Ein einziges Mandat entscheidet über Schwedens nächste Regierung
Als am Sonntagabend um 20 Uhr die Wahllokale schlossen, sah es nach einem klaren Sieg aus: Die Nachwahlbefragungen von SVT und TV4/Novus sahen das linke Lager bei 51,3 Prozent, das bürgerlich-rechte Bündnis von Ministerpräsident Ulf Kristersson bei rund 47 Prozent. Wenige Stunden später war davon nichts mehr übrig. Je weiter die Auszählung fortschritt, desto enger wurde es – am Ende der Nacht trennte die beiden Blöcke im 349 Sitze zählenden Reichstag ein einziges Mandat.
Nach dem vorläufigen Stand der schwedischen Wahlbehörde kommt das Lager um die Sozialdemokratin Magdalena Andersson auf 175 bis 176 Sitze, das bisherige Regierungslager auf 173 bis 174. Für eine Mehrheit sind 175 Mandate nötig. Endgültige Klarheit gibt es frühestens am Mittwoch, wenn die Stimmen der Auslandsschweden und die verspätet eingetroffenen Briefwahlstimmen ausgezählt werden. Das amtliche Endergebnis dürfte weitere Tage auf sich warten lassen. Die Wahlbeteiligung lag bei 80,4 Prozent.
Die Sozialdemokraten bleiben mit knapp 28 Prozent stärkste Kraft, verlieren gegenüber 2022 aber rund 2,4 Prozentpunkte und fahren damit eines der schwächsten Ergebnisse ihrer Geschichte ein. Dass Andersson dennoch Chancen auf das Amt der Ministerpräsidentin hat, verdankt sie ihren möglichen Partnern: Linkspartei, Grüne und Zentrumspartei legten allesamt leicht zu.
Der grösste Verlierer des Abends sind die rechtspopulistischen Schwedendemokraten. Mit 17,7 Prozent büssten sie 2,8 Prozentpunkte ein – der erste Rückgang seit ihrem Einzug ins Parlament 2010 – und fielen hinter Kristerssons Moderate zurück, die auf 19,9 Prozent kamen. Für die Partei von Jimmie Åkesson ist das doppelt bitter: Erstmals hätte sie Ministerposten erhalten sollen, wenn das Tidö-Bündnis die Mehrheit verteidigt hätte.
Auch ein bestätigter Vorsprung wäre für Andersson kein Selbstläufer. Die Linkspartei hat angekündigt, jeder Regierung die Zustimmung zu verweigern, an der sie nicht selbst mit Ministern beteiligt ist. Die liberale Zentrumspartei wiederum lehnt eine Regierung unter Beteiligung der Linkspartei ab. Und die Christdemokraten schlossen Anfang September aus, Andersson zu stützen – notfalls bis zu Neuwahlen.
Es war die erste Parlamentswahl seit dem Nato-Beitritt Schwedens im März 2024. Dominiert hat den Wahlkampf aber anderes: Migration, Bandenkriminalität und die Frage nach härteren Strafen.

