Ein Atelier ohne Leistungsdruck: Living Museum Liechtenstein öffnet in Vaduz

Living Museum Vaduz

An der Fürst-Franz-Josef-Strasse 70 in Vaduz gibt es seit Samstag einen neuen Ort für Kunst und Begegnung. Der gemeinnützige Verein Living Museum Liechtenstein hat dort sein Atelier eröffnet – einen Raum, in dem Menschen gestalterisch tätig sein können, ohne dass ihre Arbeit bewertet wird. Ausdrücklich angesprochen sind auch Menschen mit psychischen Belastungen.

Zur Eröffnung erinnerte der Verein an die Idee hinter dem Projekt: Bauten und Orte, die mit der Natur wachsen, statt sich von ihr abzugrenzen. „Vielleicht ist es an der Zeit, nicht nur anders zu denken, sondern auch anders zu bauen“, hiess es in der Begrüssung. Vorerst fange man aber klein an. Acht Atelierplätze stehen derzeit zur Verfügung, 15 sollen es einmal werden. „Und wie das so ist mit lebendigen Ideen, sie haben die wunderbare Eigenschaft, grösser zu werden, als man ursprünglich geplant hat.“

Ganz fertig sind die Räumlichkeiten noch nicht, einige Handgriffe stehen noch aus. Wichtig sei dem Verein ein niederschwelliger und inklusiver Zugang zu den Atelierplätzen.

Drei Initianten, 15 Helfer

Hinter dem Projekt stehen die Bildhauerin und Erlebnispädagogin Myriam Bargetze aus Schaan, die Künstlerin Nadine Hilti, die in Schaan als Kinder- und Jugendpsychotherapeutin tätig ist, und der Vaduzer Kulturaktivist René Hasler. Hilti sagte bei der Eröffnung, sie sei angefragt worden und vom Projekt sofort begeistert gewesen.

Hasler erzählte mit einem Augenzwinkern, Myriam Bargetze habe ihn gefragt, ob er mitmache – und er habe zunächst abgelehnt. Nun stehe man trotzdem gemeinsam da und eröffne das Atelier. Er sei seit Jahren in verschiedenen Kulturvereinen engagiert, das Living Museum sei nun eine weitere Beschäftigung für seine Zeit als Pensionist.

Inzwischen ist aus der Initiative ein Team von 15 Personen geworden. Elf freiwillige Mitstreiter sollen den Ort mit Zeit und Tatkraft am Leben erhalten, für handwerkliche Arbeiten steht Roland, der Ehemann von Nadine Hilti, zur Verfügung.

Abhängig von Stiftungen

Dank richtete der Verein an die Vertreter der Gemeinde und vor allem an die Gönner und Stiftungen, die die Eröffnung erst möglich gemacht haben. Auf seiner Website nennt der Verein die Peter Kaiser Stiftung, die Stiftung Fürstlicher Kommerzialrat Guido Feger, die Fürst Franz Josef von Liechtenstein Stiftung sowie die H.E.M. Stiftung von Peter Goop als Unterstützer.

Die Suche nach Geld wird den Verein auch künftig begleiten. Man werde von Stiftungen abhängig bleiben, hiess es. Etwas Einnahmen bringt die Vermietung der Atelierplätze, die sich online buchen lassen. Geöffnet ist das Atelier vorerst montags bis mittwochs am Nachmittag.

Kunst, die nicht beurteilt wird

Das Vaduzer Atelier knüpft an die internationale Living-Museum-Bewegung an. Unter den Gästen war auch eine langjährige Wegbegleiterin aus einem bestehenden Living Museum, wo sie seit über 25 Jahren tätig ist. Wer einen Eindruck davon gewinnen wolle, solle sich das einmal vor Ort ansehen, empfahl der Verein. Es sei ein Wunderwerk.

Sichtbar werde dort vor allem die Menschlichkeit und die Erfahrung, selbst etwas bewirken zu können – und Kunst, die entstehen dürfe, ohne kritisiert zu werden. Das könnten alle gebrauchen. „Überall wirst du nach Leistung geprüft. Das ist da nicht der Fall.“ Im Living Museum sei man davon frei.

Die Besucher waren eingeladen, sich gleich selbst zu beteiligen: An einer Wand im Atelier lagen Kataloge und Ausschnitte bereit, aus denen Motive ausgeschnitten und zu einer gemeinsamen Arbeit zusammengefügt werden konnten. Den musikalischen Ausklang der Eröffnung bestritten drei Musiker.