess die Wiederverheiratung von Witwen zu und finanzierte das Auslandstudium von B. R. Ambedkar, dem späteren Vater der indischen Verfassung. 1925 lud er im Lakshmi Vilas Palace Männer aller Kasten zu einem gemeinsamen Bankett. Mit einem Areal von über 200 Hektaren gilt der Palast heute als grösste private Residenz der Welt.
Samarjitsinh Gaekwad, Jahrgang 1967, wurde 2012 nach dem Tod seines Vaters in einer traditionellen Zeremonie im Palast zum Maharaja gekrönt. Ein Jahr später beendete er einen mehr als zwei Jahrzehnte dauernden Erbstreit mit seinem Onkel, bei dem ihm der Palast zufiel. In jungen Jahren spielte er für Baroda erstklassiges Cricket und stand später dem Cricketverband von Baroda als Präsident vor. Ein politisches Amt hat der Titel heute nicht mehr, gesellschaftlich geniesst die Familie in Vadodara aber weiterhin hohes Ansehen.
Empfang mit militärischen Ehren
Um 15 Uhr hob der Sonderflug in Richtung Hauptstadt ab. Auf dem Luftwaffenstützpunkt Palam in Neu-Delhi wurde das Erbprinzenpaar auf dem roten Teppich von Jayant Chaudhary empfangen, Indiens Minister für Qualifikation und Unternehmertum sowie Staatsminister für Bildung. Ebenfalls anwesend waren unter anderem der indische Botschafter in der Schweiz, Mridul Kumar, und Botschafterin Maya Tissafi. Ein Ehrenspalier aus Heer, Marine und Luftwaffe stand bereit, eine kurze Kulturdarbietung bildete den Abschluss des Empfangs, bevor die Delegation ins Hotel fuhr. Am Dienstag geht der Staatsbesuch in der Hauptstadt weiter.


