Ausweichverkehr: Ruggell will bei Planung für Unterbendern mitreden
Wer zu Stosszeiten von Bendern Richtung Autobahn will, nimmt zunehmend den Umweg über Ruggell. Diese Beobachtung steht im Zentrum einer Stellungnahme, die der Ruggeller Gemeinderat an seiner Sitzung vom 30. September zur Strategischen Umweltprüfung (SUP) für den Verkehrsknoten Unterbendern behandelt hat. Die Gemeinde fordert, dass das Land bei seinen Planungen nicht nur den Knoten selbst, sondern auch die Folgen für die umliegenden Strassen untersucht.
Das Land führt derzeit eine SUP zur Neugestaltung des Verkehrsknotens durch. Im Rahmen der öffentlichen Mitwirkung können Gemeinden und Private zum vorgesehenen Untersuchungsrahmen Stellung nehmen. Ruggell begrüsst die Bestrebungen grundsätzlich und betont, es gehe ausdrücklich nicht darum, die Planung zu erschweren. Ziel sei eine gemeinsame, langfristig tragfähige Lösung für den ganzen Raum.
Umweg über die Rheinbrücke Ruggell–Sennwald
Gemäss dem Antrag des Vorstehers ist der Ausweichverkehr bereits heute spürbar, vor allem in den Hauptverkehrszeiten. Ein Teil der Autofahrer umfährt die stark belastete Verbindung Bendern–Haag und gelangt über Ruggell und die Rheinbrücke Ruggell–Sennwald zur Autobahn. Für einen Ausbau der Rheinbrücke Bendern–Haag sei derzeit keine kurzfristige Lösung absehbar.
In der Erörterung wird das Bild noch weiter gezogen: Zunehmend werde der Raum von der Essanestrasse bis Unterbendern grossräumig umfahren. Verkehrsteilnehmer wählten ab dem Presta-Kreisel in Eschen die Route über Mauren und Schellenberg nach Ruggell. Damit sei die Gemeinde nicht nur vom direkten Ausweichverkehr aus Bendern betroffen, sondern auch von Verlagerungen innerhalb des ganzen Unterlands. Je nach gewählter Variante könnten Veränderungen am Knoten Unterbendern diese Ströme zusätzlich beeinflussen.
Entwicklung läuft schneller als die Planung
Ein weiterer Punkt betrifft den Zeitfaktor. Der Wirtschafts- und Arbeitsplatzstandort Unterbendern wächst weiter, und zusätzliche Arbeitsplätze dürften das Verkehrsaufkommen im nördlichen Unterland wesentlich verändern. Ein grosser Teil dieser Entwicklung werde voraussichtlich stattfinden, bevor grössere Entlastungen umgesetzt sind – bis zur Realisierung des neuen Knotens könnten je nach Planungs- und Bewilligungsverfahren noch mehrere Jahre vergehen.
Ruggell regt deshalb an, parallel zur langfristigen Planung kurz- und mittelfristige Massnahmen für die Übergangsphase zu prüfen. Dabei soll insbesondere untersucht werden, wie zusätzlicher Ausweichverkehr Richtung Ruggell vermieden und der Verkehr auf den dafür vorgesehenen Hauptachsen gehalten werden kann.
Die Forderungen im Einzelnen
Konkret ersucht die Gemeinde darum, die grossräumigen Verkehrsverlagerungen in Richtung Ruggell ausdrücklich in der SUP zu berücksichtigen und die Achse Bendern–Ruggell sowie die Rheinbrücke Ruggell–Sennwald in die Untersuchungen und Verkehrsmodellierungen einzubeziehen. Die heutige Situation und die Auswirkungen der einzelnen Varianten sollen für die morgendlichen und abendlichen Spitzenstunden untersucht werden.
Zudem verlangt Ruggell, dass die Arbeitsplatz- und Siedlungsentwicklung in Unterbendern in die Verkehrsprognosen einfliesst und mögliche Folgen für das eigene Siedlungsgebiet aufgezeigt werden – namentlich bei Verkehrssicherheit, Lärm sowie Fuss-, Velo- und öffentlichem Verkehr. Sollten sich relevante Mehrbelastungen zeigen, seien flankierende Massnahmen zu prüfen. Wesentlich sei, dass die Neugestaltung das gesamte Verkehrsnetz im Unterland verbessere und bestehende Probleme nicht auf andere Gemeinden oder Achsen verschiebe.
Ruf nach mehr Zusammenarbeit – auch mit Blick auf Feldkirch
Über den konkreten Knoten hinaus sieht die Gemeinde ein grundsätzliches Problem: Die Verkehrsfragen im Unterland liessen sich nicht innerhalb einzelner Gemeindegrenzen lösen. Ruggell erinnert an das frühere „Entwicklungskonzept Liechtensteiner Unterland und Schaan“ (EKU), das genau für solche gemeindeübergreifenden Herausforderungen geschaffen worden war, und schlägt vor zu prüfen, wie wieder eine verstärkte und verbindliche Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden und dem Land sichergestellt werden kann.
Zusätzliche Bedeutung erhalte dies durch den Stadttunnel Feldkirch, dessen Inbetriebnahme für 2030 geplant ist. Die damit verbundenen Verschiebungen der Verkehrsströme und die vorgesehenen Begleitmassnahmen könnten über Feldkirch hinaus wirken. Die Gemeinde hält es deshalb für wichtig, die Verkehrsentwicklung im Unterland und im angrenzenden grenzüberschreitenden Raum frühzeitig gemeinsam zu betrachten.

