„Es gibt keinen Kurswechsel“ – Christian Öhri will Ruggell vier weitere Jahre führen
Nach dreieinhalb Jahren im Amt stellt sich Christian Öhri für eine zweite Amtszeit als Vorsteher von Ruggell zur Verfügung. Vor der Ortsgruppe zog er Bilanz – und machte deutlich, dass er den eingeschlagenen Weg fortsetzen, dabei aber Verantwortung breiter verteilen will.
Am meisten überrascht habe ihn die Vielfalt des Amtes, sagte Öhri im Rückblick auf seine erste Amtszeit. Obwohl er zuvor jahrelang als Gemeindesekretär gearbeitet und geglaubt habe, die Abläufe zu kennen, sei die Verantwortung als Vorsteher noch einmal etwas anderes: Am Schluss stehe der Vorsteher da und müsse sie tragen. Seinen Vorgängerinnen und Vorgängern zolle er dafür heute grossen Respekt.
Bilanz: Begegnungen als Höhepunkte
Positiv in Erinnerung bleibe ihm die konstruktive Zusammenarbeit im Gemeinderat und mit der Verwaltung, deren Mitarbeiter die Projekte mittrügen. Als eigentliche Höhepunkte nannte Öhri jedoch die Begegnungen: die Vereinsanlässe, die Jungbürgerfeier im Herbst und die Informationsarbeit in der Gemeinde. Prägend seien auch seine Einsätze im Europarat und im Kongress der Gemeinden und Regionen gewesen. Im Vergleich mit anderen europäischen Regionen sei ihm dort jeweils bewusst geworden, wie gut es Liechtenstein gehe.
Gelernt habe er in dieser Zeit auch, dass man es nie allen recht machen könne. Er sei zwar lösungsorientiert und versuche, möglichst viele abzuholen – am Ende brauche es aber Entscheidungen, und die stiessen nicht immer überall auf Zustimmung. Überwogen hätten in den vergangenen Jahren dennoch klar die positiven Rückmeldungen. Ausdrücklich dankte Öhri seiner Familie, die vor allem an Abenden mit Einsätzen auf ihn verzichten müsse.
Zweite Amtszeit: mehr delegieren, mehr Gelassenheit
Für eine zweite Amtszeit kündigte Öhri Kontinuität an: „Es gibt keinen Kurswechsel.“ Die Linie der vergangenen dreieinhalb Jahre wolle er ruhig und konstruktiv weiterführen. Ändern will er dagegen seinen eigenen Arbeitsstil – er wolle konsequenter delegieren und die Verantwortung breiter verteilen. Das bedeute „nicht weniger Einsatz, sondern einfach mehr Gelassenheit“ und mehr Erfahrung im Umgang mit dem Amt. Auch für Familie, Gesundheit und die Musik wolle er sich bewusst mehr Zeit nehmen.
Auf der Traktandenliste der Verwaltung steht laut Öhri die Digitalisierung sämtlicher Dienstleistungen. Gleichzeitig sollen alle Angebote weiterhin persönlich verfügbar bleiben; der Empfangsschalter im Gemeindehaus sei ihm ausdrücklich wichtig.
Projekte bis 2031
Inhaltlich nannte Öhri mehrere Vorhaben, an denen er sich in den kommenden Jahren messen lassen will. Das Generationenhaus, dessen Spatenstich Ende Februar erfolgte, soll Ende nächsten Jahres eröffnet werden. Beim Thema Stromversorgung will die Gemeinde das Dorfzentrum mit Batteriespeichern und Photovoltaikanlagen weitgehend autark machen, um in einer Notsituation auf eigenen Strom zurückgreifen zu können. Auf die zunehmende Hitze im Sommer reagiere man mit einer Klimatisierung der Klassenzimmer – Herausforderungen dieser Art liessen sich nicht um Jahre verschieben.
Ein Schwerpunkt bleibt der leistbare Wohnraum. An zentraler Lage an der Dorfstrasse sieht Öhri Potenzial für bezahlbare Wohnungen für Familien; die Gemeinde wolle diese Entwicklung aktiv fördern. Gleichzeitig soll Ruggell massvoll wachsen und seinen Dorfcharakter mit den bestehenden Vereinsstrukturen behalten. Als weitere Ziele nannte er die Seniorenkoordination, die kinderfreundliche Gemeinde – eine Auszeichnung, die Ruggell nach seinen Angaben soeben zum dritten Mal erhalten hat – sowie einen bewussten Umgang mit den Finanzen: Ruggell habe sich zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort mit entsprechenden Steuereinnahmen entwickelt, das Geld solle gezielt und mit Blick auf schlechtere Jahre eingesetzt werden.
Worauf er sich persönlich am meisten freue? Auf das Miteinander, sagte Öhri und verwies auf den Seniorenausflug vom vergangenen Donnerstag mit rund 140 Teilnehmern und auf das Dorffest vom Wochenende. Wenn das Gelände voll sei und die Vereine derart mitzögen, sei er auch am Tag danach gerne wieder im Einsatz.

