KI-Aktien reissen Wall Street von den Rekordhochs
Einen Tag nach einem neuen Allzeithoch sind die US-Börsen eingebrochen. Ausgelöst hat den Einbruch ein abrupter Stimmungswechsel bei Technologieaktien – kombiniert mit steigenden Ölpreisen, die den Anleihenmarkt erschütterten.
Nvidia, die Aktie, die wie keine andere zum Symbol des KI-Booms geworden ist, verlor am Freitag 4,4 Prozent und war damit der schwerste Bremsklotz im S&P 500. Micron Technology brach sogar 6,6 Prozent ein. Der Absturz markiert eine scharfe Kehrtwende: Technologieaktien hatten die US-Börsen in den vergangenen Monaten auf immer neue Rekordhöhen getrieben – am Donnerstag noch hatte der S&P 500 einen neuen Allzeithöchststand erreicht.
Einen Tag später war davon nichts mehr übrig. Am Ende stand ein Verlust von 92,74 Punkten auf 7’408,50 Zähler für den S&P 500, ein Minus von 1,2 Prozent. Der Dow Jones Industrial Average verlor 537,29 Punkte.
Beobachter an der Wall Street wiesen darauf hin, dass die Bewertungen nach monatelangem Anstieg ein überdehntes Niveau erreicht hatten. Die Kursgewinne der vergangenen Monate seien zwar durch starke Unternehmensgewinne und eine robuste US-Wirtschaft gestützt worden – doch genau diese Faktoren hätten auch dazu geführt, dass die Märkte anfälliger für eine Korrektur wurden.
Öl verteuert sich – Anleihen geraten unter Druck
Im Hintergrund steht der Iran-Krieg, der die Energiepreise weiter in die Höhe treibt. Brent-Rohöl verteuerte sich um 3,3 Prozent auf 109,26 Dollar je Fass. Die anhaltende Blockade der Strasse von Hormus – durch die täglich mehr als 20 Prozent der weltweiten Energieversorgung fliesst – hält den Preisdruck aufrecht und nährt die Inflationssorgen.
Am deutlichsten spürbar war das am Anleihenmarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg auf den höchsten Stand seit einem Jahr, jene dreissigjähriger Anleihen erreichte mit 5,13 Prozent ein Niveau, das zuletzt 2007 – kurz vor der Finanzkrise – verzeichnet worden war. Steigende Anleiherenditen bedeuten höhere Kreditkosten für Haushalte und Unternehmen: Hypotheken, Konsumkredite, Unternehmensfinanzierungen – alles wird teurer.
Besonders stark traf es Aktien kleinerer Unternehmen. Sie sind in besonderem Mass auf Fremdkapital angewiesen und reagieren entsprechend empfindlich auf steigende Zinsen.
Fed unter Druck
Die Angst vor einer höheren Inflation lässt der US-Notenbank Fed kaum Spielraum für Zinssenkungen. Auch überraschend gute Konjunkturdaten trugen dazu bei: Eine robuste Wirtschaft kann den Preisdruck am Leben erhalten und macht frühzeitige Zinssenkungen unwahrscheinlicher.
Marktbeobachter warnten, dass der lange, nahezu einseitige Aufwärtstrend an den Märkten brüchig geworden ist und Volatilität in beide Richtungen wirken kann.
Weltweiter Verkaufsdruck
Die Verluste blieben nicht auf die USA beschränkt. In Europa und Asien gaben die wichtigsten Indizes um mehr als 1,5 Prozent nach. Südkoreas Kospi verlor besonders stark – 6,1 Prozent – was auf das grosse Engagement des Landes in der Halbleiter- und KI-Industrie zurückzuführen ist.
Der Tag hat gezeigt: Die Märkte können steigende Ölpreise und höhere Anleiherenditen eine Zeit lang ausblenden. Irgendwann holen sie ein.

