Wenn der Regierungsrat zur Rebschere greift
Am Wochenende sind im Land die letzten Weinberge gewimmelt worden. Einer, der dabei selbst in den Reben stand, ist Regierungsrat Daniel Oehry. Rund 500 Quadratmeter betreut er in Eschen – als Hobby, als Ausgleich und als Familienangelegenheit.
Der Ablauf ist so simpel wie mühsam: Kiste an den Rebstock, Traube in die Hand, Schere ansetzen, faule Beeren wegschneiden, weiter zur nächsten Traube. Wer wimmelt, arbeitet gebückt, Zeile um Zeile, und trägt am Ende volle Kisten aus dem Rebberg. Maschinen haben in einem Weinberg dieser Grösse nichts verloren – 500 Quadratmeter sind Handarbeit, vom ersten bis zum letzten Stock.
Für Daniel Oehry ist der Rebberg das Gegenstück zum Regierungsalltag. Zwischen Traktanden und Terminen ist die Arbeit in den Reben etwas, das sichtbar vorwärtsgeht und sich am Ende in Kisten messen lässt. Ein Hobby, ein Ausgleich – und ein Familienbetrieb im Kleinen: Gewimmelt wird gemeinsam, wie in vielen Liechtensteiner Rebbergen, wo an einem Samstagvormittag drei Generationen zwischen den Zeilen stehen.
Ein Land voller Hobbywinzer
Genau darin liegt die Eigenart des liechtensteinischen Weinbaus. Auf gut 25 Hektar Rebfläche kommen rund 125 Winzer. Vier professionelle Betriebe bewirtschaften etwa 60 Prozent der Fläche – der Rest verteilt sich auf viele kleine Parzellen, die neben Beruf und Familie gepflegt werden. Der Eschnerberg im Unterland und der Gutenberg im Oberland sind die beiden prägenden Lagen.
Alt ist diese Tradition allemal. Für den Eschnerberg ist Rebbau seit 1363 belegt, die älteste Weinbauordnung des Landes stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert. Selbst die Sprache verrät die Herkunft: Wimmeln geht auf das lateinische vindemiare zurück, der Torkel auf torquere, der Winzer auf vinetor. Die dominierende Sorte ist bis heute der Blauburgunder.
Ein früher Jahrgang
Das Weinjahr 2026 hat die Winzer gefordert. In weiten Teilen Europas begann die Lese so früh wie selten, in der Schweiz teils rund drei Wochen vor dem üblichen Termin. Ein sonniger, sehr warmer Sommer beschleunigte die Reife, Hitze und Trockenheit hielten die Beeren klein. Die Folge: tendenziell weniger Most, dafür konzentrierte, aromatische Trauben. Wo die Trauben gesund blieben, sprechen Fachleute von einem vielversprechenden Jahrgang.
Für die Wimmler bedeutete das vor allem eines: den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen. Der klassische Wimmel-Monat in Liechtenstein ist der Oktober; in diesem Jahr war in einzelnen Gemeinden bereits Ende September fertig geerntet. Mit dem vergangenen Wochenende sind nun auch die letzten Zeilen abgeräumt.
Nach der Ernte beginnt die Arbeit
Was jetzt folgt, entzieht sich dem Blick der Öffentlichkeit: Pressen, Gärung, Ausbau im Keller. Bis der Jahrgang 2026 im Glas steht, vergehen Monate. Im Rebberg dagegen ist die Saison mit dem Wimmeln keineswegs zu Ende – Laub, Schnitt und Bodenpflege stehen an, ehe der Zyklus im Frühjahr von vorne beginnt.

