«Wir wollen unser Spiel machen» – der FC Vaduz ist bereit für die Super League

FC Vaduz vor dem Saisonstart

Sportchef Franz Burgmeier und Trainer Marc Schneider | Foto: Gregor Meier

Fünf Jahre nach dem letzten Abstieg ist der FC Vaduz zurück in der Super League – und mit der Rückkehr verändert sich weit mehr als nur die Liga. Das Rheinpark-Stadion wird ausgebaut, die TV-Produktion aufgerüstet, und auch sportlich wartet auf den Klub eine neue Realität. Heute Morgen informierten die Verantwortlichen über die wichtigsten Neuerungen vor der Saison 2026/27.

Grundlage ist eine Rekordsaison. Mit 81 Punkten sicherten sich die Liechtensteiner den Meistertitel der Challenge League und den vierten Aufstieg der Vereinsgeschichte – so viele Punkte holte der Klub in einer Challenge-League-Saison noch nie.

Fast tausend Plätze mehr

Der Aufstieg zwingt den Verein zu zahlreichen Anpassungen rund um das Rheinpark-Stadion. Die auffälligste Neuerung: Aus Sitzplätzen wurden Stehplätze. Die komplette Südtribüne ist neu ein Stehplatzbereich, dazu kommt ein Stehplatzsektor im Norden für die eigenen Fans. Damit fasst das Stadion neu 6814 Zuschauer – knapp 1000 mehr als bisher. Die bislang meist bis in den Frühling gesperrte Gegentribüne bleibt grundsätzlich offen und ist – räumlich getrennt vom Heimanhang – für die Gästefans vorgesehen.

Wo mehr Publikum erwartet wird, wird auch nachgerüstet: zusätzliche Ticket-Terminals und Kassen am Spieltag, eine neue LED-Beleuchtung sowie diverse Installationen für den Fernsehbetrieb. Als Zielgrösse nannte der Verein die Zuschauerzahlen der Super-League-Jahre 2014 bis 2017, als im Schnitt zwischen 3 900 und 4 800 Fans ins Stadion kamen.

„Wir wollen unser Spiel machen“

Sportlich gibt sich der Aufsteiger selbstbewusst, ohne die eigene Rolle zu überhöhen. Sportchef Franz Burgmeier sprach von einer Riesenherausforderung für den ganzen Klub, zeigte sich aber überzeugt, eine konkurrenzfähige Mannschaft zu haben. Oberstes Ziel sei der Klassenerhalt.

Trainer Marc Schneider will den erfolgreichen Fussball der Aufstiegssaison nicht über Bord werfen. Vaduz soll auch gegen stärkere Gegner mutig auftreten: Man werde nicht tief stehen und auf einen glücklichen Punkt hoffen, sondern das Spiel selbst gestalten – auch wenn das grössere Risiken berge. „Wenn man eine Mannschaft von mir sieht, dann möchte ich, dass wir Fussball spielen“, so Schneider. Die grösste Umstellung sei ohnehin eine mentale: Statt vor ein paar Hundert Zuschauern gehe es nun vor teils 20 000 und mehr.

Enger Kader, klare Rollen

Personell hat sich über den Sommer einiges getan. Mehrere Spieler verliessen den Klub, dafür kamen bewusst vor allem junge, zum Spielstil passende Neuzugänge – etwa Juan Cabrera und Lado Akhalaia von Greuther Fürth oder Julian Stark vom SC Verl. Für Erfahrung sorgt der 36-jährige Torjäger Dejan Sorgić, der die Liga bestens kennt. Gerade in der Offensive habe man an Qualität und Kreativität gewonnen, betonte Burgmeier – jenes Element, das in der Hinrunde der Aufstiegssaison noch gefehlt hatte.

Der Kader bleibt dabei bewusst schlank. Das erhöht die Bedeutung jedes Einzelnen, macht den Klub aber auch anfällig für Ausfälle: Mittelfeldspieler Seiler fällt mit Knieproblemen aus und muss operiert werden, auch Neuzugang Ranjan Neelakandan hat sich am Knie verletzt. Weitere Abklärungen laufen; ein zusätzlicher Transfer in den kommenden Tagen ist möglich.

Neben dem Sportlichen bleibt eine strukturelle Besonderheit: Als Gastklub aus dem Ausland zahlt Vaduz der Swiss Football League eine vertraglich geregelte Abgabe.

Kein einfacher Auftakt

Ins Pflichtspieljahr startet Vaduz bereits am Donnerstag – mit dem Heimspiel gegen Atlètic Club d’Escaldes aus Andorra in der 2. Qualifikationsrunde der Conference League; das Rückspiel folgt eine Woche später. Der Gegner ist schwer einzuschätzen: Escaldes setzte sich in der ersten Runde gegen Mornar Bar aus Montenegro durch und wirkt nach den wenigen verfügbaren Bildern abgeklärt und erfahren.

In der Meisterschaft folgt ein happiges Startprogramm mit Lugano, dem ersten Heimspiel gegen St. Gallen und Sion. Von einfachen Gegnern will Schneider ohnehin nichts wissen: „Es gibt für mich keine einfachen Gegner.“ Dafür gelte auch das Gegenteil – schlagbar sei jeder.

hitze.li