Enhanced Games in Las Vegas: Nur ein Weltrekord trotz erlaubtem Doping
Vom 21. bis 24. Mai 2026 fanden in Las Vegas die ersten Enhanced Games statt – ein Sportwettkampf, bei dem der Einsatz von leistungssteigernden Mitteln nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht ist. Das Versprechen der Veranstalter, Rekorde reihenweise zu brechen, erfüllte sich nur teilweise: Von 22 Wettkämpfen in Schwimmen, Leichtathletik und Gewichtheben resultierte am Ende lediglich ein einziger Weltrekord.
Den einzigen Rekord setzte der griechische Schwimmer Kristian Gkolomeev. Er schwamm die 50 Meter Freistil in 20,81 Sekunden und unterbot damit die bisherige Bestmarke des Australiers Cameron McEvoy (20,88 Sekunden). Für den Weltrekord kassierte Gkolomeev einen Bonus von einer Million Dollar – zusammen mit dem Siegespreis ergab das 1,25 Millionen Dollar.
Weit weniger als erwartet lieferte der amerikanische Sprinter Fred Kerley. Er gewann zwar den 100-Meter-Final in 9,97 Sekunden und verdiente damit 250 000 Dollar – doch das Rennen musste wegen Fehlstarts und losgebundener Schuhe viermal neu gestartet werden. Kerley hatte vor dem Wettkampf grossspurig angekündigt, Usain Bolts Weltrekord von 9,58 Sekunden werde «zerstört» werden. Seine 9,97 Sekunden hätten bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 für den letzten Platz gereicht – damals war er mit 9,81 Sekunden Dritter geworden. Nach eigenen Angaben verzichtete Kerley auf Dopingmittel. Im Deadlift-Wettbewerb besiegte der isländische Kraftsportler Hafthor Björnsson seinen Konkurrenten Mitchell Hooper mit einem erfolgreichen Lift von 475 Kilogramm. Beide scheiterten anschliessend am Versuch, 515 Kilogramm zu stemmen und damit einen Weltrekord aufzustellen.
38 der 42 Teilnehmer hatten nach Angaben der Veranstalter die Wettkämpfe unter medizinischer Aufsicht acht Wochen lang mit Testosteron und Wachstumshormonen vorbereitet. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) bezeichnete die Enhanced Games als «völlig verantwortungslos und unmoralisch» und als «Verrat an allem, wofür wir stehen». Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA nannte das Konzept «gefährlich und unverantwortlich». Travis Tygart, Chef der amerikanischen Anti-Doping-Agentur, sprach von einer «gefährlichen Clown-Show».
Für die Organisatoren dürfte das Ergebnis ernüchternd sein: Die ursprüngliche Vision einer mehrtägigen, olympischen Grossveranstaltung wurde bereits im Vorfeld massiv zusammengestrichen – am Ende standen drei Sportarten und sieben Disziplinen auf dem Programm.

