Mit dem SpaceBuzz ins All: Eine Rakete auf dem Peter-Kaiser-Platz
Eröffnung SpaceBuzz in Vaduz mit Regierungsrat Hubert Büchel | Foto: Gregor Meier
Auf dem Peter-Kaiser-Platz in Vaduz steht derzeit eine Rakete. Der SpaceBuzz ist ein mobiles Bildungsprogramm. In seinem Inneren erleben jeweils neun Personen mit Virtual-Reality-Brillen einen Raketenstart, den Flug in die Erdumlaufbahn und den Blick zurück auf den Planeten. Von Sonntag bis Dienstag kann die Rakete in Vaduz bestiegen werden. Das Interesse ist so gross, dass schon vor dem Start kaum noch Plätze frei sind.
Nach Liechtenstein geholt hat das Programm die Hilti Foundation. Am Samstag stellten Vertreter der Stiftung, der niederländischen SpaceBuzz Foundation und der Regierung das Projekt vor. Projektleiter Florian Batliner von der Hilti Foundation zeigte sich überrascht von der Nachfrage. Innert weniger Tage sei alles ausgebucht gewesen. Über die drei Tage seien mehr als 700 Plätze vergeben, für den öffentlichen Tag am Sonntag gebe es nur noch einzelne. Am Montag und Dienstag gehört die Rakete am Vormittag den Schulen: Über 200 Schüler aus 13 Klassen, alle im Alter von 9 bis 12 Jahren, haben sich angemeldet.
Die Erde als kleine blaue Kugel
Der SpaceBuzz wurde von der SpaceBuzz Foundation in den Niederlanden gemeinsam mit Fachleuten aus der Wissenschaft und dem ehemaligen ESA-Astronauten André Kuipers entwickelt. Im Zentrum steht der sogenannte Overview-Effekt. Raumfahrer berichten immer wieder, wie sehr sie der Anblick der Erde aus dem All verändert habe.
Janine Geijsen von der SpaceBuzz Foundation erklärte, worum es dabei geht. Neue Lösungen für die Zukunft verlangten neue Blickwinkel, und kaum eine Erfahrung verändere die Perspektive so stark wie jene der Astronauten. Sie sähen eine blaue Kugel in der Dunkelheit, lebendig, aber auch klein und verletzlich. Viele kämen mit dem Wunsch zurück, diesen Planeten zu schützen. Dieses Erlebnis wolle SpaceBuzz Kindern auf der ganzen Welt ermöglichen.
Mit dem Flug in der Rakete ist es dabei nicht getan. Zum Programm gehören laut Geijsen auch Unterrichtseinheiten, mit denen die Klassen in der Schule weiterarbeiten können. Die Begeisterung für Innovation, Technik und Wissenschaft solle bleiben.
Was Liechtenstein mit der Raumfahrt zu tun hat

Regierungsrat Hubert Büchel, in der Regierung für die Wirtschaft zuständig, beantwortete die Frage, was Liechtenstein mit der Raumfahrt zu tun habe: mehr, als man vermuten würde. Wer am Morgen auf dem Handy das Wetter prüfe oder mit dem Navigationssystem fahre, nutze Daten aus dem All. Auch der Finanzplatz sei auf präzise Zeitsignale von Satelliten angewiesen. Satelliten lieferten zudem Informationen zu Naturgefahren und unterstützten den Bevölkerungsschutz.
Liechtenstein nutze diese Technologie aber nicht nur, sondern leiste auch einen Beitrag. Büchel erinnerte an das Jahr 1946, als in Balzers ein Unternehmen für Vakuum- und Dünnschichttechnologie gegründet wurde. Daraus sei über Jahrzehnte eine ganze Industrie entstanden. Beschichtungen, optische Filter, Präzisionsmechanik und Messtechnik aus der Region kämen heute im Weltraum zum Einsatz, wo sie unter extremen Bedingungen zuverlässig funktionieren müssten. „Man muss also nicht selbst eine Rakete bauen, um in der Raumfahrt eine Rolle spielen zu können“, sagte Büchel.
Sein Ministerium arbeitet derzeit an einer nationalen Weltraumstrategie. Ziel sei es, die vorhandenen Kompetenzen der Unternehmen besser zu vernetzen, und zwar über die Landesgrenze hinaus im Rheintal, von Vorarlberg bis fast nach München. Liechtenstein solle sich als verlässlicher Partner in der europäischen Raumfahrt positionieren und sich auf jene Bereiche konzentrieren, in denen seine Unternehmen besonders stark seien.
Technisches Können allein reiche aber nicht, sagte Büchel. Es brauche auch Menschen, die sich für Wissenschaft und Technik begeistern. Dass diese Neugier vorhanden sei, habe sich bei der Namenssuche für die beiden liechtensteinischen Satelliten gezeigt, an der sich Schüler beteiligen konnten. Die Resonanz sei beeindruckend gewesen. Die Satelliten tragen seit diesem Sommer die Namen HoiSat und HoiRizon.
Mehr als Astronauten

Für die Hilti Foundation geht es in erster Linie darum, Begeisterung für Technik zu wecken. Bei den Vorbereitungen habe man festgestellt, wie viele Nischenanbieter und Hightech-Unternehmen es in der Region gebe, die Technologien für die Raumfahrt liefern, sagte Batliner – Firmen, die man selbst nicht auf dem Radar gehabt habe, „im wahrsten Sinne des Wortes“. „Technologie wie Raumfahrt fühlt man oft ein bisschen, als ob es etwas Amerikanisches, Chinesisches wäre. Und dabei ist die Relevanz wirtschaftlich gesehen sehr, sehr lokal.“
Deshalb hat die Stiftung ein Begleitprogramm zusammengestellt. Die Schulklassen besuchen nach dem Flug ergänzende Stationen im Landesmuseum. Dort zeigen geschulte Betreuer mit Beispielen aus der Region, welche Berufe hinter der Raumfahrt stehen – von Sensorik und Vakuummesstechnik über Präzisionsfertigung und Optik bis zu Beschichtungen, Elektronik, Software und Materialtechnologie. Den Kindern solle klar werden, dass es nie nur um den Beruf des Astronauten gehe.
Am Sonntag steht das Begleitprogramm auch der Öffentlichkeit offen. Das Landesmuseum zeigt ein Mondgestein und informiert über Liechtensteins Beitrag zur Raumfahrt, Kinder können eigene Flugobjekte bauen. Im Alten Kino Vaduz laufen vier Filme rund um Raumfahrt, Forschung und Technik.
„Wir wollen, dass Technologie wieder mehr ins Gespräch kommt, mehr ins Zentrum der Gesellschaft rückt“, sagte Batliner. Wer sich für Technik begeistere, erzähle davon vielleicht seinen Kindern und Enkeln. Und vielleicht sähen sich diese dann als die nächste Generation, die Innovation vorantreibt – ob in der Raumfahrt oder anderswo.


