Schweizer Wirtschaft wächst 2026 unterdurchschnittlich

Baustellengerüst

Die Expertengruppe Konjunkturprognosen des Bundes hat ihre Wachstumserwartung für die Schweiz leicht nach unten korrigiert. Für das laufende Jahr 2026 rechnet sie mit einem BIP-Wachstum von 1,0 Prozent – und damit mit einer unterdurchschnittlichen Entwicklung. Für 2027 bleibt die Prognose unverändert bei 1,7 Prozent.

Haupttreiber der Abwärtsrevision ist der Krieg im Nahen und im Mittleren Osten, der seit Ende Februar zu einem deutlichen Anstieg der internationalen Erdöl- und Gaspreise geführt hat. Dies trübt nicht nur die globalen Konjunkturaussichten, sondern lässt auch höhere Inflationsraten in wichtigen Handelspartnerländern Europas und Asiens erwarten.

Vor diesem Hintergrund erhöht die Expertengruppe ihre technische Annahme für die durchschnittlichen Erdölpreise. Für die Schweiz ergibt sich daraus eine etwas höhere Inflation als noch im Dezember prognostiziert: Die Expertengruppe rechnet nun mit 0,4 Prozent (Dezemberprognose: 0,2 %). Die Kaufkraft der privaten Haushalte dürfte dadurch leicht unter Druck geraten.

Zusätzlich belasten das gedämpfte Wachstum der Weltnachfrage sowie der hoch bewertete Franken die exportorientierte Schweizer Wirtschaft, was sich wiederum auf die Investitionstätigkeit auswirkt.

Stabilisierung zum Jahresende 2025

Im vierten Quartal 2025 wuchs das Schweizer BIP um 0,2 Prozent, nachdem es im Vorquartal um 0,4 Prozent zurückgegangen war. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung stabilisierte sich damit zum Jahresende. Auch für das erste Quartal 2026 deuten die vorliegenden Daten und Umfragen auf ein erneutes Wachstum hin.

Arbeitslosigkeit steigt vorübergehend

Die schwächere Konjunktur schlägt sich auf dem Arbeitsmarkt nieder. Die Arbeitslosenquote dürfte im Jahresdurchschnitt 2026 auf 3,0 Prozent steigen. Gegenüber der Dezemberprognose (3,1 %) ist dies allerdings eine leichte Aufwärtskorrektur zugunsten der Beschäftigten – bedingt durch die etwas günstigere Entwicklung am Jahresende 2025. Für 2027 erwartet die Expertengruppe eine Entspannung auf 2,8 Prozent.

Risiken bleiben erheblich

Die weiteren wirtschaftlichen Risiken sind beträchtlich. Eine anhaltende Störung der Energieinfrastruktur oder der Transportwege im Nahen Osten könnte die Energiepreise weiter in die Höhe treiben und die Weltwirtschaft zusätzlich belasten. Darüber hinaus bleibt die Unsicherheit rund um die US-amerikanische Handelspolitik bestehen: Die Prognose basiert auf der technischen Annahme, dass die US-Importzölle auf dem aktuellen Stand bleiben – weitere Erhöhungen sind jedoch möglich.

Auch Korrekturen an den Finanzmärkten sowie die hohe globale Staatsverschuldung werden als Risikofaktoren genannt. Bei einer Materialisierung mehrerer Risiken ist mit zusätzlichem Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken zu rechnen.

Mittelfristig zeigt sich die Expertengruppe vorsichtig optimistisch: Für 2027 erwartet sie ein Wachstum von 1,7 Prozent bei einer Inflation von 0,5 Prozent. Das europäische Ausland – insbesondere Deutschland – dürfte sich allmählich von seiner aktuellen Schwächephase erholen, was auch der Schweizer Wirtschaft zugutekommen soll. Eine steigende Auslastung der Produktionskapazitäten dürfte die Investitionsdynamik moderat ankurbeln.

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