„Seit Jahrzehnten ein Thema in der Familie“ – Erbprinz Alois über die neue Thronfolge
Erbprinz Alois im Interview mit Gregor Meier | Foto: Janik Mathis
Mit seiner Ankündigung, das Hausgesetz zu novellieren und die Thronfolge für Frauen zu öffnen, hat Erbprinz Alois am Staatsfeiertag für einen historischen Moment gesorgt. Im Interview mit dem Landesspiegel gab er Einblick in die Hintergründe der Reform – und Regierungschefin Brigitte Haas zeigte sich über die Neuigkeit sichtlich erfreut.
Die Öffnung der Thronfolge kommt nicht aus heiterem Himmel. „Es ist ein Thema, das schon seit Jahrzehnten in der Familie ein Thema ist“, sagte der Erbprinz im Interview am Rande der Feierlichkeiten. Bereits in seiner Jugend habe es entsprechende Überlegungen gegeben: Prinz Nikolaus habe ihm erzählt, dass er damals schon Gedanken in diese Richtung in die Familie eingebracht habe. Konkret angegangen sei die Reform dann im letzten Quartal des vergangenen Jahres.
Die Hürde für die Änderung des Hausgesetzes ist hoch: Nötig ist eine Zweidrittelmehrheit aller Stimmberechtigten im Fürstenhaus. „Jede Stimme, die nicht abgegeben wird, zählt dann dagegen“, erklärte der Erbprinz. Entsprechend gründlich sei die Vorbereitung gewesen.
Hinter der Reform steht für den Erbprinzen auch eine praktische Überlegung: Die Kinder der künftigen Regiererinnen und Regierer des Hauses, die hier aufwachsen und die Aufgaben ihrer Eltern direkt miterleben, könnten so am besten auf die Thronfolge vorbereitet werden – und auf die Verantwortung, die damit für Haus und Land verbunden ist. „Wir haben gute Erfahrungen in den letzten zwei, drei Generationen damit gemacht.“
Nach dem Cyberangriff: „Gut und glaubwürdig verteidigen“
Ein zweites zentrales Thema der Ansprache war der Cyberangriff auf das Verzeichnis der wirtschaftlich Berechtigten. Liechtenstein hat kein Militär – doch im Cyberraum ist der Angriffsweg kurz. Braucht das Land also so etwas wie ein Cybermilitär, um seine Souveränität zu schützen?
„Wir müssen uns wirklich konkret Gedanken machen“, sagte der Erbprinz: Gerade mit Blick auf Angriffe wie den jüngsten auf das Verzeichnis der wirtschaftlich Berechtigten gelte es, die richtigen Strukturen zu schaffen – in Zusammenarbeit mit den Besten weltweit. Es gebe zwar die Stabsstelle für Cybersicherheit, „Wir müssen einen Weg finden, wie wir uns gut und glaubwürdig verteidigen können. Auch in der Zukunft“.
Was das konkret heisse, müsse nun rasch, aber gut überlegt aufgearbeitet werden – und dann mit der breiten Bevölkerung diskutiert werden, im Rahmen der ohnehin ausgearbeiteten Sicherheitspolitik, die diesen Aspekt beinhalte.
Haas: „Ganz genau die gleichen Rechte wie Männer“
Auch Regierungschefin Brigitte Haas äusserte sich im Interview mit dem Landesspiegel zur Rede des Erbprinzen – und machte keinen Hehl daraus, welcher Punkt sie am meisten bewegte: „Freudig und positiv überrascht hat mich die Änderung des Hausgesetzes». Sie begrüsst, dass Frauen und Männer im Fürstenhaus in Zukunft gleichberechtigt sind.
Der Staatsfeiertag sei für sie weit mehr als ein offizieller Akt: Er begleite einen durch das ganze Leben und gehöre zum Zuhause, zur Heimat und zur Identität. Man treffe an diesem Tag eine ganze Menge Leute, die man übers Jahr kaum gesehen habe – das verbinde.

