Schwedens Regierungschef tritt nach Wahlniederlage zurück
Vier Tage nach der Parlamentswahl ist Schwedens Hängepartie entschieden. Am Donnerstagmittag lagen alle Stimmen der Wahl vom 13. September ausgezählt vor: Das rot-grüne Lager kommt auf 176 der 349 Mandate im Reichstag, das bürgerlich-rechte Lager von Ministerpräsident Ulf Kristersson auf 173. Wenige Stunden später bat Kristersson den Parlamentspräsidenten schriftlich um seine Entlassung und veröffentlichte das Schreiben auf X.
Die Wahlnacht hatte keine Klarheit gebracht. Erst die Auszählung der Auslands- und verspäteten Briefstimmen entschied die Sache – und selbst am Schluss verschob sich noch ein Mandat von den Sozialdemokraten zur Linkspartei, ohne das Kräfteverhältnis zwischen den Lagern zu verändern. Kristersson, der am Wahlabend eine Niederlage nicht eingeräumt hatte, zog nun die Konsequenz: Damit die Regierungsbildung unverzüglich beginnen könne, gebe er den Weg frei.
Einfach wird sie nicht. Die knappe Mehrheit stützt sich auf vier Parteien – Sozialdemokraten, Linkspartei, Grüne und die liberale Zentrumspartei –, deren Vorgaben sich widersprechen. Die Linkspartei hat angekündigt, gegen jede Regierung zu stimmen, an der sie nicht mit Ministern beteiligt ist. Die Zentrumspartei wiederum lehnt eine Regierung mit der Linkspartei ab. Kristersson mahnte in seinem Schreiben konstruktive Offenheit aller Parteien an. Die Federführung liegt nun beim Parlamentspräsidenten, der die Sondierungen leitet.
Kristersson regierte seit Oktober 2022 eine Minderheitsregierung aus Moderaten, Christdemokraten und Liberalen. Die Mehrheit sicherten ihm die nationalistischen Schwedendemokraten, die dem Tidö-Abkommen zufolge zwar Politik mitbestimmten, aber keine Regierungsämter erhielten.
Auch für die Siegerin ist der Erfolg zwiespältig. Magdalena Anderssons Sozialdemokraten bleiben mit gut 28 Prozent klar stärkste Kraft – es ist zugleich ihr schwächstes Ergebnis seit über hundert Jahren. Gewonnen hat das Lager, nicht die führende Partei.

